Frauen im öffentlichen RaumRaus aus der Opferrolle

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Wie sicher fühlen sich Frauen alleine in der Öffentlichkeit?
Wie sicher fühlen sich Frauen alleine in der Öffentlichkeit? Maria Korneeva/Getty Images/iStockphoto

In ihrem Essay schreibt SZ-Autorin Tanja Rest über Angsterzählungen und Frauen im öffentlichen Raum. Damit spricht sie vielen SZ-Leserinnen aus dem Herzen.

Essay „Die Nacht gehört auch uns“ vom 28. Februar/1. März:

Angsterzählungen schaden

Der heutige Artikel „Frauen im öffentlichen Raum: Die Nacht gehört auch uns“ spricht mir aus der Seele. Ich lebe im Norden von Düsseldorf, bin 57 Jahre alt und bin ebenfalls nicht mehr so viel nachts unterwegs wie als jüngere Frau. Aber ich treffe mich regelmäßig abends mit Freundinnen in der Innenstadt und auch diese bewegen sich alleine nach Anbruch der Dunkelheit in der Stadt.

Nach den Treffen fahre ich alleine mit der Straßenbahn in der Innenstadt zurück. Mir ist in all den Jahren nie etwas Besonderes passiert. Auch nicht in den Zeiten, in denen ich in Mainz, in Münster oder in Duisburg gelebt habe. Sicherlich ist dies ein großes Glück. Aber es ist auch Ausdruck der wundervollen Sicherheit der Städte. Und wie Sie, Frau Rest, halte ich dies, die Möglichkeit, sich als Frau frei zu bewegen, für eine wunderbare Errungenschaft! Und daher stimme ich Ihnen auch sehr zu, dass die Angsterzählungen den Frauen nur schaden.

Anke John, Düsseldorf

Gefährliche Ratschläge

Der Artikel von Tanja Rest ist aus zwei Gründen meiner Meinung nach an Ignoranz und Gefährlichkeit kaum zu überbieten: Erstens ist sie Mitte 50 und kann daher nicht im Allergeringsten nachvollziehen, wie es jungen Frauen in der Öffentlichkeit geht und welche Belästigungen sie zu ertragen haben. Zweitens nimmt sie als Maßstab für ihre gefährlichen und naiven Ratschläge die Zustände aus ihrer Jugend (also vor 30 bis 40 Jahren).

Nur ein kurzer Blick in die Statistiken hätte genügt, die Nicht-Vergleichbarkeit selbst bei mittlerer ideologischer Verblendung festzustellen. Und ja, hier sind empirische Schlüsse möglich und sogar geboten (wenn man hoffentlich wenigstens ein Minimalverständnis von Zahlen hat). Richtig gefährlich wird es, wenn sie jungen Frauen zur Selbstverteidigung rät. Hat sich Rest bei fachkundigen Personen erkundigt, welche fatalen Folgen so etwas haben kann?

Mit ist unbegreiflich, warum die SZ so etwas abdruckt, warum kommen nicht Frauen mit ausgewogener Erfahrung und Meinung zu Wort? Rest schadet dem Thema massiv, ihre „Angst-Erzählungs“-These kann man so leider nicht ansatzweise ernst nehmen!

Robert Kunert, Ismaning

Zu Hause ist es gefährlicher

Ich bin 71 Jahre alt und wehre mich schon immer gegen die Opferrolle, die uns Frauen oft zugeschrieben wird, die wir aber allzu oft genug auch selbst freiwillig übernehmen.

Ich hatte als Kind schon keine Angst im Dunkeln (hat mein Vater unterstützt), war als Jugendliche und bin als erwachsene Frau bis heute auch nachts alleine unterwegs. Ob nach meinem Stammtisch, Kino oder Konzert, ich gehe alleine nach Hause, weil mein Mann mich zu diesen Veranstaltungen meist nicht begleitet. Und das ist für mich und ebenso für meinen Mann selbstverständlich. In den 70er-Jahren habe ich in Freiburg an Demos teilgenommen zum Thema „Frauen erobern sich die Nacht zurück“ und ich bin entsetzt, wie viel der erreichten Rechte und Freiheiten Frauen zunehmend wieder aufgeben.

Da ich elf Jahre in einem Frauenhaus gearbeitet habe, weiß ich gut, dass der gefährlichste Ort für Frauen nicht der öffentliche Raum, sondern das eigene Zuhause ist. Dass ich mich bei Tag und Nacht, wo und wann immer ich will, frei bewegen kann, gehört für mich zur Lebensqualität. Und die lasse ich mir nicht nehmen.

Marina Nohe, ??

Scham muss die Seite wechseln

Übergriffe und Belästigungen sollten einen nicht persönlich betreffen. Wie Gisèle Pelicot sagte: Die Scham muss die Seite wechseln. Und: Man kann wieder aufstehen. Wer den Dreck nicht von sich abperlen lässt, sondern stattdessen jahrelang bei Therapeuten herumweint und sich nicht mehr aus dem Haus traut, macht sich selbst zum Opfer. Wenn man sich das Leben von so einer Tat vermiesen und zerstören lässt, dann überlässt man dem Täter den Sieg. Durch so ein Verhalten wird nur das uralte Klischee von der schwachen, hilflosen Frau bestätigt. Dieser Artikel war überfällig. Vielen Dank, Frau Rest!

Susanne Tillich, München

Rechte erkämpfen

Für diesen Essay von Frau Rest möchte ich mich vielmals bedanken. Für mich rückt er eine Debatte, angestoßen von der „Stadtbild“-Aussage unseres Bundeskanzlers, wieder gerade. Ich bin 75 Jahre alt. Ich habe viele Jahre im Münchner Bahnhofsviertel gearbeitet, habe mich abends in manchen Situationen auf dem Heimweg unwohl gefühlt, aber niemals unsicher. Das mulmige Gefühl von Frauen, nachts in der S-Bahn mit einer Gruppe junger Männer, die angetrunken sind und pöbeln, kann ich nachempfinden. Mir ist auch wohler, in einer U-Bahn, mit älteren Paaren, die gerade aus einem Konzert oder Theater kommen.

Angst ist mir ein zu großer Begriff. Ängste haben in der Regel mit realen Gefahren zu tun oder beruhen auf traumatischen Erlebnissen. Der unsicherste und gefährlichste Platz für eine Frau ist das häusliche Umfeld, nicht der öffentliche Raum. Dass es für Frauen gefährlicher wird, sich draußen zu bewegen, ist einfach falsch. Es gab keine Zeiten und keine Generationen vor uns, in denen sich Frauen im öffentlichen Raum sicher fühlten.

Eine Frau, 54 Jahre, berichtet in den Interviews vom 26. 12. 2025 „Nachts auf dem Heimweg“, wie ihre Mutter vor einer Gruppe junger Männer den Blick nach unten senkte. Meine Schwiegermutter verließ nach Einbruch der Dunkelheit ihre Wohnung nicht mehr, aus Angst, überfallen zu werden. Welchen realen Hintergrund damals solche Ängste hatten, kann ich nicht beurteilen, ob Kriegserlebnisse hier nachwirkten. Mütter haben ihren Töchtern diese Ängste vermittelt. Wollen wir sie wirklich an unsere Töchter und Enkel weitergeben?

Dazwischen liegt eine „Generation widerständiger Feministinnen“, wie Frau Rest es betitelt, mit dem Anspruch, für ihre Interessen selbst einzutreten und Rechte für sich zu erkämpfen. Wer sonst sollte es bitte tun, und wollen wir Frauen dies wirklich den Männern überlassen? Dazu gehört es, Interessen gegenüber dem Partner, Kollegen, dem Arbeitgeber und auch der Politik zu vertreten. Dazu gehört, sich stark zu machen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und, wenn es Sicherheit vermittelt, sich in Selbstverteidigung zu üben. Noch mal herzlichen Dank, Frau Rest, für diesen Essay!

Maria Reuther, München

Erzieht eure Söhne!

Aus meiner Sicht als Frau, die schon immer gerne auch alleine ausgegangen ist, und als Mutter zweier jugendlicher Töchter bin ich mit der Beschreibung von Tanja Rest voll einverstanden. Gerne möchte ich noch hinzufügen: Don’t protect your daughters, educate your sons!

Nina Andreae, Weil am Rhein

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