Max-Josephs-Platz München:Eine Piazza zum Glücklichsein

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Max-Josephs-Platz München: Der Max-Joseph-Platz in der Münchner Innenstadt mit der Residenz (li.) und der Bayerischen Staatsoper (re.).

Der Max-Joseph-Platz in der Münchner Innenstadt mit der Residenz (li.) und der Bayerischen Staatsoper (re.).

(Foto: Robert Haas)

Historisch gesehen war der Platz vor der Münchner Oper immer einer mit Steinboden. Er sollte vor allem frei gehalten werden von kommerziellen Nutzungen.

"Oase vor der Oper" vom 28. November:

Nie begrünt, immer mit Pflaster

Der Max-Joseph-Platz wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Geheiß des ersten bayerischen Königs angelegt und unter seinen Nachfolgern vollendet. Mit ihm beginnt die monumentale Umgestaltung Münchens, die den Vergleich mit anderen europäischen Haupt- und Residenzstädten nicht zu scheuen brauchte. Der Platz ist gesäumt von klassizistischen Hauptwerken der Architekten Karl von Fischer und Leo von Klenze. Als ideelle Vorbilder für das Ensemble dienten Bauten und Plätze vor allem der italienischen Renaissance. Keiner dieser historischen Plätze ist jemals begrünt gewesen, und auch auf dem Max-Josephs-Platz gab es in den letzten zweihundert Jahren niemals auch nur einen Quadratzentimeter Grün. Es hätte dem Charakter des Platzes einfach nicht entsprochen.

Das heißt nicht, dass man nichts tun muss: Das Pflaster sollte man komplett durch einen einheitlichen, nicht zu rauen, aber auch nicht zu glatten Belag aus Granit ersetzen. Der Asphaltsee vor dem Residenztheater und dem Königsbau der Residenz ist ein Schandfleck. Selbst wenn man die Tiefgaragenrampe dort ließe, wo sie jetzt ist, bräuchte man keine so breite Zufahrt, auch keinen Asphalt und keine Bordsteine. Die Frequenz der Tiefgarage ist so gering, dass eine dezente Markierung völlig genügte. Fußgänger hätten ohnehin auf der ganzen Fläche Vorrang.

Das Schönste am Max-Josephs-Platz ist, dass es hier kaum aufdringlichen Kommerz oder sonstigen Rummel gibt, auch so gut wie keine Beleuchtungsorgien. Sieht man von der Westseite ab, beschränkt sich die "Möblierung" im Wesentlichen auf eine durchgehende steinerne Sitzbank am Sockel der Residenz, das Denkmal Max Josephs I. und die Freitreppe vor der Staatsoper. Mehr braucht es nicht zum Glücklichsein, zumindest nicht hier.

Axel Lehmann, München

Nutzung ist Verschandelung

Sieht wirklich verführerisch aus, die Illustration eines bunt blühenden Max-Josephs-Platzes. Möge es so kommen. Aber auch dann steht zu befürchten, ist es eine Frage der sicher sehr kurzen Zeit, bis auch so ein Schmuckstück wieder zweckentfremdet und entstellt würde - durch Partyzelte für eine Internationale Automobilausstellung oder irgendwelche sonstigen in die Stadt hineinwuchernden Veranstaltungen; durch breitschultrige Figuren, die für Football à la USA werben; für eine "naturnahe" Sportveranstaltung wie "Beach"-Volleyball, und so weiter.

Die Stadt München zeigt in den vergangenen Jahren erschreckend rücksichtslos nachlassenden Respekt vor all ihren schönsten und spektakulärsten Plätzen, die nicht mehr genau das sein und bleiben dürfen: schön zum Genießen und Verweilen - nein, sie müssen genutzt werden, was immer auch Verschandelung bedeutet. Leider würde wohl auch eine Opern-Oase davon nicht verschont bleiben...

Friedrich-Karl Bruhns, München

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