„Das Glück ist eine Wurstsemmel“ vom 28./29. März:
Mit liebender Güte
Ich teile die grundlegende Meinung des Autors, dass eine gemeinsame Aktivität und Engagement ein hohes Maß an Verbundenheit und Zufriedenheit bewirken kann.
Dass Selbstmitgefühl „narzisstischer Quark“ sei, dem muss ich als Lehrer für achtsames Selbstmitgefühl widersprechen. Es handelt sich um einen bestens evaluierten Kurs, Verbundenheit ist im Übrigen eine der drei Säulen des Selbstmitgefühls. Mehrere Studien haben untersucht, ob Teilnehmende egozentrischer werden. Das Gegenteil ist der Fall, Teilnehmende an MSC-Kursen (mindful self compassion) haben im Anschluss mehr Mitgefühl für sich selbst als auch für andere.
Das ist auch nicht verwunderlich, da die buddhistische Metta-Praxis Kern dieses Curriculums ist: Liebevolle Güte für alle lebenden Wesen zu kultivieren.
Der vom Autor kritisierte Tendenz zur Selbstoptimierung bei vielen Coaching- und „Psycho-Seminaren“ wird bei MSC ebenfalls kritisch gesehen, nämlich als subtile Form der Autoaggression. Hier ist nicht das Ziel, besser zu werden, sondern dass wir uns so annehmen, wie wir sind.
Björn Stermann-Frosch, Gutach
Gutes Coaching hilft
Gut gemeint, aber ein bisschen sehr kurz gesprungen: Das Problem ist doch, dass die meisten hilflos und heutzutage auch noch sozialmedial völlig verunsichert in ihrer Blase hocken und keine wurstsemmelbedürftigen Fußballkinder haben: Um da rauszukommen, ist gutes Coaching genau das Richtige!
Jürgen Lendeckel, Hannover
Größte Zustimmung
Sehr geehrter Herr Herrmann, liebe Redaktion der SZ, als Opa von sechs Enkelkindern und als Kinder- und Jugendarzt ist dieser Artikel der, den ich mit dem größten Spaß und der größten Zustimmung in der letzten Zeit gelesen habe! Vielen Dank! Gibt es einen Preis, für den man diesen Artikel vorschlagen kann?
Dr. med. Bernd Dieter Fenne, Hildesheim
Gruppendynamik
Danke für Ihren Artikel zum Glück der Gemeinschaftlichkeit. Ich teile mit Ihnen die Erfahrung, dass gemeinsame Tätigkeiten mit übergeordneten Zielen sehr glücklich machen können. Bei der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, in der ich zeitweise engagiert war, stellte sich mir immer wieder die Frage, wer hier eigentlich wem hilft: die Helfergruppe den Migrant:innen – oder diese mit ihrer Offenheit und vielen persönlichen Einladungen uns Helfer:innen.
Aber gemeinsames Tun kann auch das Gegenteil bewirken. Unter Fußball-Eltern habe ich mich immer schrecklich einsam gefühlt. Hier gab es unausgesprochene Regeln, deren Nicht-Einhaltung hochgezogene Augenbrauen und schlimmstenfalls die Ausladung des Kindes beim nächsten Kindergeburtstag zur Folge haben konnte. Vielleicht betreffen diese Regeln eher Frauen, weil Väter, so zumindest meine Erfahrung, beim Engagement für ihre Kinder einfach schon fürs Dabeisein gefeiert werden. Da darf Mann vielleicht auch mal einen „falschen“ Salat mitbringen, wo Sachen drin sind, die weder nach Nudel noch nach Kartoffel aussehen.
Ich glaube, dass es vor allem um Offenheit und Verbundenheit geht beim Thema „Einsamkeit versus Glück“. Im Resilienz-Workshop kann man lernen, wie man besser mit sich selbst verbunden bleibt, und dann, da stimme ich Ihnen absolut zu, heißt es raus aus dem ewigen „ich, ich, ich“. Was aber, wenn irgendetwas, das im jeweiligen Kontext als nicht konform erscheint, das Dazustoßen zu einer gemeinsamen Tätigkeit erschwert? Übergewichtig, Ausländer*in, neurodivergent oder frisch verlassen zu sein, kommt vielleicht nicht immer so gut an am Wurstsemmelstand. Man macht es sich zu leicht, die Einsamen zum Engagement aufzurufen und damit die Verantwortung beim Einzelnen zu verorten. Es kommt auch sehr stark auf die jeweilige Gemeinschaft an, kein borniertes Clübchen zu sein, sondern wirklich neugierig, offen und bereit für neue Impulse.
Juliane Peithmann-Rapp, Minden
Glücks-Zitate
Dank für diesen erkenntnisreichen Artikel. Auch ich möchte noch einige, aber seltene Zitate zum Thema beitragen. Eine brasilianische Weisheit sagt: „Glück ist, den anderen ein Stück des blauen Himmels zu zeigen.“ Und Günther Eich mahnte uns 1949: „Wir richten uns immer wieder auf das Glück ein, aber es sitzt nicht gern auf unseren Sesseln.“ Hingegen schwärmt Simone de Beauvoir: „Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.“
Meine Definition stammt aus Friedrich von Schillers „Braut von Messina“. Da heißt es: „Nicht an die Güter hänge dein Herz, die das Leben vergänglich zieren, wer besitzet, der lerne verlieren, und wer im Glück ist, der lerne den Schmerz.“
Winfried Kretschmer, Wiesbaden
Friedlich und achtsam
Die „Analyse“ ist in ihrer überspitzten Darstellung unterhaltsam zu lesen und trifft den Nagel vielfach auf den Kopf.
Aber: Das Lernen von Selbstmitgefühl ist kein „narzisstischer Quark“, vielmehr die Voraussetzung für ein friedliches, fruchtbares Miteinander und ausgewogenes Füreinander. Nachzulesen zum Beispiel bei Christine Brähler und Gerald Hüther. Und Achtsamkeit ist das Fundament dafür.
Rita Brunskill, Krailling
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