"Israel stellt sich auf langen Krieg ein" vom 9. Oktober, der Kommentar "Eine Blamage, was sonst" vom 11. Oktober und "Küstenstreifen des Elends" vom 12. Oktober:
Der Mossad hat versagt
Wie lässt es sich erklären, dass der bis vor wenigen Tagen zu Recht von den Israelis hochgelobte und von dessen Feinden sehr gefürchtete Geheimdienst Mossad dermaßen versagt hat? Offensichtlich waren alle Israelis, angefangen von Netanjahus rechter und deren extrem rechter Partnerpartei bis hin zu den gegen beider undemokratisches Vorhaben Protestierenden, ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Es bleibt die Hoffnung, dass das Gemetzel umgehend beendet wird. Danach wird Netanjahu kaum weiterhin Ministerpräsident der Israelis bleiben können.
Hans Gamliel, Rorschach (Schweiz)
Unterschwelliger Antisemitismus
Man hat es kommen sehen. Nur wenige Tage sind vergangen, seit Israel von barbarischen Terroristen überfallen wurde und über 1300 Tote zu beklagen hat, da erhebt sich ausgerechnet in Deutschland der besserwisserische Zeigefinger gegenüber den Überfallenen, doch ja auf die Verhältnismäßigkeit ihrer Gegenwehr zu achten. Hinter der vermeintlichen Ausgewogenheit versteckt sich oft bei linken Intellektuellen ein unterschwelliger Antisemitismus.
Angesichts der unglaublichen Massaker aber verbietet sich jede Form von Relativierung, jedes "Ja, aber". Wenn von allen Politikern beteuert wird, wir stehen an der Seite Israels, dann heißt das doch nichts anderes, als dass wir geradezu die Pflicht zur Einseitigkeit, zur Einnahme eines unmissverständlichen Standpunktes haben. Wenn Israel mit allen Mitteln seinen von der UN 1948 zugesprochenen Schutzraum verteidigt, ist es nicht Sache der Deutschen daran herumzunörgeln. Schon gar nicht, weil dieser Schutzraum überhaupt erst eingerichtet wurde, nach den von Deutschland angerichteten Verbrechen an den Juden.
Maria-Elisabeth und Wolfgang Bager, Berlin
Hass und Starrsinn auf beiden Seiten
Der jüngste Anschlag der Hamas auf Israel ist ein ungeheuerliches Verbrechen. Der Hamas ist an einem Frieden nicht gelegen, da sie dann ihre Daseinsberechtigung verlieren würde, zumal sie auch bei einem großen Teil der eigenen Bevölkerung schon lange keine ungeteilte Zustimmung mehr findet.
Aber auch in Israel sitzen Kräfte, die mit ihren Gebietsansprüchen der Hamas immer wieder eine Begründung liefern, weiterhin Terror zu betreiben. Es lässt sich nicht leugnen, dass dieser Angriff der sich radikalisierenden Strömung in der Politik Israels sehr entgegenkommt. Leidtragende sind wieder einmal die Menschen hüben wie drüben, die in den betroffenen Ländern unter dem Hass und Starrsinn auf beiden Seiten leiden.
Deutschland trägt ein gerüttelt Maß Mitschuld an der Entwicklung im Nahen Osten. Die unkontrollierten Gelder an den palästinischen Staat wie auch die schamlosen Geschäfte mit Iran tragen wesentlich dazu bei, dass sich der Terror innerhalb wie außerhalb der Länder so ungebremst entwickeln konnte.
Klaus Lückerath, Meerbusch
Solidarität mit Israel zeigen
Der Angriff der Hamas mit ihren vermutlichen Hintermännern in Iran stellt jene auf die Probe, die gerne relativieren, wenn es um den Staat Israel geht. Die Bundesrepublik Deutschland hat zu Recht die Unterstützung und die Freundschaft zu Israel als Staatsräson bezeichnet. Diejenigen, die derzeit etwa in Berlin dem menschenverachtenden Angriff der Terrororganisation Hamas Beifall zollen und hierbei die Entführungen und Geiselnahmen jüdischer Bürgerinnen und Bürger feiern, zeigen nur ihre moralische Verkommenheit.
Die Solidarität mit dem Staat Israel muss bekräftigt werden und es kommt darauf an, gerade jungen Menschen schon früh Solidarität mit Israel nahezubringen. Ich bin entsetzt und aufgewühlt angesichts der Bilder, die uns aus dem Nahen Osten erreichen. Es muss jetzt offen die Solidarität mit Israel gezeigt werden, und der Antisemitismus, der sich im Rahmen der Debatten der nächsten Wochen wieder zeigen wird, muss zurückgewiesen werden. Ja, es ist wieder die Stunde der vielen sogenannten Israelkritiker gekommen, deren vorgegebene Kritik am Staat Israel nur darüber hinwegtäuschen soll, dass ihre wahre Gesinnung zutiefst von Antisemitismus durchdrungen ist. Die freie Welt, ob in Europa, Amerika oder anderswo, muss jetzt zeigen, dass sie fest an der Seite Israels steht und nicht zulassen wird, dass dieser Staat preisgegeben wird.
Manfred Kirsch, Neuwied
Fanatiker in den Griff bekommen
Über die Bestialität des Mordens israelischer Frauen und Kinder und die Entführungen kann es keine zwei Meinungen geben. Die Vernichtungsdrohung, der Hass in Richtung Israel ist inakzeptabel, das Verteidigungsrecht Israels als Staat unbestreitbar. Allerdings halte ich es nicht für hinnehmbar oder hilfreich, fortwährend Benzin ins Feuer zu gießen, indem zu einer generalisierenden Sprache gegriffen wird, die zu kritikloser Anpassung und Einseitigkeit im Diskurs zwingen will. Weder ist Israel ein unterschiedsloser Repräsentant des Bösen noch die palästinensische Bevölkerung. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es auf beiden Seiten seit Jahrzehnten hingenommene Brüche von Grund- und Menschenrechten gibt und hasserfüllte fanatische Gruppierungen, die auf ausschließlich ihr eigenes Anrecht pochen.
Die Sprache und Handlungen der öffentlichen Repräsentanten beider Seiten würde ich destruktiv und beinhart nennen. Es gab immer jüdische Vertreter, die sich der verzwickten rechtlichen Lage bewusst waren, von Nahum Goldmann bis Jitzchak Rabin, und zum Kompromiss bereit waren. Beide Gesellschaften müssen ihre autoritären Fanatiker und Feinde von Rechtsgleichheit in den Griff bekommen, statt sie zu Repräsentanten zu machen.
Kai Hansen, Nürtingen
Unbemerkte Aufrüstung?
Die neue Dimension des Hamas-Angriffes ist historisch. Es sind Hunderte Flugkörper auf Israel abgefeuert worden, gleichzeitig betreten bis an die Zähne bewaffnete Hamas-Terroristen das Staatsgebiet Israels vom Gazastreifen aus, um dort wahllos zu töten. Gaza ist der Landstrich mit der größten Bevölkerungsdichte weltweit. In dieser Enge hat offenbar niemand, der bei Verstand ist, die Aufrüstung der Hamas wahrnehmen wollen, um davor zu warnen. Die israelischen und westlichen Dienste waren jedenfalls nicht im Bilde. Es ist schwer, nein, es ist nicht zu glauben, dass niemand im Gazastreifen die Aktivität der Hamas bemerkt hat. Trotzdem gab es von dort keine Warnung, von niemandem.
Somit ist der Schluss Israels logisch und für alle Palästinenser zwingend erwartbar gewesen, dass Gaza als Ganzes zur Rechenschaft gezogen werden wird, ungeachtet der tatsächlichen persönlichen Schuld der Menschen dort. Es musste jedem in Gaza klar gewesen sein, dass die Terrorattacken auf die Menschen dort mit aller Gewalt zurückfallen werden. In der Konsequenz möglicherweise mit der Zerstörung aller Infrastruktur und der Vernichtung vieler Leben in Gaza. Eine solche Tragödie!
Kurt Gökçe, Wuppertal
Kein Aufbegehren gegen Hamas
Für das Wohlergehen der Menschen im Gazastreifen ist erst einmal deren Regierung zuständig, die Hamas. Wenn die Hamas lieber Krieg führt, kann es nicht unsere Aufgabe sein, ihr die Sorge für die eigene Bevölkerung abzunehmen. Zwischen Geld für die Not leidende Bevölkerung und Geld für die Führung zu unterscheiden, ist reine Theorie.
Man könnte sagen, dass das Volk nichts dafür kann, von Terroristen regiert zu werden. Aber solange niemand aufbegehrt, kommt das auf das Gleiche hinaus wie Zustimmung. Europa kann nicht ewig die Augen vor dieser und anderen unangenehmen Wahrheiten verschließen.
Axel Lehmann, München
Ein rhetorisches Warnsignal
Die unermesslichen Grausamkeiten in Gaza und Israel könnten bald in den Schatten gestellt werden durch die Antwort, die von Israel folgen könnte. In Israels Regierung bestehen rechtsextreme und menschenverachtende Tendenzen gegenüber den Palästinensern. Wir müssen einem israelischen Verteidigungsminister zuhören, der von "menschlichen Tieren" spricht, wenn er seine Gegenschläge beschreibt, ein klares rhetorisches Warnsignal, das den Boden für viel weiterreichende Grausamkeiten legt. Richten wir unseren Blick auf Gaza: 2,3 Millionen Menschen, zusammengepfercht auf einem briefmarkengroßen Stückchen Wüste, ohne ein agrarisches Hinterland, das als Puffer für Wasser- und Nahrungsvorräte dienen kann. Es sind 2,3 Millionen Menschen, die zum großen Teil unschuldige Zivilisten sind, denen nun Wasser, Elektrizität und die Nahrung abgeschnitten wird.
Dr. Philipp Gramlich, Oosterbeek (Niederlande)
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