LeseraufrufMit Herz, Ausdauer und Wachsamkeit

Lesezeit: 8 Min.

Illustration: Claudia Klein

Die SZ fragte: Worauf waren Sie 2025 stolz? Was uns Leserinnen und -Leser antworten, spendet in Nachrichtenzeiten, die auch schon mal besser waren, Zuversicht. Zur Abwechslung also mal: nur Mut!

Liebe Leserinnen und Leser ...

... die Ereignisse des ausklingenden Jahres 2025 haben Menschen viel abverlangt: die politische Weltlage, der Klimawandel und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Und dennoch machen wir Menschen weiter – geben uns Mühe, diese Welt ein kleines Stück zu besser zu machen. Aus diesem Grund wollen wir mit Ihnen kurz vor dem Jahreswechsel auf der Leserbriefseite Zuversicht tanken. Wir wollten von Ihnen wissen, worauf Sie im Jahr 2025 besonders stolz waren: Wir dachten dabei an einen gelaufenen Marathon, an eine gut laufende Beziehung, ans Lösen von Konflikten in Ihrem Umfeld oder auch an regelmäßigen Fleiß im Fitnessstudio.

Gestartet haben wir diesen Aufruf sehr knapp vor Weihnachten – und sind begeistert von Ihren Rückmeldungen. Und von Ihrer Bereitschaft, Ihre kleinen und großen, Ihre schönen oder kuriosen Erfolge mit anderen Leserinnen und Lesern zu teilen. Da sind beachtliche Leistungen dabei, Einblicke in Lebensumstände, die einen demütig machen, aber auch Dinge, die einfach zu Herzen gehen. Es gab auch Hinweise von einem Leser, der sich an dem Wort „Stolz“ gerieben hat. Nach Lektüre der vielen wunderbaren Leserzuschriften dürfte sich auch bei ihm der Zweifel gelegt haben, weil die Gefühle hier alle in eine gute Richtung weisen. Wir haben uns über alle Zuschriften sehr gefreut. Es sind Einblicke in tolle Leistungen, und längst nicht nur in solche, die mit Sport oder Beruf zu tun haben, sondern es sind vor allem auch menschlich beeindruckende Erlebnisse und vorbildliche Engagements. Wir wünschen Ihnen allen einen guten Rutsch in ein hoffentlich friedlicheres und erfreuliches Jahr 2026 – und, ja, das kann man nach Lektüre all dieser Zuschriften sagen: Wir hier in der Redaktion mögen unsere Leserinnen und Leser und sind heute mal richtig stolz auf Sie!

Das Team der SZ-Leserbriefseite

Mut, Vernunft, Liebesglück

In diesem Jahr war ich vor allem darauf stolz, dass mir alle Wanderungen und Bergtouren gelungen sind, vom Pilgerweg auf Sizilien bis zur Dachsteinumrundung, obwohl ich als 76-Jährige mit Arthrose vorher etwas unsicher war. Steile Aufstiege, lange Strecken, immer den Rucksack auf dem Buckel, aber ich bin überall heil angekommen. Dass ich auf dem Weg zum Watzmanngipfel im aufkommenden Nebel umgedreht bin, ohne zu hadern, macht mich auch stolz. Besonders zufrieden mit mir bin ich wegen einer ganz harmlosen Aktion: Auf einer Hütte saß ich mit meiner Freundin beim Abendessen, an einem anderen Tisch ein Mann, zwischen anderen Leuten, in ein Buch vertieft. Wir waren uns auf dem Weg zur Hütte schon begegnet und hatten ein paar Worte gewechselt. Aus einem Impuls heraus ging ich hinüber und fragte ihn, ob er nicht an unseren Tisch kommen wolle. Er kam, und von diesem Moment an entspann sich ein Gespräch zwischen meiner Freundin und ihm, das bis heute anhält. Sie sind ein Liebespaar geworden. Das macht mich stolz und glücklich.

Susanne Schlossarek, Berlin

Zeit schenken, Freude spüren

Seit Juni diesen Jahres bin ich als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig, betreue zurzeit zwei Menschen auf ihrem letzten Weg, und es erfüllt mich mit Freude, dass ich nur durch Schenken meiner Zeit ein Lächeln in die Gesichter zaubern kann. Bin 78 Jahre alt und hätte nie gedacht, in dem Alter noch eine so dankbare Aufgabe zu haben.

Jutta Holz, Frankenau

Die eigene große Tour

Meine Frau ist 83 und ich bin 81 Jahre alt. Wir sind dieses Jahr die „Ronde van Nederland“ geradelt (ohne E-Bike), das waren 1512 Kilometer in 28 Tagen, bei teilweise extremem Gegenwind. Dass wir das geschafft und trotzdem überwiegend genossen haben, dafür sind wir dankbar und auch etwas stolz.

Norbert und Ruth Kuck, München

Herzlicher Optimismus – und Warten aufs Spenderherz.
Herzlicher Optimismus – und Warten aufs Spenderherz. Boris Roessler/dpa

Eine echte Herzensangelegenheit

Ich bin weniger stolz auf mich (trotz erreichter Ziele), sondern auf meinen besten Freund, der seit über einem Jahr mit einem „externen Herzen“ lebt und nun geduldig im Klinikum Heidelberg auf ein Spenderherz wartet. In seiner Brust pumpt kein Muskel mehr das Blut durch den Körper, sondern dies leistet nun eine Maschine, die er immer in einer Tasche mit sich tragen muss. Weltweit gibt es nur unter hundert solcher vollständiger Kunstherzen. Aus seinem Bauch ragt ein Kabel zur Stromversorgung. Seine trotz massiver Einschränkungen optimistische Einstellung gereichen mir zum Vorbild, wenn ich von den Hürden des Alltags herausgefordert bin.

Dr. Jochen König, Heidelberg

Demokratie sichern

Ich bin Jahrgang 1943, mein Vater ist im Januar 1945 „gefallen“. Als Halbwaise durch den verbrecherischen Krieg der Nazis engagiere ich mich seit Jahrzehnten gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und für unsere Demokratie. Ich wollte immer Verantwortung dafür übernehmen, dass etwas wie der Nationalsozialismus nie mehr passiert. Stolz bin ich Ende 2025 auf ein überparteiliches und langfristig angelegtes Bündnis in Moosburg zur Sicherung der Demokratie, das „Moosburger Mosaik“. Ein Mosaik besteht aus vielen individuellen Einzelteilen, die in der Vielfalt ihre Wirkung entfalten. Ich habe diese Initiative mitinitiiert, wir haben 2025 viele Aktivitäten entwickelt und mittlerweile fast 300 Unterstützerinnen und Unterstützer – und es werden immer mehr. Das macht mich sehr stolz!

Klaus Reichel, Moosburg

Wärmepumpe voll im Plan

Ich bin stolz darauf, dass ich es 2025 geschafft habe, innerhalb von drei Monaten die gesamte Planung, die Handwerkerauswahl, die Energieberatung und den KfW-Zuschussantrag für die Anschaffung einer Wärmepumpe erfolgreich zu organisieren. Vor allem darüber, dass die Gesamtkosten nach Abzug der Förderung nur 12 500 Euro betragen haben! Außerdem bin ich froh darüber, dass wir uns von den negativen Prognosen unseres Umfeldes nicht haben abschrecken lassen.

Andrea Brodersen, Vierhöfen

Gegen die Einsamkeit

Wenn ich in diesem Jahr auf etwas stolz bin, ja: sein kann, dann, dass ich mich im hohen Alter doch noch dazu entschieden habe, ehrenamtlich bei der Caritas für andere alte Menschen tätig zu sein, die alleine zu Hause leben und nicht mehr so agil und mobil sind wie ich. Und dies trotz anfänglicher Bedenken, die sich im Nachhinein nicht nur als unnötig erwiesen, sondern mir auch die Erkenntnis verschafft haben, dass ich mit diesen Tätigkeiten schon vor über zehn Jahren – nach dem Ende meiner beruflichen Aktivitäten – hätte anfangen sollen und können. Sie machen andere Menschen und mich selbst vielleicht noch mehr glücklich.

Prof. Dr. Manfred Lange, München

Unfalltrauma überwunden

Im Mai hat mich ein Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit von hinten vom Rennrad katapultiert. Ich hatte großes Glück, dass ich von meinem Rückwärtssalto auf den Wagen und in den Straßengraben nur Frakturen an Lenden-, Hals- und Brustwirbelsäule sowie riesige Hämatome am Rücken abbekommen habe. Nach zwei Monaten bin ich wieder auf den Sattel gestiegen. Nun bin ich stolz, dass ich heute die 15 000 Kilometer auf dem Rennrad im Jahr 2025 geschafft habe. Auch weil ich das offensichtliche Trauma beim Radeln, mich ständig durch die Luft fliegen zu sehen und das mulmige Gefühl bei Autos von hinten, überwunden habe.

Jürgen Hofmann, Kalchreuth

Die eigene Jugend im Buch

Schon seit meiner Pensionierung schreibe ich meine Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugendzeit inmitten einer kinderreichen Kleinbauernfamilie im Chiemgau auf. So entstand irgendwann die Idee, dass aus diesen Texten einmal ein Buch wird. Vor zwei Jahren fand ich dann eine Autorin, die sich für meine Geschichten interessierte. In diesem Jahr wurde der Traum wahr: Vor einigen Wochen erschien das Buch „Zwölf Geschwister ohne Mutter“. Da es eine besondere Ehre ist, auf diese Weise verewigt zu werden, bin ich richtig stolz darauf.

Toni Kronast, Immenstadt

Respekt: Das goldene Sportabzeichen mit 83 abgelegt (Symbolfoto).
Respekt: Das goldene Sportabzeichen mit 83 abgelegt (Symbolfoto). Johannes Simon

Sportabzeichen-Gold mit 83

Ich bin 83 Jahre alt und habe das Goldene Sportabzeichen „gemacht“, wie man so schön sagt. Das letzte Mal hatte ich es vor neun Jahren gemacht, und ich war gespannt, ob es mir noch einmal gelingen würde. Ein bisschen Training war schon nötig, aber der Erfolg hat mich glücklich gemacht – in den Stolz mischt sich sehr viel Dankbarkeit, dass es mir so gut geht, dass ich so etwas überhaupt angehen kann.

Eva Bernhard, Trier

Wachsam gegen Rechtsextreme

Wenn es in diesen schweren Zeiten in der Bundesrepublik etwas gibt, für das man stolz sein kann, dann ist es die Tatsache, dass in der Zivilgesellschaft die Wachsamkeit gegenüber den rechtsradikalen Feinden der Demokratie nicht erlahmt ist. Denn die Demokratie war noch nie so gefährdet wie in diesen Jahren. Lassen Sie uns also gemeinsam zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in der Bundesrepublik eben nicht den Rattenfängern von rechts nachläuft, sondern offensiv für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte eintritt.

Manfred Kirsch, Neuwied

Dem Krebs trotzen

Hurra, 50 Jahre Krebs – und ich lebe noch! Nach unzähligen Operationen, einem Jahr Chemotherapie und ununterbrochenen, schmerzhaften Behandlungen im zweimonatigen Abstand freue ich mich nach wie vor des Lebens. Aus der Arbeit im Lehrdienst sowie aus ein paar Hobbys wie dem Verfassen von Leserbriefen an die SZ lässt sich immer wieder neue Kraft schöpfen und Halt gewinnen. Krebs muss heute nicht das Todesurteil bedeuten. Bei bester medizinischer Versorgung, gesunder Lebensweise, positivem Denken (das Leben als Geschenk) und starkem Gottvertrauen kann jedes Leiden in die Schranken verwiesen, gelindert oder gar bezwungen werden. Am schwierigsten ist immer der erste Schritt: Bitte heute, nicht erst im neuen Jahr!

Christine Lanzinger, Mallersdorf-Pfaffenberg

Spitzentanz mit 67 Jahren

Ich habe 2023 mit klassischem Ballett angefangen, mit 65 Jahren. Nicht bei den Seniorinnen, sondern in einem ganz normalen Anfängerkurs. Inzwischen ist der Kurs längst aus dem Anfängerstadium heraus, und einige kamen auf die Idee, man könnte es doch zum Spaß mal mit Spitzenschuhen versuchen. Unser Lehrer war einverstanden, und seitdem trainieren wir ab und an auf der Spitze. Da bin ich dann stolz, dass ich problemlos mithalten kann. Ich finde es problematisch, wenn beim Stichwort „Rente“ in der SZ wieder einmal Greise mit Rollator als Beispiel präsentiert werden. Es gibt auch – beispielsweise! – 67-jährige, die zum ersten Mal auf Spitzenschuhen stehen. Und, anderes Beispiel, einen 70-jährigen Kanzler. In Anbetracht der Alterung der Gesellschaft wäre es doch wohl wichtig, dass eingefahrene Denkweisen aufgebrochen werden.

Dorothea Becker, Düsseldorf

Wohnung und Neubeginn

Im April traf meine Frau vor einer Kapelle die 44-jährige Krankenschwester Shymol O. Unter Tränen berichtete die Inderin, dass sie schon seit zwei Jahren im Immenstädter Krankenhaus arbeitet, aber keine Wohnung gefunden hat, damit ihre 11- und 14-jährigen Söhne sowie ihre 6 und 7 Jahre alten Töchter und ihr Ehemann nachkommen können. Shymol wollte Ende des Jahres Deutschland wieder verlassen, falls es mit einer gemeinsamen Wohnung nicht klappen würde. Die Inderin stand seit ihrer Ankunft im Allgäu auf den Wartelisten verschiedener Träger von Sozialwohnungen. Immer wieder erhielt sie eine Absage. Als mir meine Frau die Geschichte der Inderin erzählte, schrieb ich als ehemaliger Mitarbeiter der Allgäuer Zeitung (jetzt im Ruhestand) im Juni einen Text über die Situation der Krankenschwester im Lokalteil der Heimatzeitung. Wochen später, Mitte Juli, meldete sich eine Bäuerin aus Immenstadt, selbst Mutter von vier Kindern, der die Geschichte von Shymol O. nahe ging und die Hilfe anbot. Sie habe eine Vierzimmerwohnung zu vermieten. Meine Frau und ich begleiteten die Inderin zum Besichtigungstermin und räumten die Bedenken aus, die Krankenschwester könne möglicherweise die Miete für die sechsköpfige Familie nicht bezahlen. Am Ende erhielt die Inderin den Zuschlag für die Wohnung, obwohl es zahlreiche andere Mitbewerber gab. Es dauerte aber, bis Shymols Kinder und ihr Ehemann ausreisen konnten. Anfang November bekamen die Kinder und ihr Vater das nötige Visum für den Neustart in Deutschland. Die Kinder gehen in den Kindergarten, in die Grund- sowie Mittelschule und der Ehemann hat einen Minijob als Reinigungskraft gefunden.

Werner Kempf, Immenstadt

Politisch engagieren

Seit zwei Jahren bin ich parteipolitisch aktiv, weil ich dazu beitragen möchte, dass wir auch zukünftig in einem freien und demokratischen Deutschland leben können. Im Bundestagswahlkampf habe ich viele Wochenenden mit kalten Füßen an Wahlständen verbracht, um Passanten zu überzeugen, eine demokratische Partei zu wählen. Ich bin stolz darauf, dass ich mir die Zeit für dieses Engagement nehme. Dabei gäbe es so viele andere Dinge, in die ich meine Zeit investieren könnte: Ich bin Mutter von zwei Kindern, Teamleiterin mit Vollzeitstelle, treibe Sport, koche und verbringe gern Zeit mit meinem Mann. Das Engagement für die Gesellschaft und unser Land ist mir aber so wichtig, dass ich Freizeit dafür finde. Das gelingt ohne schmerzliche Abstriche bei anderen Beschäftigungen. Das Zeitunglesen am Frühstückstisch fällt vielleicht etwas kürzer aus, den ein oder anderen „Tatort“ lasse ich ausfallen. Doch das ist mehr als verkraftbar, wenn dafür ein paar mehr Wähler ihr Kreuz bei einer demokratischen Partei machen.

Henrike Lau, Hannover

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