„Le Grand Tour Électrique“ vom 14. August:
Strommisswirtschaft
In dem sehr interessant und kurzweilig geschriebenen Reisebericht von Tobias Moorstedt, in dem er seine Erfahrungen und Eindrücke mit einem E-Auto durch Frankreich schildert, legt der Autor nachhaltig und humorvoll dar, wie wenig die allgegenwärtige „Reichweitenangst“ begründet ist.
Sehr nachdenklich hat mich aber ein kurzer Satz gemacht, dass nämlich in Australien zu Zeiten von Stromüberproduktion dieser umsonst ist. In Deutschland haben wir ja auch zur Genüge die Situation, dass weit mehr Strom erzeugt wird, als Verbraucher benötigen. Wir begegnen dieser Überproduktion, indem der erzeugte Strom günstig oder umsonst in Ausland abgegeben wird und teilweise – besonders ärgerlich – noch zusätzlich bezahlt werden muss, damit man uns den Strom überhaupt abnimmt. Windräder werden notgedrungen abgeriegelt, obwohl Wind da wäre, und zusätzlich müssen Gas- und Kohlekraftwerke am Netz gehalten werden.
Heinz Jagemann, München
Anfangsprobleme
Herzlichen Dank für diesen tollen Artikel! Bitte noch mehr davon! Irgendwann muss sich dieser maskuline Pseudofreiheitswahnsinn doch umkehren. Seit Oktober fahre ich einen Audi Q4 e-tron und habe inzwischen auch schon größere Reisen nach Italien, Deutschland und Österreich gemeistert. Man lernt aus schwierigen Situationen, und vor allem ändert sich die Ladestationen-Situation sehr schnell.
Während ich einmal nachts den TCS (Touring Club Schweiz) rufen musste, weil mein Handy genau in dem Moment den Geist aufgab, in dem ich bezahlen wollte (und zwar, weil ich mit der Handy-Taschenlampe die Ladestation, die zuhinterst an einer Tankstelle verborgen war, suchen musste – wir haben dann das Handy im Wagen des TCS-Fahrers aufgeladen, und dann ging alles problemlos), fand ich immer eine Ladestelle, wenn meine Anzeige auf unter 100 Kilometer fiel. Im vergangenen Herbst waren es noch die Ladekarten, die Probleme verursachten, im Juni dieses Jahres konnte ich überall mühelos entweder mit der Kreditkarte oder mit Ionity laden, und das auch überraschend schnell. Im Herbst 2027 muss ich nach Thessaloniki – vielleicht hat jemand bereits Erfahrungen mit Ladesäulen in Griechenland?
Prof. Dr. Antonie Hornung, Esslingen (Schweiz)
Eigentlich easy
Lieber Tobias Moorstedt, wir hoffen, Sie hatten schöne Urlaubstage in der Bretagne! Wir fahren auch bald mit unserem E-Auto in diese Richtung und freuen uns darauf.
In Ihrem Artikel gehen Sie auf die emotionale Seite des Systems Mensch/E-Auto ein, gerne würde ich diese um ein paar Fakten ergänzen. Heute sind die meisten E-Autos über das Navigationssystem mit dem aktuellen Ladenetz verbunden, viele zeigen auch gleich an, wie viele Säulen noch frei sind, und navigieren dorthin, auf Wunsch auch vorausschauend und automatisch.
Sollte der von Ihnen gemietete Wagen keines haben, gibt es unzählige Apps, die diese Funktion auf dem Handy abbilden. Braucht man nur einen Halter. Dass Ihr Handy im geschlossenen Wagen bei laufender Klimaanlage wegen Überhitzung im Innenraum an die Lüftungsdüsen gehalten werden musste, kann ich nicht glauben, dann müsste der Innenraum über 60 Grad warm gewesen sein. Oder Sie haben das Handy an der Frontscheibe abgelegt, da sind wir wieder beim Thema Handyhalter.
Insgesamt gesehen finde ich, dass Sie in Ihrem Artikel eher individuelle Ansichten und Befürchtungen (die man mit etwas Vorbereitung ausräumen kann) beschreiben denn den aktuellen Stand. Auch ist das Szenario „Ich miete mir ein E-Auto und fahre los“ auf einen kleinen Personenkreis beschränkt.
Auch in diesem Sommer werden wieder viele E-Auto-Besitzer mit Freude feststellen, wie easy und sauber man mit der richtigen Ladekarte, welche fast überall gilt, ans Urlaubsziel kommt. Und das entspannt, weil man nicht durchgebrettert ist, sondern E- Zwangspausen eingelegt hat.
Sebastian Schwarz, Ingolstadt
Das Navi macht’s
Es bedarf keines ausschweifenden Artikels in der SZ, um darzustellen, wie unproblematisch es ist, elektrisch in Europa zu verkehren. Wir, Rentnerehepaar im rüstigen Alter von 77 Jahren, sind zurzeit ebenfalls in der Bretagne, von Würzburg nach Roscoff circa 1220 Kilometer, nicht das erste Mal über eine so weite Strecke unterwegs und können versichern: Es ist völlig unproblematisch, wenn man aufgeschlossen ist und sich mit der Problematik beschäftigt.
Man benötigt ein gutes Auto, das muss nicht mal besonders teuer sein, sollte aber ein gutes Navi haben, das für die gesamte Strecke die notwendigen Ladestopps vorausberechnet. Weiterhin die Ladekarte eines Münchner Anbieters, der an allen Autobahnstrecken in Europa bestens vertreten ist und auch andere Anbieter in seinem Portfolio hat und somit das Laden nicht nur an Autobahnen ganz bequem sein lässt. Für das Laden vor Ort reicht üblicherweise die Ladekarte des Autofabrikats oder zum Beispiel die eines baden-württembergischen Energieunternehmens aus, um überall bequem laden zu können. Es ist nicht nur sehr wirtschaftlich, sondern auch sehr einfach, elektrisch unterwegs zu sein. Wir werden nie mehr anders unterwegs sein.
Gert Lusin, Hettstadt
Hinweis
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.
