Klimawandel:Die Hitze und ihre Folgen

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Klimawandel: Aufgerissen und ausgetrocknet: So sieht eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau aus.

Aufgerissen und ausgetrocknet: So sieht eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau aus.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Die Zukunftsvision ist düster, meinen einige und fordern deshalb Städte nicht weiter zu verdichten und Bäume zu pflanzen.

"Und es wird noch heißer" vom 9./10. Juli, "Schatten gegen die Hitze" vom 5. Juli und "Schluss mit dem Leichtsinn" vom 18./19. Juni:

Energiebranche braucht zu viel Wasser

Das Wasser wird knapp. Das Grundwasser in Teilen Deutschlands ist auf dem historisch niedrigsten Stand. Kein Wunder, wenn man sich die extremen Hitzewellen ansieht, die immer wieder über Deutschland fegen. Der Grundwasserspiegel kann sich kaum erholen, und die Situation wird noch schlimmer, als sie ohnehin schon ist. Jetzt fordern einige Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen auf, Wasser zu sparen - es zum Beispiel nicht mehr für die Bewässerung des Gartens zu verwenden. Klingt logisch. Doch jedes Mal, wenn ein Spitzenpolitiker oder eine Spitzenpolitikerin das tut, lenkt er oder sie ab vom eigentlichen Problem: der Industrie, insbesondere der Energiebranche.

RWE, der deutsche Kohlegigant, verbraucht alleine etwa so viel Wasser wie 10 Millionen Menschen. Das Wasser wird verwendet, um Millionen Tonnen Kohle aus der Erde zu baggern und zu verbrennen. Insgesamt verbraucht die Industrie einen sehr großen Teil des deutschen Wassers, ein signifikanter Teil davon für Energie. Jetzt könnte man zum Beispiel die Atomkraft, die keine Millionen Tonnen Rohstoffe benötigt, nennen, doch auch AKWs sind an Wasser als Kühlflüssigkeit gebunden. Immer wieder müssen Kraftwerke deswegen gedrosselt oder gar abgeschaltet werden, um keine Überwärme im Wasser zu hinterlassen. Das ist ziemlich unsicher.

Für Windkraft und Solarenergie ist es egal, wie viel - oder dank der Klimakrise: wenig - Wasser im Grundwasser und den Flüssen ist.

Luca Barakat, Marquartstein

Der Wald rettet uns

Der Autor von "Und es wird noch heißer" hat seinem Beitrag eine Statistik zugrunde gelegt, nach der sich das Erdklima in 9000 Jahren lediglich um 0,5 Grad erhöht habe (vor und bis zur Industrialisierung). Wohingegen das Klima in den vergangenen 30 Jahren ebenfalls um 0,5 Grad angestiegen sei. Es mag fast unerheblich sein, auf welche Zeit man den Beginn der Industrialisierung festlegen möchte, doch innerhalb 9000 Jahren gab es Klimaschwankungen, welche existenzielle Bedrohungen für Mensch und Tier mit sich brachten. Wir leben in einer Nacheiszeit/ Wärmezeit, dem Holozän. Skandinavien wurde 8500 Jahre vor unserer Zeitrechnung eisfrei. Das belegen Kernbohrungen und Pollenanalysen.

Gemäß anerkanntem Wissen aus kulturanthropologischer Forschung kam es im 4. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung zu einem Temperaturabfall. Im Zuge dessen entstand eine Völkerwanderung, deren Auswirkungen bis Nordafrika reichten. Großen Einfluss hatte dies beispielsweise auf das Römische Reich: 300 nach unserer Zeitrechnung kam es zur Krise. Das Klimaoptimum während der römischen Glanzzeit war vorbei.

Der Klimawandel aktuell ist nicht ein alleiniges Naturphänomen. Der Mensch hat daran schon lange großen Anteil. So spricht beispielsweise der griechische Philosoph Platon im "Kritias"-Dialog 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung von der Entwaldung Griechenlands und den verheerenden Auswirkungen der Bodenerosion. Zu dieser Zeit waren bereits die Zedernwälder in Libanon mit ihrem mächtigen Baumbestand von den Ägyptern geplündert worden. Infolgedessen wurde das Klima dort trocken und heiß. Der Grundwasserspiegel fiel ab. Die Lebensgrundlagen für Mensch und Tier verschlechterten sich existenzbedrohend.

Im Grunde genommen waren die Auswirkungen der Entwaldung und die damit verbundene Unterbrechung der Wasserkreisläufe nichts anderes als das, was wir heute aktuell erleben. Nur erschien alles vor mehr als 2000 Jahren lokaler begrenzt als heute. Es gab zu keinem Erdzeitalter stärkere und umfangreichere globale Waldverluste als in den vergangenen Jahrzehnten. Dabei sind es die Bäume, die mithilfe von Sonnenenergie, Wasser und Kohlendioxid (CO₂) Kohlenstoff assimilieren und somit in Zucker (C6H12O6) umwandeln. Als Abfallprodukt atmen sie Sauerstoff (O₂) aus, den sie Mensch und Tier zur Verfügung stellen. Es sind die Bäume und Wälder, die Wasser speichern, den Grundwasserspiegel im Gleichgewicht halten und mit ihrer täglich gewaltigen Wasserverdunstung den Regenkreislauf ermöglichen.

Wollen wir ernsthaft unsere Zukunft retten, dann geben wir unserem Wald eine neue Chance. CO₂-Einsparungen bringen uns noch keinen Regen zurück und schützen uns auch nicht vor Dürrekatastrophen. Es sind einzig und alleine die Bäume und Wälder.

Andreas Linnenschmidt, Baden-Baden

Höchste Zeit zu handeln

Wann endlich verstehen Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und sein Stadtrat, dass bauliche Verdichtung der Städte (wie es in München seit Jahrzehnten von den Regierenden nicht nur geduldet und nie wirklich bekämpft, sondern sogar gefördert wird mit Sondergenehmigungen und Ausnahmeregelungen) zu einer weiteren Überhitzung der Städte mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung führt? Wann endlich wird verhindert, dass Gartengrundstücke mit kleineren Wohnhäusern, dafür aber mit großzügigem klimaregulierendem Baumbestand ("vom Opa") von gewissenlosen Spekulanten zubetoniert werden und die Spekulationsgewinne immer größer werden?

Es muss rasch gehandelt werden. Gesetze, die Spekulationen ermöglichen, sind aufzuheben. Die bestehenden Gartengrundstücke sollten in keiner Form zugebaut werden. Wann endlich kapieren die kläglichen Parteipolitiker, was die Uhr geschlagen hat? Es ist höchste Zeit zu handeln.

Dr. Roland Sawallisch, München

Mehr Paneele statt mehr Bäume

Da ist das Umweltbundesamt (UBA) wohl nicht auf der Höhe der Zeit. Mehr Bäume würden zu weiterer Abschattung der mit hohen Investitionen errichteten Solaranlagen führen. Wenn mehr Schatten das Ziel sein soll, wäre es sinnvoll mehr Paneele aufzuständern, zum Beispiel über Parkplätzen, über den Bahnen oder über den Straßen. Der Verkehr würde es danken.

Dr. Wolfgang Schmid, Vaterstetten

"Nur etwas später ans Ziel"

Ein Hitzerekord nach dem anderen purzelt. Die Folgen unseres ungebremsten CO₂-Ausstoßes werden mehr und mehr sichtbar. Waldbrände, Verlust der Biodiversität, Absinken der Grundwasserstände... Wir wissen genau, was geschieht, wenn wir so weitermachen. Was hindert uns daran, endlich etwas zu ändern? Warum passiert nichts? Tempolimits auf Autobahnen oder Landesstraßen und das Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel wären ein kleiner Anfang. Und das ist keine Absage an den Slogan "freie Fahrt für freie Bürger". Wir kommen lediglich etwas später ans Ziel. Nur auf der Überholspur zu fahren, rächt sich irgendwann...

Achim Bothmann, Hannover

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