„Zum Weinen“ vom 13. Februar und „Wie die Weltpolitik das IOC überfordert“ vom 20. Februar:
Ehrenhaftes Engagement
Der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch wurde vom Olympischen Komitee von der Teilnahme am Rennen ausgeschlossen, weil er einen Helm trug, auf dem die Namen und Bilder abgebildet sind von 20 ukrainischen Athleten, die Russland mit seinem völkerrechtswidrigen Krieg ermordet hat. Wenn es nicht zynisch klänge, würde ich sagen, und ich möchte es Wladyslaw Heraskewytsch zum Trost sagen: Etwas Besseres als dieser Ausschluss hätte ihm, was sein Anliegen betrifft, nicht passieren können, denn nun wissen jeder und jede, wirklich weltweit jeder und jede über sein Anliegen Bescheid.
Was fehlt, und das ist nun ein Appell an die Presse, ist, dass die Namen und die Bilder der Sportler, die Wladyslaw Heraskewytsch auf seinem Helm trug, veröffentlicht werden. Dann nämlich könnte sich die Diskussion weg von dem Thema, ob der IOC mit seiner Entscheidung richtig gehandelt habe, hinwenden zu dem Thema, das Wladyslaw Heraskewytsch so offensichtlich am Herzen lag: dem Leid, das Russland seinem Volk zugefügt hat und weiter zufügt, dem Opfer, das die Menschen bringen, die ihre Freiheit verteidigen, ihrem Mut und ihrer Widerstandskraft, und dass ihnen darum die Solidarität und Unterstützung aller Freiheit-liebenden Völker zusteht. Wladyslaw Heraskewytsch hat seine Sportkollegen bei Namen genannt; er hat ihnen, die nicht mehr im sportlichen Wettkampf um ihre Ehre kämpfen können, ihre Ehre gegeben. Es wird Zeit, dass in der öffentlichen Debatte dieses Thema in den Vordergrund rückt.
Ursel Heinz, Herten
„Kein Olympia in Deutschland“
Das IOC hat mit dem Ausschluss des ukrainischen Skeletoni Heraskewytsch wegen seines mit Bildern getöteter ukrainischer Sportler beklebten Helms gegen die Meinungsfreiheit verstoßen.
Vielleicht ist die Meinungsfreiheit in anderen Ländern stärker eingeschränkt als hierzulande. Ob in Deutschland ein Verband wie das IOC so massiv die Meinungsfreiheit einschränken könnte, wie gerade in Italien geschehen, ist nicht fraglich, nein, es ist unmöglich!
Deshalb dürfen Regierung, Bundesländer und Städte dem IOC kein Angebot machen, seine Spiele in unserem Land abzuhalten, wenn nicht unsere deutschen Gesetze (die Meinungsfreiheit steht im Grundgesetz!) uneingeschränkt zur Anwendung kommen.
Dem ukrainischen Sportler müssen wir die Daumen drücken, dass er vor zivile Gerichte zieht - und dort obsiegt.
Klaus-Detlev Jost, Neubiberg
Gegen die Regel, aber für die Wirkung
Regeln werden nicht nur zur situativen Auslegung aufgestellt, sie müssen auch umgesetzt werden. Das gilt überall, auch bei Olympia. Aktuell trifft es den ukrainischen Skeleton-Piloten Wladyslaw Heraskewytsch. Auf seinem Helm sind 20 Sportlerinnen und Sportler abgebildet, die durch den Krieg in der Ukraine getötet wurden. Doch Regel 50.2 der Olympischen Charta verbietet politische Botschaften an Wettkampfstätten. Konsequenz: Heraskewytsch wird vom Start ausgeschlossen. Die IOC-Präsidentin verkündet die Entscheidung unter Tränen.
Man kann diese Regel kritisieren, ihre Auslegung hinterfragen. Aber sie existiert und wurde angewendet!
Am Ende erzeugte die Entscheidung mehr Aufmerksamkeit, als der Helm selbst es je vermocht hätte. Und genau das ist der Punkt. Die Diskussion ist lauter als das Symbol. Das ist kein Schaden, das ist Wirkung. Denn eines dürfen wir nicht in vergessen: In der Ukraine sterben weiterhin Menschen. Täglich bringen Drohnen und Raketen Zerstörung und Tod. Und das, obwohl manche einst vollmundig behaupteten, sie könnten diesen Krieg innerhalb eines Tages beenden.
Wegsehen ist keine Option.
Achim Bothmann, Hannover
Olympia ist die falsche Bühne
Der Krieg in der Ukraine produziert Tote auf allen Seiten: Ukrainer sterben, Russen sterben, Menschen werden eingezogen - und auch Sportler geraten in diese mörderische Realität. Gerade deshalb muss Trauer vor Vermarktung auf großer Bühne bewahrt werden: Tod und Verlust sind kein Material für Auftritte, Schlagzeilen oder moralische Sonderrechte.
Besonders problematisch wird es dort, wo Trauer weniger Gedenken denn Werkzeug ist. Wenn der ukrainische Skeletonfahrer die Porträts mehrerer getöteter Sportler auf dem Helm trägt und dies im Umfeld der Olympischen Spiele inszeniert, wird Gedenken zur Kulisse - und der eigene Auftritt zur Hauptsache. Der Helm wird zum moralischen Schutzhelm: Er schirmt den Träger gegen Kritik ab, zieht aber Blitzlichtgewitter, Sonderstatus, Klicks an. So wird berechtigte Trauer zum Mittel zum Zweck.
Heinrich Böll hat schon vor Jahrzehnten in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ gezeigt, wie Privates unter dem Druck von Auflage, Quote und Erregungslogik zur verwertbaren Story gemacht wird. Konkret heißt das hier: Trauer ja, selbstverständlich - aber nicht als Ticket für das Rampenlicht und maximale Aufmerksamkeit.
Die Olympischen Spiele sollten wie seit der Antike sportlicher Wettbewerb sein und bleiben, nicht ein Wettbewerb um die wirksamste Symbolik und das eigene Ego. Würde - also: echte, nicht zweckentfremdete Trauer - zeigt sich in der eigenen Zurücknahme.
Am Ende bleibt die Frage: Geht es noch um Trauer - oder um den Auftritt als „Mann mit dem Goldhelm“, wie auf dem Gemälde aus der Rembrandt-van-Rijn-Tradition - mit dem Ziel, in die olympische Geschichte einzugehen?
Wolfram Salzer, Neustadt bei Coburg
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