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Bundeswirtschaftsministerin Reiche besucht eine Raffinerie in Schwedt
Bundeswirtschaftsministerin Reiche besucht eine Raffinerie in Schwedt Patrick Pleul/dpa

Zu wenig Netzausbau, zu wenig Förderung der erneuerbaren Energien – oder doch eine realistische Strategie? Ein Thema, bei dem Leser energiegeladen sind.

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Kommentar „Reiche macht es richtig“ vom 24. April:

Interessengeleitete Politik

In seinem Kommentar schreibt Björn Finke, dass zusätzliche Gaskraftwerke nötig seien, um die Abschaltung von Kohle- und Atomkraftwerken (AKW) auszugleichen. Warum es so viele sein müssen, wie von der Wirtschaftsministerin geplant, erschließt sich aus der Argumentation nicht.

Es ist auch technisch falsch, dass wegen der Abschaltung der AKWs Gaskraftwerke gebaut werden müssten, die nur im Bedarfsfall für einige Stunden laufen. Atomkraftwerke sind für einen solch flexiblen Betrieb überhaupt nicht geeignet. Weiter meint er, dass man über manches Detail dessen, was die Ministerin plant, streiten könne, die Stoßrichtung aber vernünftig wäre. Gerade die Details sind es, die ihr Vorgehen problematisch machen.

Einen Teil der benötigten Kapazitätsreserven kann man einfacher, günstiger und schneller über Batteriespeicher realisieren, die den Vorteil haben, dass sie innerhalb von Sekunden reagieren können. Diese Rolle können auch Batterien von E-Autos und PV-Anlagen übernehmen, die ohnehin vorhanden sind und deren Betreiber mit der Bereitstellung Geld verdienen. In den kommenden Ausschreibungen sollen jedoch willkürlich gewählte Anforderungen eingehalten werden, die Batteriespeicher grundsätzlich ausschließen. Diese Speicher sollen erst später und in nur sehr begrenztem Umfang zugelassen werden.

Eine Ministerin, die bei jeder Gelegenheit „Technologieoffenheit“ betont, will einseitig auf Gaskraftwerke setzen und verteuert dadurch die Stromerzeugung. Wie bekannt wurde, hat sie sich die Argumente dafür von den Kraftwerksbetreibern liefern lassen. Sie behauptet, nie in der Gaslobby tätig gewesen zu sein. Laut Abgeordnetenwatch war sie noch am Tag ihrer Vereidigung als Lobbyistin im Lobbyregister geführt. Ihr früherer Arbeitgeber Westenergie unterhält nach eigenen Angaben ein Gasnetz von 37 000 Kilometer Länge und versorgt 4,8 Millionen Menschen mit Gas. Reiche macht es richtig? Es wird Zeit, dass die Bundesregierung endlich ideologiefrei Politik betreibt.

Dirk Langer, Rosenheim

Einer regt sich immer auf

Dass die Lobby der Erneuerbaren jede Senkung von Subventionen ablehnt, war vorhersehbar. Dass insbesondere Eigenheimbewohner, oft schon mit Solaranlage auf dem Dach, auf die Straße gehen, ist nicht weiter verwunderlich. Viele würden am liebsten, natürlich ganz „unbürokratisch“, sogar ihre Zähler rückwärtslaufen lassen, um auch Steuern und Abgaben zu sparen. Hinzu kommen die klassischen Netzausbaugegner vom Lande und die Bullerbü-Aktivisten einer dörflichen Eigenversorgung.

Hauptsächlich bei der Begrenzung der Netzkosten kann man Frau Reiche deshalb nur alles Gute wünschen. Schon seit den Zeiten des Herrn Trittin mit seiner EEG-Umlage, nach seiner Aussage nur in Höhe der Kosten von zwei Kugeln Eis (pro Person oder pro Haushalt, pro Woche oder pro Monat?), zahlt der Mieter im Mehrfamilienhaus die Zeche. Vielen Dank also für Ihren Kommentar, der nach meinem Eindruck wohl nicht ganz dem Mainstream in Ihrer Redaktion entspricht.

Klaus Misiak, Koblenz

Die Rechnung geht nicht auf

Frau Reiche plant neue Gaskraftwerke. Dies ist in Zeiten der Energiewende nötig, um Dunkelflauten abzudecken. Alternativ könnte man an den Einsatz von Stromspeichern denken. Doch diese sind teuer – Gaskraftwerke sind offensichtlich wirtschaftlicher.

Jedenfalls stehen für mich Überlegungen zum Einbau einer Solaranlage an. Nun könnte ich mir die Solarzellen am Dach sparen und das damit eingesparte Geld in Stromspeicher investieren. Um eine derartige Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, wäre Voraussetzung, dass ich Strom in Zeiten, wenn er günstig an der Strombörse erhältlich ist, beziehen könnte. Die Rechnung geht jedoch nicht auf, weil die Zusatzkosten den reinen Energiepreis um etwa das Doppelte übersteigen.

Ludwig Hurnaus, Grünwald

Problem sind die Netzengpässe

Das Vorhaben, Energiewende kostengünstiger zu machen, ist unbestritten notwendig. Wir haben 30 Jahre Entwicklung gebraucht, um Solar- und Windstrom kostengünstig zu machen. Aber jetzt haben wir es doch geschafft! Dieser Strom ist auch dann noch viel günstiger als fossiler Strom, wenn ein Teil davon wegen bestehender Netzengpässe zeitweise weggeschaltet werden muss. Das muss man nicht glauben, man kann es messen. Spanien und Italien haben beide viel Sonne. Aber in Italien ist der Strom viel teurer, weil dort noch immer viel Erdgas eingesetzt wird.

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Johannes Lackmann, Paderborn

Mit Habeck nicht vergleichbar

Es klingt im ersten Moment vernünftig, wenn Frau Reiche vorschlägt, die erneuerbaren Energieanlagen dort zu erstellen, wo der Strom auch eingespeist werden kann. Aber es liegt doch hauptsächlich daran, dass die Netzinfrastruktur in den vergangenen Jahren vernachlässigt und nicht im erforderlichen Umfang ausgebaut wurde. Weiterhin fehlt auch die Digitalisierung der Netze, die es ermöglicht, die Stromeinspeisung und Nutzung entsprechend zu steuern.

In diesem Punkt müsste die Ministerin aktiv werden. Gleiches gilt für die geplanten Gaskraftwerke. Ja – auch Herr Habeck hat welche geplant, aber nicht in diesem Umfang wie jetzt Ministerin Reiche. Die Anzahl von 20 geplanten Gaskraftwerken und deren Leistung ist nach Meinung vieler Experten zu hoch. Wenn aber der Ausbau der erneuerbaren Energien zurückgefahren wird, wird sich natürlich die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht verringern und auch nicht die Anzahl der dann notwendigen teuren und klimaschädlichen Gaskraftwerke.

Und meine letzte Anmerkung: Die Atomkraft als „vergleichsweise klimafreundlich“ zu beschreiben ist eine Ignoranz gegenüber den Umweltproblemen, die diese Energiequelle nach sich zieht. Bis heute gibt es in Deutschland keine Endlager für den Atommüll. Ja, das wird sich nicht unmittelbar auf das „Klima“ aus, aber kommt es zu Unfällen, sieht das schon ganz anders aus.

Ich bin kein Umweltexperte und auch nicht in der Energiebranche, aber als interessierter Bürger versuche ich, die Dinge einzuordnen und mir auch andere Meinungen anzuhören. Ihrer Meinung kann ich aber nicht zustimmen.

Joachim Baumann, Eching

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