Pellethandel:Die grüne Lunge hustet

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Für eine Hand voll Pellets (Foto: Antonio Gravante/IMAGO/Shotshop)

Die Herstellung von und der Handel mit Pellets ist nicht so klimafreundlich, wie es den Anschein hat. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

"Auf dem Holzweg" vom 4./5. März:

Im eigenen Wald kehren

Eine gut recherchierte Darstellung, was rund um die Pelletherstellung in den Wäldern abläuft. Besonders wichtig, weil die Wälder ja eine zentrale Bedeutung für unsere Bemühungen zur CO₂-Reduktion haben. Das Null-Emissionslabel der EU für Pelletverfeuerung ist damit hinfällig. Und hoffentlich auch bald die Förderung von Pelletheizungen. Aber viel schlimmer: Weltweit werden Wälder unter fragwürdigen Bedingungen als CO₂-Senke zertifiziert und ohne Nachweis, dass eine CO₂-Reduktion stattfindet. Um dies sicherzustellen, wäre eine rechtlich verbindliche und kontrollierte Verpflichtung auf den Verzicht von Holzeinschlag erforderlich, und zwar zeitlich unbegrenzt. Wälder, die diese Bedingungen erfüllen, muss man aber mit der Lupe suchen.

Privatpersonen wird vorgegaukelt, dass sie sich von ihren CO₂-Emissionen "freikaufen" können ("Kompensation") durch den preisgünstigen Erwerb solcher Zertifikate. Damit soll uns aber nur das schlechte Gewissen, etwa bezüglich Flugreisen oder des Konsums fossiler Brennstoffe, genommen werden. Generell sollten wir uns bewusst machen, dass die Forstwirtschaft und damit der Wald keineswegs so nachhaltig und CO₂-frei ist, wie das nach außen produzierte Image uns glauben machen will, auch in Deutschland. Mitten im Debakel des Kiefern- und Fichtensterbens, das auf Fehler einiger Förstergenerationen zurückgeht, werden nun in großem Umfang standortfremde Baumarten wie Douglasien und Rotbuchen gepflanzt. Zwischen fünf bis zehn Prozent unserer Waldflächen sind zudem für Baumwuchs nicht mehr geeignet, weil die Böden durch den Einsatz von Großmaschinen zerstört wurden. Auch bei uns müsste der Staat gegen diese Missstände vorgehen, Schranken setzen, in den Staatsforsten zuallererst.

Thomas Vaas, Kumhausen

Keine Vergleichsmöglichkeit

Die Probleme bei der Wärmeversorgung durch Pellets werden gut dargestellt. Für viele, die ihre Wärmeversorgung auf eine neue Möglichkeit ausrichten wollen, fehlen jedoch Vergleichszahlen. "Wissenschaftler warnen davor, dass Holz mehr CO₂ emittiere als Kohle und Gas für die gleiche Menge produzierter Energie", heißt es im Artikel. Es wäre für Leser und Wärmeerzeuger sehr gut, wenn die Erkenntnisse der Forscher im Bericht erwähnt würden. Ich stelle mir einen Vergleich vor, in dem die CO₂-Menge dargestellt ist, die für eine Kilowattstunde (kWh) emittiert wird. So ließen sich Pellets, Hackschnitzel, Scheidholz, Erdgas und Heizöl besser vergleichen. Ergänzend sollte auch dargestellt werden, welche Menge benötigt wird für die Erzeugung von einer kWh Wärme.

Christian Schmid, Petershausen

Bitte differenzieren!

Viele Punkte im Beitrag finde ich richtig und sehr informativ. Mich überrascht zum Beispiel, dass in Deutschland mit Holz deutlich mehr Energie erzeugt wird als durch Sonne oder Wind. Viel Raum nimmt die detaillierte Beschreibung ein, wie schrecklich alles ist: der Raubbau in North Carolina, die illegale Abholzung in Rumänien, der schlechte Zustand der Wälder mit düstersten Zukunftsaussichten in Zeiten einer immer schneller voranschreitenden Klimaerwärmung.

Mir fehlt aber eine stärkere Differenzierung. Es gibt einerseits den internationalen Pellethandel mit all seinen extremen und fragwürdigen Exzessen. Dieser Markt ist Teil der Globalisierung, er wird vom großen Kapital getrieben und muss hinsichtlich seiner Auswirkungen sehr kritisch hinterfragt werden. Es gibt aber auch die Sägerei Binder im Zillertal, die mit ihren Holzabfällen Pellets produziert, von denen der Biomassehof Achental 12 000 Tonnen im Jahr vertreibt - an Kunden, die damit ihr Haus heizen. Keiner dieser Kunden wohnt weiter von der Produktionsstätte entfernt als 100 Kilometer. Die extremen Unterschiede zwischen den beiden Marktbereichen werden im Beitrag eher beiläufig erwähnt: Das neue Werk in England benötigt jährlich 8,3 Millionen Tonnen Pellets - deutlich mehr als das, was alle Pelletheizungen in Deutschland verbrauchen.

Was mir fehlt, ist der Versuch, einen Weg aufzuzeigen, wie die Holznutzung einen Beitrag leisten kann zu der überlebenswichtigen Transformation in eine klimaneutrale Wirtschaft. Ist es nicht so, dass überwiegende Teile der Gesellschaft, wenn nicht sogar wir alle, inzwischen einfach resigniert haben vor der Unlösbarkeit unserer Probleme? Der Artikel lässt beim Leser kaum eine andere Reaktion als Resignation zu. Das finde ich unglücklich: Sicher werden Holzpellets nicht das Klima retten, aber sie können einen Beitrag leisten, wenn sie regional produziert und in energieeffizienten Häusern eingesetzt werden. Dieser Aspekt fehlt.

Dr. Christian Epp, München

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