Hochhausdebatte in München:Viele Stockwerke - viele Probleme

Hochhausdebatte in München: Weiterhin ein sehr umstrittenes Thema: Verträgt München weitere Hochhäuser, und wenn ja, wo? Das Bild zeigt Hochhäuser im Werksviertel.

Weiterhin ein sehr umstrittenes Thema: Verträgt München weitere Hochhäuser, und wenn ja, wo? Das Bild zeigt Hochhäuser im Werksviertel.

(Foto: Florian Peljak)

Viele Leser halten Hochhäuser für keine gute Idee, schon gar nicht in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum. Aber es gibt auch Kritik an den Kritikern.

"Schreckensbild der Hochhausgegner" und Kommentar "Hochhausgegner schaden sich selbst" vom 22. Februar:

Unbezahlbarer Wohnraum

Keine Metropole auf dieser Welt kann behaupten, dass durch den Bau vieler Wolkenkratzer die Lebensqualität ihrer Bürger gestiegen wäre. Die Reichen leben draußen im Speckgürtel und die ganz Armen in hässlichen Slums. Im Zeichen von Klimakatastrophe, Luftverschmutzung, Verkehrschaos, mangelhaftem ÖPNV und knappster Infrastruktur/Sport-/Naherholungsflächen kann nur ein ignoranter Nutznießer der Immobilienindustrie nach Hochhäusern schreien.

Bezahlbarer Wohnraum und dazugehörige Arbeitsplätze können nur außerhalb von Ballungszentren geschaffen werden, indem jegliche Fördermittel von der Stadt in strukturschwache Landesteile umgeleitet werden. Außerdem sollte sich die SZ eindeutig parteipolitisch gefärbte Kommentare, die noch dazu das Münchner Forum diskreditieren, ersparen.

Klaus Pflüger, München

Studie mit Negativpotenzial

Holla, die Waldfee, der SZ-Autor langt ja zu: Der Initiative Hochhausstopp fehle "jeder Bezug zur Realität" - der Autor übernimmt damit den Duktus der Reaktion von Stadtbaurätin und Rathaus auf die dreidimensionale Darstellung der Aussagen der Hochhausstudie. Mir scheint eben diese sehr verdienstvoll, ein Signal zum Aufwachen. Hat die Bürgerinitiative nicht lediglich aufgemalt, was in einem Stadtratsbeschluss doch wohl als Richtlinie festgelegt wurde? Sicher, das ist noch kein Baurecht, aber welchen Sinn soll eine Hochhausstudie haben, wenn nicht den, eine Leitlinie auszutarieren?

Nein, hier geht es darum, die Bahn zu ebnen für eine vermeintlich moderne Stadt. Das aufgezeigte Szenario scheint mir keineswegs vom anderen Stern. Extrem, aber ich kann nicht erkennen, nach welchen Richtlinien unsere Stadtplanung das zu verhindern vorhat. Die aufschreckenden Bilder basieren auf einem Beschluss des Stadtrats selbst, eben der Hochhausstudie. Sind die gezeigten Visualisierungen fehlerhaft erstellt? Davon hat meines Wissens, von Einzelheiten abgesehen, niemand etwas gesagt. Wie kann es dann sein, dass sie eine Überraschung für die Münchner Stadtplanung sind? Oder gar "künstliche Schreckensbilder, die mit der Realität nichts zu tun haben"?

Eine prinzipielle Begrenzung der Bebauungshöhe in München ist vielleicht nicht der Maßstab aller Dinge, aber das angestrebte Bürgerbegehren scheint mir in dieser Situation das Gebot der Stunde zu sein. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser, aber ich unterschreibe bei der Initiative Hochhaus-Stop. Danke den Aktiven.

Veronika Fischer-Horns, München

Hoch manipulativ

Robert Brannekämper (CSU), der Initiator der Kampagne gegen den Bau von Hochhäusern in München, hatte im Mai 2022 die Unterschriftenaktion gegen die geplanten beiden, jeweils 155 Meter hohen Häuser an der alten Paketposthalle gestartet. Die Frage dieser Kampagne konzentrierte sich damals auf die Ablehnung des Baues dieser beiden Hochhäuser. Im Herbst 2022 veranstaltete die SZ in ihren Räumen eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Anwesend waren neben Brannekämper unter anderem Investor Ralf Büschl und Stadtbaurätin Merk. Auf dieser Veranstaltung verkündete Brannekämper voller Stolz und Zuversicht, dass die notwendigen 35 000 bis 40 000 Stimmen bald (im Frühling 2023) zusammen sein werden. So wie es im Februar 2024 aussieht, sind 27 000 Stimmen bei der Initiative eingegangen; somit ist das angegebene Ziel noch in weiter Ferne.

Mit der Veröffentlichung der Simulation, wie und wo in München Hochhäuser entstehen sollen, will Brannekämper offensichtlich neue Unterstützerinnen und Unterstützer für seine Kampagne gewinnen. Hier wird die ursprüngliche Fragestellung unter der Hand erweitert und stillschweigend vorausgesetzt, dass die Bürgerinnen und Bürger, die schon 2022 unterschrieben haben, diese neue, erweiterte Fragestellung mit ihrer vor weit über einem Jahr geleisteten Unterschrift unterstützen. Die Bilder dieser Simulation sind hoch manipulativ und haben nichts mit der ursprünglichen Fragestellung zu tun. Sollte Herr Brannekämper ein seriöses Interesse an der Gestaltung von München haben, dann wäre er gut beraten, wenn er beide Fragestellungen getrennt behandeln und nicht alles in einen Topf werfen würde in der Hoffnung, dass irgendwann das Ergebnis herauskommt, das man sich wünscht.

Rüdiger Eisele, München

Realer Investorendruck

Bisher hing es immer vom Einzelfall ab, ob ein privater Bauherr die Stadt davon überzeugen konnte, dass ein Hochhaus an einer bestimmten Stelle passend wäre oder wenigstens nicht störte. Man sollte aber den Druck und die Überredungskünste nicht unterschätzen, denen die Stadt von finanzstarken Investoren seit Jahrzehnten ausgesetzt ist. Schließlich ist München ein dynamischer Ort, wo sich jedes Investment mit ziemlicher Sicherheit lohnen wird.

Die Hochhausstudie war deshalb unter anderem der Versuch, sich mit Argumenten zu wappnen gegen Projekte, die von vornherein nicht infrage kommen, weil sie etwa das historische Stadtbild stören würden. Wie man gerade bei einigen traurigen Beispielen der vergangenen Jahre erleben musste, fällt es schwer, solchen Argumenten die nötige Geltung zu verschaffen.

Durch die Hochhausstudie wird unweigerlich aber auch die Fantasie einiger Leute befeuert. Weil nun immerhin bekannt ist, wo Hochhäuser vielleicht möglich sein könnten, erhöht sich der Druck auf diese Zonen. Und sobald dort erste Projekte verwirklicht worden sind, steigt der Druck weiter. Die Erwartungen und Grundstückpreise werden mit jedem neuen Präzedenzfall immer mehr in die Höhe schießen. Am Ende wird die "normative Kraft des Faktischen" so stark sein, dass ihr kein lokalpolitischer Wille mehr widerstehen kann. Ich halte deshalb die Darstellung in der Broschüre der scheinbar allzu rabiaten Hochhausgegner für wesentlich glaubwürdiger als alle noch so besonnenen und wohlmeinenden Stimmen, die ihr widersprechen.

Axel Lehmann, München

Es werden mehr Hochbauten

So aus der Luft gegriffen ist das "Schreckensbild" der Hochhausgegner nicht. Mit keinem Wort erwähnen Sie oder Stadtbaurätin Elisabeth Merk oder Grünen-Stadträtin Anna Hanusch zum Beispiel den geplanten und bereits genehmigten Neubau der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) in Bogenhausen, der mit 100 Metern Höhe deutlich über die 80 Meter hinaus geht. Man muss also nicht so tun, als seien derartige Gebäude im Moment gar nicht in der Diskussion.

Sabine Geißler, München

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