Öffentlich-rechtliches FernsehenJeder Patzer kostet Vertrauen

Lesezeit: 2 Min.

Wichtige Währung fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen: Glaubwürdigkeit.
Wichtige Währung fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen: Glaubwürdigkeit.
Tom Weller/dpa

KI-Bilder in ZDF-Beitrag, wahrheitswidrige Chronologie in ARD-Bericht: Leser reagieren unterschiedlich streng auf solche Fehler.

SZ bei Google bevorzugen

„Falsches Bild, schon wieder“ vom 24. Februar und „So zerstört man Vertrauen“ vom 19. Februar:

Bauernopfer reicht nicht

Die eilige Abberufung von Nicola Albrecht ist ein Bauernopfer. Die Korrespondentin hat einen Fehler gemacht, die ZDF-Redaktion und deren Chefredakteurinnen allerdings auch – einen, der mindestens genauso schwer wiegt wie der von Frau Albrecht. Die Redakteur-innen haben den Fehler der Korrespondentin nicht bemerkt, trotz KI-Wasserzeichen. Damit sind sie genauso verantwortlich wie Frau Albrecht. Warum wurden die nicht ebenfalls suspendiert? „Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß“, ließ Chefredakteurin Bettina Schausten wissen. Warum übernimmt sie nicht die Verantwortung für den Fehler, oder Nachrichtenchefin Anne Gellinek, die Leiterin der Hauptredaktion Aktuelles? Irgendjemand aus Mainz hätte ebenso wie Frau Albrecht sofort suspendiert werden müssen.

Die mindestens gleich wichtige Frage ist aber, wie einer so erfahrenen Korrespondentin ein solcher Fehler unterlaufen konnte. Zwei Tage nach ihrer Berichterstattung zum gleichen Thema bekam sie den Auftrag, erneut darüber zu berichten. Gab es da überhaupt so relevante Neuigkeiten, dass ein neuer Beitrag nötig war? Oder brauchte die Redaktion dringend noch einen Füller für das „Heute-Journal“ am Sonntag? Musste Frau Albrecht den Beitrag vielleicht unter Zeitdruck erstellen, weil die Mainzer Redaktion es eilig hatte? Das sind alles Fragen, die geklärt werden müssten, weil das Tagesgeschäft in aktuellen Redaktionen genauso funktioniert. Wie auch immer: Die Zerstörung der Reputation einer erfahrenen Korrespondentin mitsamt der äußerst einseitigen Aufarbeitung in Mainz ist eine Sauerei.

Johannes Kehm, Schopfheim

Strafen für Fake News

Wenn die ARD versucht, diesen Fehler herunterzuspielen, muss ich betonen, dass ich es eher noch schlimmer finde als das Fake-Video, welches das ZDF gezeigt hat. Man muss der ARD in dem Fall nämlich unterstellen, dass dies bewusst so geschnitten wurde und damit eine vorsätzliche Falschaussage produziert und verbreitet wurde. Frau Merkel ist ja höchstwahrscheinlich nicht ohne Grund früher gegangen. Dann reicht auch nicht ein Online-Hinweis, erforderlich wäre eine Korrekturmeldung an gleich prominenter Stelle.
Solche Fake News können nur verhindert werden, wenn sie strafbar sind. Wenn dies nicht bald geschieht, muss man annehmen, dass die Politik an solchen Machenschaften interessiert ist, da sie hofft, ab und zu davon profitieren zu können.

Gert Heuer, Oberding

Offenheit verdient Respekt

Nein, so zerstört man kein Vertrauen! Nur Verschweigen und Bagatellisieren zerstört Vertrauen. Ich finde den Ton dieses Artikels verstörend und ärgerlich. Alle müssen lernen, mit der Flut von gefälschten Bildern umzugehen. Nur wer prüft, „macht“ (findet) auch Fehler.

Christa Keller, Freiburg

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: