„Wenn die Kuh nicht mehr rülpst“ vom 12. September:
Der ewige Kreislauf
Mit kontinuierlicher Regelmäßigkeit berichtet die SZ über das beim Wiederkäuen von Rindern ausgestoßene Methangas und unterstreicht damit die vor allem von der Automobilindustrie mit Vorliebe kommunizierte Rolle der „Kuh als Klimakiller“. Bei vielen Lesenden bleibt vor allem die Überschrift hängen. Insofern war die provozierende Headline ein Bärendienst für Klimaleugner und jene, die die Schuld für die Treibhausgasbelastung gerne anderen anlasten. Immer, wenn ein Forscherteam zu diesem Thema einen angeblich neuen Weg entdeckt hat, berichten die Medien selten einmütig darüber, um dann nach 176 Zeilen am Ende festzustellen, dass schon „weniger Rindfleisch-Verzehr“ der bessere Ansatz wäre.
Es wird mit keinem Wort erwähnt, dass der Methangas-Ausstoß schon seit Jahrtausenden durch Millionen von wiederkäuenden Wildrindern global erfolgt und sich in einem natürlichen Kreislauf befindet. Dies führte in etwa vier Milliarden Jahren zu keinen klimarelevanten Veränderungen, in denen Methan stets in derselben Menge abgebaut wurde, wie es nachströmte. Erst mit der Erdgasgewinnung, dem problematischen Fracking sowie dem anthropozän bedingten Auftauen von Methaneis und Permafrost wurde seit dieser Zeit der Methangehalt in der Atmosphäre um den Faktor 4 erhöht. Zu diesem künstlich entstandenen Höchstwert tragen alle Wiederkäuer nur noch mit einem Anteil von 2,5 Prozent bei, der sich jedoch nach wie vor im natürlichen Kreislauf befindet. Der bis heute immer wieder in Anspruch genommene Mythos der „Kuh als Klimakiller“ erweist sich als ein von Interessengruppen gezielt gelegter Irrweg. Daher wäre es ehrenwert, wenn die SZ diesen Sachverhalt endlich einmal mit Nachdruck in das öffentliche Interesse heben könnte. Denn zur Weidehaltung von Rindern gibt es aus klimapolitischer, naturschutzfachlicher und auch aus agrarbiologischer Sicht keine zukunftsfähige Alternative!
Dieter Popp, Haundorf
Eine Frage der Haltung
Bei richtiger Haltung und Fütterung sei die Kuh keineswegs ein „Klimakiller“, so Idel, sondern vielmehr eine Klimaschützerin. Frisst die Kuh Gras, regt sie es damit zum Wachstum an. Das Gras bildet Feinwurzeln aus, die deutlich mehr CO₂ speichern können als etwa Wälder. Stößt die Kuh Methan aus, wird es in der Atmosphäre innerhalb von zwölf Jahren in CO₂ umgewandelt. Diesen Kohlenstoff nutzen Gräser für ihr Wachstum und speichern ihn dabei im Boden. Damit werden die eigentlich schädlichen Emissionen der Kuh neutralisiert – ein perfekter Kreislauf. Die Koevolution von Wiederkäuern und Grasland wird von Menschen seit Langem genutzt. So wurden Kühe nicht nur als Milch- und Fleischlieferanten gehalten, sondern auch, weil sie zum Bodenaufbau beitragen, eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Ackerbau.
Heidrun Funk, Berlin
Lasst die Kühe auf der Weide!
Es ist schon abwegig, Kühe und deren Methanausstoß für vier Prozent der Erderwärmung verantwortlich zu machen und das Hornvieh an Schädlichkeit mit einem Auto gleichzusetzen. Es ist ein typisches Beispiel für monokausales Denken, weil der einheimische Rinderbestand sich schon rein zahlenmäßig nicht seriös mit den riesigen Herden in Südamerika vergleichen lässt. Betrachtet man etwa den Nutzen für die oberbayerische Landschaft, werden die Betrachtungen schon deutlich konterkariert. Sollen etwa Mähmaschinen auf die Almweiden fahren? Und was ist mit den wertvollen Inhaltsstoffen der Kuhmilch – sollen wir jetzt auf industriell hergestellte Heumilch ausweichen?
Man sollte doch die Kirche im Dorf beziehungsweise die Kühe auf der Weide belassen – ohne „Anti-Methan“-Pille – und mehr auf die wahren Verursacher der Erderwärmung hinweisen. Vor allem die extreme und zunehmende Flächenversiegelung spielt eine wichtige Rolle. So baut BMW auf bestem Ackerboden eine riesige Batteriefabrik, obwohl das Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Plattling zur Verfügung stünde. Seltene Erden für den Akku-Bau lässt man unter giftigsten Bedingungen in Entwicklungsländern oder in China fördern, damit man hier ein reines Gewissen hat, wenn man mit dem E-Mountainbike auf die Alm rauscht oder mit den Hybrid-SUVs in der Stadt mal auf E-Betrieb umschaltet.
Dr. Fritz Anetsberger, Landshut
Hinweis
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.
