„Sparen, sparen, sparen“ und „Applaus, Applaus“ beide vom 5. Mai, „Kassen sparen, Versicherte zahlen“ vom 1. Mai „Gezuckert“ und „Zuckersteuer soll Haushaltsloch stopfen“ vom 30. April:
Schluss mit dem Zweikassensystem
Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder Debatten über Beitragserhöhungen bei den Krankenkassen und Kürzungen der Leistungen im Gesundheitswesen für die gesetzlich Versicherten. Ebenso wird immer wieder über Kürzungen der gesetzlichen Renten gesprochen. Diese Diskussionen wären absolut unnötig, wenn sich die regierenden Parteien endlich entschließen könnten, eine richtungsweisende Änderung herbeizuführen.
Ich meine damit, dass endlich jeder Erwerbstätige (auch Selbständige und Beamte) in die gesetzliche Krankenversicherung und in die gesetzliche Rentenversicherung Beiträge einzahlt. Unsere Nachbarn Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Dänemark haben diese epochale Änderung schon vor Jahrzehnten geschafft und leben damit in großer Zufriedenheit.
Diese Diskussion, die wir jetzt führen, wird in ein paar Jahren erneut geführt, immer wieder. Wofür brauchen wir über hundert gesetzliche Krankenkassen (Anm. d. Red.: nach Angabe des Spitzenverbandes GKV waren es zum 1. Januar 2026 noch 93 gesetzliche Kassen)? Wofür brauchen wir ein Zweiklassensystem in unserem Gesundheitswesen? Spricht man eine Änderung des Systems der Kranken- und Rentenversicherung ähnlich wie in Österreich an, wird diese Diskussion sofort im Keim erstickt. Warum? Ist die Lobby der Beamten im Bundestag so groß? Dabei könnten sich die Politiker damit bei der Bevölkerung hohes Ansehen verschaffen.
Helmut Schäfer, Kirchheim
Kein großer Wurf
Applaus, Applaus! Jetzt ist wirklich alles gut gelöst und erledigt. Ja, es ist geschafft. Bravo! Wir können uns beglückwünschen: Mit dem Ausklammern der Homöopathie aus den Krankenkassenleistungen können wir auf einen Schlag 0,05 Prozent aller Krankenversicherungskosten senken – und verärgern damit nur circa 60 Prozent aller Versicherten, welche Homöopathie nutzen und schätzen (laut einer Allensbach-Umfrage im Jahr 2023). Auch die mächtigen Lobbyisten der Homöopathie sind damit ausgeschaltet. Darauf haben wir schon lange gewartet. Wir können uns jetzt nach getaner Arbeit erst mal zurücklehnen und die restlichen 99,95 Prozent der Krankenversicherungsausgaben getrost auf die nächste große Krankenversicherungsreform verschieben. Gute Nacht.
Wolfgang Reis, Gilching
Pharma-Konzerne profitieren
Endlich kommt es ans Licht, die Homöopathen stürzen unser Gesundheitswesen in den finanziellen Abgrund. Mit einem Gläschen Belladonna für zehn Euro lassen sich hundert Kinder therapieren, zwei Ampullen Impfstoff gegen Gürtelrose kosten 580 Euro, gegen Gebärmutterhalskrebs 500 Euro, neuerdings auch für Buben ab zehn Jahren empfohlen. Die Therapie eines HIV-Positiven macht schlappe 10 000 Euro im Jahr, wozu Kondome. „Gib Aids keine Chance“ – alter Hut von vorgestern, ist ja gut zu behandeln, freie Fahrt für freie Liebe.
Es ist erstaunlich, wie Journalisten der Propaganda der Pharma-Konzerne auf den Leim gehen. Allerdings hat Frau Berndt in mancher Hinsicht vollkommen recht. Unser krankes Gesundheitswesen ist zu einem gigantischen Selbstbedienungsladen verkommen, mächtige Konzerne geben den Ton an. Leider bedienen sich auch manche meiner Kolleginnen und Kollegen reichlich. Manche Patienten pilgern unkoordiniert und planlos mit ihrer Versichertenkarte von einem Arzt zum anderen. Im Gesundheitswesen geht es leider nicht nur um Gesundheit, es geht auch um Macht und Geld.
Dr. med. Stefan Eidam, Internist und Homöopath, Grafing
Ungerecht und wenig kreativ
Schnell und möglichst lautlos soll die sogenannte Reform der gesetzlichen Krankenversicherung durch Bundestag und Bundesrat gepeitscht werden. Das Gesetz ist das Papier nicht wert, auf das es gedruckt werden soll. Es geht wie üblich zulasten von Millionen gesetzlich Versicherter und auch der Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern am besten noch 1000 Euro als kleinen Krisenausgleich mit überweisen sollen. Als besondere Geste dieser unfähigen Bundesregierung, dann steuerfrei.
Aus dem bunten Strauß an Vorschlägen einer wahrscheinlich teuren Expertenkommission, hat eine Ministerin, bei der man sich fragen muss, ob sie auf diese wenig kreativen, sozial ungerechten und wenig nachhaltigen Ideen nicht auch hätte selbst kommen können, die herausgefischt, die den üblichen Profiteuren, wie der Pharmaindustrie, den Kassenvorständen und den Beamten, am wenigsten wehtun. Diese klatschen deshalb umso mehr in die Hände, und der Vorstandschef der Techniker-Krankenkasse lobt Warken, als hätte sie den Stein der Weisen gefunden.
Statt endlich ein wirklich dickes Brett zu bohren, erweisen sich Merz, Warken und Klingbeil dann als noch unfähiger als die letzten Bundesregierungen. Dann braucht man sich um ein Moratorium bei der automatisierten Anpassung der Besoldung der Bundestagsabgeordneten auch nicht mehr zu kümmern.
Oliver Schulze, Detmold
Zuckersteuer auf alles
Einen Nährstoff in bestimmten Lebensmitteln mit einer Abgabe zu verteuern, wäre aus gesundheitspolitischer Sicht vielleicht zu vertreten. Diese Maßnahme zu ergreifen, um an anderer Stelle ein Finanzloch etwas aufzufüllen, ist falsch. Insofern stimme ich Ihnen zu. Aber die Abgabe soll nur eine bestimmte Lebensmittelgruppe betreffen, nämlich die Erfrischungsgetränke, und da wird es fragwürdig. Fruchtsäfte sollen, soweit ich weiß, ausgenommen werden. Die enthalten aber teilweise sogar mehr Zucker als Softdrinks, zum Beispiel Traubensaft. Zugesetzter und von Natur aus vorhandener Zucker unterscheiden sich in ihrer physiologischen Wirkung nicht. Und was ist mit Milchzucker? Der Konsum von Latte macchiato und Cappuccino ist in den vergangenen Jahren deutlich in die Höhe geschnellt und wird in diesem Zusammenhang nie erwähnt. Von Gummibären und Schokoriegeln will ich gar nicht erst reden. Ehrlich wäre es, alle Zucker enthaltenden Produkte in die Abgabe einzubeziehen.
Bernd Sumfleth, Essen
Für die Gesundheit der Kinder
„Zuckersteuer soll Haushaltsloch stopfen“: Ich habe selten eine so menschenverachtende Überschrift gelesen. Diejenigen, die sich für die Zuckersteuer einsetzen – SPD, Grüne und Linke – haben die Menschen und vor allem die Kinder im Blick, die verführt werden und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Die Einnahmen des Staates gehen an die Krankenkassen und stopfen kein Haushaltsloch. Diese Parteien vertreten die christlich-humanistischen Werte und nicht Money.
Udo Peplow, München
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