Galeria:Gegen Staatshilfen für den Multimillionär

Auch wenn manch einer das Kaufhaus lieb gewonnen hat, in Sachen finanzielle Unterstützung haben SZ-Leser eine klare Position.

"Jetzt ist Benko dran" vom 11. Oktober und "Galeria erwägt Staatshilfe" vom 10. Oktober:

Die Zeiten haben sich geändert

Michael Kläsgen hat leider recht, wenn er weitere staatliche Unterstützung für Galeria ablehnt. "Einem Toten pflanzt man kein neues Herz ein." Kaufhäuser sind seit Jahren ein absolutes Auslaufmodell. Früher waren sie Versorger für die typischen Haushaltsartikel. Diese werden heute beim Discounter erworben. Auch der Onlinehandel hat das klassische Kaufhaus längst abgelöst. Eine weitere Unterstützung von staatlicher Seite hält Galeria nicht am Leben. Die Zeiten beim Einkaufsverhalten haben sich zu Lasten eines Kaufhauses total gewandelt.

Stefan Herb, Roding

Kasse kaum zu finden

Dass Galeria kein Geld verdient, wundert mich nicht. Ich war letzten Mittwoch in München, am Marienplatz, Abteilung Damenwäsche. Die Bedienung war kompetent und freundlich, von daher also null Problem. Aber die Kasse zu finden, war mühsam. Dabei ist doch die Kasse das Herzstück der Einnahmen. Ich musste mich zur einzigen Kasse auf dem gesamten Stockwerk durchfragen. Das gute Stück war ein Tresen mit 4 Kassen, zuhinterst an einer Wand, optisch hinter einem halbhohen Regal mit Spielwaren gut getarnt. Keine Schrift an der Wand, kein Hinweisschild irgendwo im Verkaufsraum. Nach Aussage der Verkäuferin war ich nicht die Einzige mit Finde-Problemen. Hätte ich meine Einkäufe nicht wirklich gebraucht, hätte ich alles hingeworfen und wäre gegangen. Wiederkommen werde ich jedenfalls nicht mehr.

Ich frage mich: Ist das Zufall, Dummheit, Desinteresse oder Absicht? Was versteht unsereine als Kundin schon von langfristiger österreichischer Unternehmensstrategie? Ich plädiere aber schon mal für "keine Staatshilfe vom deutschen Staat".

Edeltraud Gebert, Gröbenzell

Benko hat zugegriffen

Galeria - wer hat sich diesen Namen bloß ausgedacht? Die Kaufhauskette darbt, das wissen wir längst und bedauern das; erst recht die, die das klassische Kaufhausmodell eigentlich immer sehr mochten mit seinen Knöpfchen und Kleinigkeiten. Allemal besser als diese ambitionierten "Stores", in denen sich keiner willkommen fühlt. Benko hat zugegriffen und Kaufhof und Karstadt gleich mal zusammengepackt.

Man wüsste so gern, wie es kommt, dass der österreichische Unternehmer René Benko, der nicht nur Inhaber von Galeria ist, sondern in großem Stil in Immobilien, Medien und Handel investiert, es wagt, sich selbst heiligster Stätten zu bemächtigen und ihnen Gewalt anzutun. Im ältesten München, unsere Alte Akademie aus dem 16. Jahrhundert mit dem Renaissance-Gesicht (das ehemalige Hettlage-Haus in der Neuhauser Straße), dieses historische Herzstück, dieses Juwel darf vom "Kurz-Basti-Spezi" (Spezl des österreichischen Ex-Kanzlers Sebastian Kurz; d. Red) einfach attackiert, entkernt und verändert werden.

Angelika Boese, München

Kein Verständnis

Michael Kläsgen ist voll zuzustimmen: Keine staatlichen Hilfen mehr für Galeria. Der Multimillionär René Benko, der Inhaber der Kaufhauskette ist, sollte von seinem eigenen Vermögen investieren; schließlich hat er bereits 680 Millionen erhalten, aber trotzdem viele Leute entlassen. Die deutschen Steuerzahler haben kein Verständnis mehr für die Rettung der Großkopferten. Die Hilfen werden anderweitig gebraucht und sind dort besser angelegt. Und die Schlupflöcher, mit denen Großkonzerne kaum Steuern zahlen, und von Hilfen profitieren, sollten schnellstens geschlossen werden.

Brigitte und Bernd Broßmann, Neubiberg

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