„Letzte Ausfahrt“ vom 9. September, „Es ist ein Wahnsinn“ vom 8. September:
Sie können nur groß
Dass der Termin der IAA, an dem die deutschen Autobauer einmal mehr versuchen zu glänzen, mit dem „Auto- und Stahlgipfel“, den Kanzler Merz mit den „Sorgenkindern“ der Nation abhalten will, zusammenfällt, zeigt, wie es um den Auto-Glamour in Deutschland tatsächlich bestellt ist. Die deutschen Autobauer können nur groß, denn erschwingliche und stadttaugliche Kleinwagen, dazu noch elektrisch motorisiert, sucht man vergebens. Ein ID2, der zu seinem prognostizierten Erscheinungsdatum 2026 von VW seit beinahe zwei Jahren als „bezahlbarer“ und innovativer Kleinwagen angekündigt wird, wird angesichts der innovativen chinesischen Produkte dann nur noch ein teurer kalter Kaffee sein.
Hochnäsige Manager mit verfehlter Strategie, mit zu hohen Löhnen gepuderte Mitarbeiter und eine einseitig auf teure und große Autos ausgelegte Modellpalette, die zwar den immer noch vorhandenen deutschen Auto-Fetischismus glänzend bedient, treiben die deutschen Autobauer in die selbstverschuldete Krise. Nun soll es also ein neuer Gipfel retten. Eigentlich ist bis auf die exorbitanten Strom- und Energiekosten in Deutschland, die aber in Zukunft wieder wohl, dank Subventionen für die Industrie, nur wir Verbraucher schultern müssen, alles gesagt und liegt auf der Hand.
Also bitte keine neuen Rabatte für die Wirtschaft und Weichspüler-Reden. Wer jetzt nicht Tacheles redet, fährt absehbar, wie die Deutsche Bahn, hinterher. Aber noch scheint viel Geld für Glamour da zu sein.
Oliver Schulze, Detmold
Nicht wirklich klimaneutral
Das Verbrennerverbot und damit die Festlegung auf Elektrofahrzeuge war voreilig und nicht zu Ende gedacht. Zu Recht wird jetzt eine Aufhebung des Verbots gefordert, das der Autoindustrie schon jetzt erheblich schadet. Ein Elektroauto ist im Übrigen nicht hundertprozentig klimaneutral und wird erst nach 90 000 gefahrenen Kilometern klimaschonender als ein Verbrenner, wie eine Analyse der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik gezeigt hat. Und dann noch das Batterieproblem. Wohin mit Millionen (weltweit Milliarden) verbrauchter Altbatterien? Teures Recycling in diesem Ausmaß ist kaum möglich.
Dr. Hans Christian Hummel, Hannover
Offene Zurschaustellung
Herr Matzig bringt es grandios auf den Punkt: die absurde Diskrepanz zwischen großmäulig-weltmännischem Werbe-Sprech („Open Space“) und der Realität für uns Bürger in einer ohnehin schon ramponierten und von Privatinteressen weiträumig okkupierten Innenstadt. „Open Space“ ist in einer engen Altstadt nicht zu haben, dafür gäbe es die Messestadt! Aber natürlich ahnen die Herren Schöpfer/Vermarkter/Fahrer solcher kindisch-greller Potenz-Flundern ihre eigene Nichtigkeit, daher brauchen sie unbedingt die Adelung ihrer sinnlosen Produkte durch eine Inszenierung vor theatralischen Fassaden mit königlicher Vergangenheit, vermeintlich glamourös, aber einfach nur peinlich!
Viktoria David, München
Offen und erfrischend anders
Ich möchte mein Unverständnis äußern, dass in der SZ fast durchgehend negativ über die IAA und insbesondere die Open Spaces berichtet wird. Das war vor zwei Jahren so und das ist jetzt erneut so. In der heutigen Ausgabe ist ein kleiner „Pro“-Artikel – dem aber natürlich ein „Contra“ gegenübersteht. Im Meinungsartikel wird besonders kritisiert, dass man mit dem Fahrrad nicht mehr durchkommt. Ich denke, dass man durchaus für die paar Tage des Events und den Auf- und Abbau auch auf parallelen Straßen unterwegs sein kann. Bei der Ludwigstraße im Hofgarten und auf der Königinstraße. Und es ist hervorzuheben, dass für ein Event aufgebaut wird, das für jedermann frei zugänglich ist, von dem jeder etwas haben kann, wenn er möchte. Das ist bei vielen anderen Events, für die abgesperrt wird, nicht so. Ich vermisse die positiven Aspekte, die die Open Spaces bieten.
Wenn keine Veranstaltung ist, rauscht auf der Ludwigstraße der Individualverkehr, und jetzt hat man die Möglichkeit, auf der Straße zu flanieren. Und davon haben sehr viele Bürger der Stadt etwas und fanden es auch super, was man an den vielen Besuchern 2023 sehen konnte. 2023 gab es auch den BMW-Stand vor der Oper mit einer wunderbaren Terrasse mit tollem Blick auf die umliegenden Häuser und die Oper. Dieser Platz wird jetzt verschönert, aber sonst ist er doch dominiert durch die Tiefgarage und wird nicht genutzt. Das war während der IAA erfrischend anders.
Auch als Familie kann man eine schöne Zeit verbringen – auch mit kleinem Budget, da es viele tolle Aktionen für Kinder gibt, immer mal wieder gratis Snacks. Schade, dass das nicht positiv erwähnt wird. Wie schön wäre es für Kinder, wenn man beispielsweise auch bei der Bauma kostenlos Eindrücke in der Innenstadt bekommen könnte. Und wenn jemand mit der Veranstaltung IAA so gar nichts anfangen kann, dann muss man ja nicht hin, das gilt für die Wiesn ja genau so. Insgesamt ist natürlich nicht zu vernachlässigen, dass die IAA ein Wirtschaftsfaktor für München und die Automobilindustrie für ganz Deutschland ist. Wenn es gut läuft und positiv wahrgenommen wird, haben wir alle etwas davon.
Nina Auer, München
Aushängeschild
Als wirtschaftlich denkender Mensch habe ich ein Interesse daran, dass München als Wirtschaftsstandort bekannt ist. Und genau dafür ist die IAA ein Aushängeschild. Eine wunderbare Gelegenheit, im Stadtzentrum zu flanieren und (kostenlos) Technik zu erleben. Wenn jetzt deswegen Radfahrer einen Umweg fahren oder schieben müssen, dann ist das irrelevant, denn auch Fahrradfahrer haben keinen alleinigen Anspruch auf den öffentlichen Raum – auch wenn sie ihn gerne für sich postulieren.
Gisela Kranz, Oberschleißheim
Ausverkauf
Bin eben mal diese Innenstadt abgeradelt zu den IAA-Standorten und habe zusammenfassend den Eindruck gewonnen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Altstadt auch von Schwarzmarkt und Prostitution geprägt war. Jetzt prostituiert sich die Münchner Innenstadt selbst.
Bernhard Roth, München
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