Feuerzangenbowlenfolklore
"Auf Abwegen zur Reife" vom 25./26. März:
Amüsiert habe ich die Glosse von Wolfgang Görl über das Kurt-Huber-Gymnasium gelesen. Auch ich war Anfang der Sechziger Jahre für einige Zeit auf diesem Gymnasium, sogar in der Klasse des späteren Hut-Revoluzzers. Durch allerhand pubertären Unfug trug ich ebenso zu dem besagten Ruf dieser Schule bei. Nach vier Jahren wechselte ich, bedingt durch den Umzug in eine andere Stadt, auf ein anderes Gymnasium. Dort wurden wir an wesentlich kürzerer Leine gehalten. Die Zeit des pubertären Übermuts war damit für mich vorbei.
Dafür reichte es dort, sich einen roten Bart wachsen zu lassen, um fortan als ein vom linken Zeitgeist befallener Umstürzler angesehen zu werden. Das reichte für die erstrebte Anerkennung im eigenen Milieu und es bedurfte keiner weiteren intellektuellen Anstrengung. Es war weniger wichtig, was man tatsächlich machte, sondern wofür man gehalten wurde.
Ich kenne das Phänomen, dass viele ältere Semester, die man als seriöse Zeitgenossen kennt, in der Rückschau gerne von einer Schulzeit als wilde Kerle oder Feger schwärmen und die Erinnerung daran mit ein wenig Feuerzangenbowlenfolklore aufhübschen. Erfolgreiche Schullaufbahnen mit ständig guten Noten geben anekdotisch halt wenig her.
Aus jener Lehranstalt, auf der auch ich letztendlich das Abitur schaffte, gingen in ihrer langen Geschichte ein späterer Papst und zu meiner Zeit ein Fußballweltmeister, ein Tatortkommissar und ein musikalisch talentierter SZ-Redakteur hervor. Von den drei letztgenannten Personen ist mir nichts in Erinnerung, was man mit wilden Kerlen in Verbindung bringen könnte.
Ich erwähne das nur für den Fall, dass irgendwelche Gerüchte auftauchen sollten.
Friedrich Belser, Teisendorf
Noch mehr Autos in die Stadt
"Diese Autobahnen bei München sollen schneller ausgebaut werden" vom 30. März:
Sie beschreiben hier die Pläne und drohende Realität sehr nüchtern und ohne Bewertung. Ich hätte mir zumindest einen Kommentar oder eine kritische Einordnung gewünscht. Wenn das die Mobilitätswende ist, dann gute Nacht. In München sollen zwei Autobahnen, die in die Stadt zum Mittleren Ring führen, von vier auf sechs Spuren erweitert werden. Also noch mehr Autos in die Stadt, wo sie dann halt später im Stau stehen und die City verstopfen, statt Park & Ride und Öffentlicher Personennahverkehr.
Es wäre schon verrückt, wenn mit den Stimmen der Grünen im Bund sämtliche Bestrebungen der grün-roten Stadtregierung zunichte gemacht würden.
Manfred Mayr, München
Ein Interim mit Qualität
"Funktionsfähige Musikbauten" vom 8. März:
Kultur braucht Pflege - Gebäude aber auch. Angesichts der vielen Baustellen sollten dies inzwischen Alle kapiert haben. Bevor man sich einen weiteren pflegeintensiven Neubau anschafft, sollte man lieber die nun gut funktionierende Isarphilharmonie im HP8 (in München-Sendling)pflegen. Und diese nicht gleich von Anfang an als Interimslösung kaputtreden.
Günter Meyer, Architekt, München
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