"Optionen für die Wärmewende" vom 12. April, "So soll Deutschland künftig heizen" vom 3. April und "Liebe Ampel" vom 1. April:
Die 65-Prozent-Lüge
Die Ampelkoalition will vorschreiben, dass ab 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Das Problem ist nur: Es gibt kein nennenswertes Heizsystem, das diese Vorgabe einhalten kann. Die allerorts favorisierte und "umweltschonende" Wärmepumpe wird bekanntlich mit Strom betrieben und dieser stammt zu gerade einmal 48 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Zu 52 Prozent stammt er aus konventionellen Energieträgern und dabei, besonders umweltschädigend, zu 31 Prozent aus Kohle. Von einem umweltschonenden Heizen mit einer Wärmepumpe kann also keine Rede sein.
Um effektiv mit erneuerbaren Energien heizen zu können, bräuchten wir drei Dinge: Strom, Strom, Strom - aus erneuerbaren Quellen. Sollen alle Heizungen, nicht nur die drei Prozent bisher, umweltschonend funktionieren, so bräuchten wir sogar 30-mal so viel davon, aber bitte nicht wieder aus Kohlekraftwerken.
Die 65-Prozent-Offensive ist zur Zeit völlig daneben. Sie funktioniert nur, wenn man ausreichend Ökostrom zur Verfügung hat, und dann auch nur für neue Gebäude. Bei Altbauten ist der Wirkungsgrad der Stromheizungen grottenschlecht. Die enormen Kosten, die auf Eigentümer und Mieter zukommen, sind völlig untragbar. Die Ampel belastet die kleinen Steuerzahler damit enorm. Die Industrie und die Verkehrssparte werden wieder einmal geschont. Dank an unseren Finanzminister.
Helmut Jany, München
Wurstköche der Koalition
Die Heizungswurstelei der Koalition schockt noch immer. Dabei steckt die von Nicolas Richter beschriebene "Wurstelei" noch in ihren Anfängen, weil sich niemand in Berlin wirklich im Land auskennt. Bei der zu erwartenden Umstellung auf neue Geräte würde allein der versprochene Umrüstungszuschuss alle Dimensionen sprengen. Wenn ich mit 70 Jahren saniere und dann mit 85 sterbe, freuen sich meine Nachfolger über ein saniertes Erbe.
Es wäre besser gewesen, wenn die Koalitionäre vor ihrer Marathon-Klausur einmal mit offenen Sinnen durch das Land gefahren wären. In den alten Dorfkernen wären sie überall an Gebäuden vorbeigekommen, die energetisch gesehen abrissreife Ruinen sind. Oder in Stadtrandlagen an Mehrfamilienhäusern, die vor 30 Jahren energetisch top waren, und sich jetzt als Flop entpuppen, weil die Wohnungen einzeln über Gasthermen versorgt werden. Fünf, zehn oder noch mehr Wärmepumpen an den Außenwänden dürften eine neue Art von Hölle hervorbringen.
Volker Schmidt, Gießen
Verhalten ändern kosten nichts
Das aktuelle Hickhack um Heizungsanlagen hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig es wäre, sich nicht immer wieder in technische und rechtliche Details zu verstricken, sondern vor allem auf die Steuerungswirkung des CO₂-Preises zu setzen. Denn man kann die verschiedensten Dinge tun, um den CO₂-Ausstoß zu verringern, der mit dem eigenen Wohnen in einem bestehenden Haus verbunden ist - auch erst einmal ohne eine Wärmepumpe einzubauen. Man kann zum Beispiel die Gebäudehülle ertüchtigen, mit Wärmedämmung oder dichteren Fenstern. Schließlich gibt es verschiedene Anlagen, die man statt oder neben der alten Heizung einbauen kann: Sonnenkollektoren fürs warme Wasser, Wärmerückgewinnung aus der Abluft, eine effizientere konventionelle Heizung.
Die aufgezählten Möglichkeiten ließen Einsparungen erwarten, die bis in ähnliche Größenordnungen gehen könnten wie mit dem jetzt beschlossenen Gesetz. Verhaltensänderungen kosten gar nichts. Investitionen aber können sich verschieden schnell amortisieren - gerade bei aktuell sehr hohem Energieverbrauch alle anderen Möglichkeiten noch vor einer Wärmepumpe. Gesamtwirtschaftlich wie auch bei der CO₂-Bilanz sind die besten Effekte zu erwarten, wenn der Einzelne für sich durchkalkuliert, was ihm am meisten nützt. Dafür wäre allerdings ein Preis für fossile Energie nötig, der sich dauerhaft in deutlich spürbaren Größenordnungen bewegt. Und als sozialer Ausgleich, woran Bastian Brinkmann zu Recht erinnert, das pro Kopf auszuzahlende Klimageld.
Axel Lehmann, München
Klimaschädliches Kältemittel
Leider werden in den Artikeln zu Wärmepumpen die klimaschädlichen Kältemittel in den Geräten zu selten erwähnt. Das abgebildete Außengerät enthält das Kältemittel R32 und ist mehr als 700-mal schädlicher als CO₂, wenn es in die Atmosphäre gelangt. So gibt es zwar eine Phase-down-Strategie der EU, dennoch produzieren die Hersteller munter weiter. Durch die aktuelle Situation ist zu befürchten, dass nun noch mehr Wärmepumpen mit klimaschädlichen Kältemitteln auf den Markt kommen. Diese Wärmepumpen werden ebenso mit Steuergeld subventioniert wie jene mit klimafreundlicheren Kältemitteln, wie beispielsweise R290. Dieser Sachverhalt sollte bei allem Lob auf die Wärmepumpen nicht verschwiegen werden.
Uli Mack, Stuttgart
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