„Trump stellt Iran Ultimatum“ vom 23. März, „Für einen läuft’s“ und „Koalition der Zögerlichen“ beide vom 21./22. März, „Die Chance auf Demokratie“ vom 20. März, „Europäer stellen sich gegen Trump“ vom 17. März:
Jedem sein Schlachtfeld?
Trump beschimpft Nato-Partner als „Feiglinge“. „Ohne die USA ist die Nato ein Papiertiger“, so der US-Präsident. Er beschwert sich über die in seinen Augen mangelnde Unterstützung im Iran-Krieg. So ein Blödsinn seitens Trump. Er hat wohl nie Militärdienst geleistet. Man beginnt keinen Krieg, in den Europa nicht eingeweiht ist, Europa von Anfang an kein Partner ist. Trump entscheidet mit Israel, wann es losgeht und wie lange. Und mittendrin hätte er gerne, dass der von ihm so benannte„Papiertiger Europa“ mithilft, weil er gerade eine Schwäche empfindet.
Vorher hat er sich aus der Ukraine abgemeldet und die Verantwortung an Europa überreicht. Soll sich jetzt jeder um seinen Kriegsschauplatz alleine kümmern? Trump um Iran und Europa um die Ukraine. Dazu hat Europa ganz sicher keine Kapazitäten. Kann Trump sich solche oder andere dumme Ausfälle gegenüber Europa bitte verkneifen? Oder hat er sie nicht mehr alle und hat vergessen, dass er vor Kurzem Europa mit der Ukraine alleine gelassen hat?
Jedem sein Schlachtfeld. Trump soll lieber ruhig sein und seinen Kriegsminister sprechen lassen, der weiß nämlich, wie das geht, und schließt seine unglaublich kraftvollen und überzeugten Ansprachen immer im Namen von Gott und Jesus Christus. Unglaublich. So was kann man sich in Europa gar nicht vorstellen.
Ulrich Oskar Siegrist, Zürich/Schweiz
Nur markige Worte
„Das ist nicht unser Krieg.“ „Wir wurden nicht konsultiert.“ „Wir hätten abgeraten.“ Du meine Güte, welche markigen Worte, im Gegensatz zu denen drei Wochen zuvor, als man sich hinter die USA und Israel stellte und völlig zu Recht feststellte, es sei jetzt nicht an der Zeit, unsere Partner und Verbündete zu belehren. Ganz zu schweigen von der in meinen Augen richtigen Aussage beim Krieg vor einem Jahr, dass Israel für uns die Drecksarbeit leistet, um eine iranische Atombombe zu verhindern.
Natürlich kann es nicht sein, dass sich Deutschland an der Bombardierung Irans beteiligt. Hilfen zur Drohnenabwehr sollte man nicht kategorisch ausschließen. Als Iran Zypern angriff, schickten Frankreich, Spanien, Griechenland und selbst das kleine Holland Kriegsschiffe ins Mittelmeer zur Verteidigung des EU-Partners Zypern sowie zur Unterstützung des Nato-Partners Großbritannien. Und Deutschland? Erklärte in gewohnter Manier völlig substanzlos und risikofrei seine „Solidarität“, und das war es. Manchmal muss man sich schämen, ein Deutscher zu sein.
Natürlich wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein militärischer Einsatz in der Straße von Hormus für die beteiligten Schiffe ein Selbstmordkommando. Die USA werden das jetzt vermutlich nicht machen. Unsere umfangreiche Kompetenz zur Minenräumung könnten wir zum Beispiel schon anbieten, wenn die militärische Lage das zulässt. Die Öffnung der Straße von Hormus ist auch in deutschem Interesse, und wir können nicht immer nur die anderen die „Drecksarbeit“ machen lassen.
Anstatt aus wohl innenpolitischem Wahlkampfinteresse mit völlig unangebrachten markigen Worten die USA ohne Not zu verprellen – was uns sicherlich auf die Füße fallen wird, wäre es hilfreich gewesen, Merz hätte erst einmal nachgedacht, bevor er sich aufplusterte. Und nicht zum ersten Mal muss er nun zurückrudern: Man kann darauf wetten, dass es zuletzt eine Regelung ähnlich der oben beschriebenen geben wird. Aber dann ist die Wahl in Rheinland-Pfalz vorbei, und Deutschland hat völlig sinnlos einen Konflikt mit den USA provoziert.
Wolfgang Theine, Regensburg
Unabhängiges Europa
Die Absage der Europäer an Trump ist die richtige Antwort. Sie dürfen sich – und damit uns – nicht in diesen Krieg hineinziehen lassen. Dieser Krieg, wie ihn der amerikanische Präsident gemeinsam mit Israel führt, widerspricht dem Grundsatz der Nato, keinen Angriffskrieg zu starten. Außerdem ist nicht klar, welchen Zielen dieser Krieg dient. Bis dahin sollten sich die Europäer auf Diplomatie beschränken. Wenn sie mit einer Stimme sprechen, hört Trump ihnen vielleicht zu. Bis dahin sollten die Europäer – allen voran wir Deutsche – die Energiewende vorantreiben, um endlich unabhängiger zu werden, von Öl und Gas.
Klemens Hofmann, Marbach
Kein guter Deal
Da fängt Donald Trump einen Krieg an, um einen guten Deal um Erdöl von neuen Machthabern Irans zu bekommen. Die Sperrung der Straße von Hormus war jedoch nicht nur von Profis, sondern auch von Laien vorhergesehen worden. In dieser Situation will er andere in den Krieg hineinziehen, um doch noch seinen Deal zu bekommen. Das ist moralisch höchst unanständig, auch wenn es sich in Iran um ein gewalttätiges religiöses Regime handelt. Was für Iran gilt, gilt auch für die USA. Eine vorgeblich religiös motivierte Regierung, die immer nur auf Konfrontation und Gewalt aus ist, kann nur vom amerikanischen Volk beendet werden.
Volker Ebeling, Neustadt
Halbe Sieger
Einen fanatischen Gegner wird man nur los, indem man nicht nur über ausreichende Mittel verfügt, sondern auch zum Äußersten bereit ist. Amerika könnte Iran zweifellos vollständig besiegen – so wie es im Zweiten Weltkrieg sogar zwei bis an die Zähne bewaffnete Diktaturen niedergerungen hat. Aber dafür wären weit größere Opfer nötig, als das amerikanische Volk nach mehreren nahöstlichen Fehlschlägen aufzubringen bereit ist. Dem kleinen Israel fehlt es zwar nicht an Entschlossenheit. Aber es kann nicht neben allen seinen anderen Feinden auch noch ein großes Land wie Iran besiegen. Deshalb versucht es die Gefahr, wenn schon nicht zu beseitigen, so doch wenigstens kleinzuhalten.
Amerika wird aus dem Kräftemessen mit Iran nur als halber Sieger hervorgehen, und Israel kann sich erst einmal wieder etwas sicherer fühlen. Aber früher oder später werden die alten Gegensätze sich von Neuem entladen. Wir Europäer sind wie gehabt massiv von den wirtschaftlichen Folgen betroffen, können zu einer militärischen oder politischen Lösung aber wenig bis gar nichts beitragen.
Axel Lehmann, München
Regimewechsel, und dann?
Es wäre nur zu begrüßen, wenn ein möglicher Regimewechsel in Iran von den USA nun auch konsequent weiterverfolgt würde. Seit Jahrzehnten ist die Islamische Republik einer der zentralen destabilisierenden Faktoren im Nahen Osten. Dass die Amerikaner durch gezielte militärische Schläge offenbar Irans Pläne zum Bau atomarer Trägersysteme erheblich zurückgeworfen haben, kann man daher durchaus positiv bewerten.
Sollte sich nun allerdings der Sohn des kürzlich verstorbenen Ayatollah Chamenei an die Macht setzen, droht lediglich eine Fortsetzung der bestehenden Machtstrukturen. In diesem Fall stünden wir vermutlich schon bald wieder vor derselben Situation, die die Beziehungen zu Iran in den vergangenen 47 Jahren geprägt hat: ein ideologisch verhärtetes Regime, das innenpolitisch repressiv agiert und außenpolitisch zur Eskalation beiträgt.
Michael Ayten, Trier
„Wildwest-Methoden“
Die militärische Entwicklung im Iran-Krieg zeigt den Irrsinn, in den sich Trump mit Israel verrannt hat, bei allen gut gemeinten Absichten beim Kampf gegen ein Terrorregime. Anders als beim Alleingang gegen Venezuela, der bereits einen völkerrechtswidrigen Angriff gegen einen souveränen Staat und die Entführung eines Staatschefs bedeutete, zieht Trump im Fall von Iran Europa mit in den Konflikt, ohne das zuvor abgesprochen zu haben.
Die Probleme in Iran, das geplante Atomprogramm und die brutale Verfolgung Oppositioneller, können nur politisch gelöst werden. Noch nie wurde ein politisches System nur durch Angriffe aus der Luft verändert. Nicht einmal die für den Welthandel, also auch für die USA strategisch wichtige Straße von Hormus kann Trump offenbar effektiv schützen. Das alles sind „Tante-Emma-Wildwest-Methoden“ aus dem Kinderbuch eines amerikanischen Drittklässlers mit verheerenden weltweiten Folgen.
Es sind geradezu verzweifelte Hilferufe Trumps an die Bevölkerung Irans, sich jetzt zu erheben und das Regime zu beseitigen. In der Tat ist und bleibt nur dies der einzig gangbare und realistische Weg, eine Änderung in Iran herbeizuführen. Alles andere bleibt militärischer Irrsinn ohne politischen Plan und stärkt zu allem Überfluss auch noch Putin bei seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Es ist doch auffallend, dass Trump nur gegen vergleichsweise „kleine“ Staaten agiert und Russland schalten und walten lässt – vielleicht weil sich beide im Vorgehen gegen „Störenfriede“ ähnlich sind?
Die Zurückhaltung des Bundeskanzlers in dieser Frage ist nur verständlich vor dem Hintergrund der militärischen Ohnmacht nicht nur Deutschlands, sondern auch Europas und der Hoffnung, Trump möge das im Falle Ukraine honorieren. Trump ist nie zu trauen, aber hier hätte er jetzt in der Tat eine Bringschuld gegenüber seinem „Freund“ Friedrich Merz.
Wilfried Mommert, Berlin
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