„Deutschland droht Klimaziele zu verfehlen“ vom 19. Mai:
Verantwortungslos
Die Verfehlung der Klimaziele in Deutschland ist mir schon seit Jahren klar. Unsere Bundesregierungen betrieben und betreiben eine verantwortungslose Klimaschutzpolitik. Es seien nur einige Beispiele erwähnt: Die viel zu geringe Förderung der Solarindustrie zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit der Folge ihrer Abwanderung. 2012 wurden Solarfördersätze so stark gekürzt, dass der jährliche Ausbau von 8 Gigawatt Solarleistung auf etwa 1,5 Gigawatt fiel. 2016 wurde der Ausbau der erneuerbaren Energien durch Umstellung der Förderung größerer Anlagen auf Ausschreibungen weiter gebremst. Und heute wird Ausbau von Photovoltaik-Dachanlagen gebremst. Die Bilanz ist katastrophal.
Artur Borst, Tübingen
Ratlosigkeit in Berlin
Die vom Klimaschutzgesetz gesteckten Klimaziele werden sich wohl nicht erreichen lassen, hat der Expertenrat der Bundesregierung dieser soeben ins Stammbuch geschrieben. Insbesondere im Gebäude- und Verkehrsbereich sieht es duster aus, und so diskutiert man nun noch leidenschaftlicher über das Verbrenner-Aus und über die Wärmepumpe in der Neufassung des Gebäudeenergiegesetzes, derweil die Umweltverbände schon „ein fossiles Rollback“ befürchten. Die Ratlosigkeit in Berlin scheint groß zu sein, wie den beiden „Elefanten im Klimaraum“ (Hans Joachim Schellnhuber) beizukommen sein soll: dem Bausektor mit 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen und dem Verkehrssektor, der in Deutschland für 22 Prozent der Treibhausgasemissionen (146 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente) verantwortlich ist. Als ob da im Bausektor nicht noch an ganz anderen Rädern gedreht werden müsste, etwa an der gängigen Beton-, Stahl- und Glasbauweise, die sich ersetzen ließe durch moderne mehrgeschossige Holzbauweise. Und dass im Verkehrssektor das Tempolimit auf Autobahnen selbst in Zeiten der Energiekrise noch immer tabuisiert wird, obwohl sich damit viele Millionen Tonnen CO₂ schmerzfrei einsparen ließen (wie das Umweltbundesamt schon 2024 verbreitete), ist skandalös. Oder glaubt man allen Ernstes, dass sich die Krise der deutschen Autobauer durch ein Tempolimit, wie es in allen zivilisierten Ländern der Welt längst eingeführt ist, noch weiter verschärfen könnte? Angst ist kein guter Ratgeber, erst recht, wenn die 2015 von der Pariser Klimaschutzkonferenz vereinbarte und von 190 Staaten ratifizierte 1,5-Grad-Celsius-Leitplanke der Erderwärmung bereits überschritten zu sein scheint.
Wolf Hockenjos, Donaueschingen
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