„Ich kontrolliere keine Tickets mehr, ich will ja lebend nach Hause kommen“ vom 6. Februar und „Das Risiko der Zugbegleiter“ vom 5. Februar:
Alltag, nicht Ausnahme
Das ist Deutschland, der Mangel und die sich daraus ergebenden Zustände sind an allen Ecken offensichtlich, und das seit Jahren. Kommt dann noch der tragische Tod eines Menschen dazu, werden die eigentlich Verantwortlichen nicht zur Verantwortung gezogen, es kommt zur kurzfristigen Empörung, um dann wieder in business as usual zu verfallen.
Im Falle der Tötung des Zugbegleiters zeigt sich, dass diese Situationen Alltag und nicht Ausnahme sind. Als Zugfahrer habe ich selbst schon Gewalt erlebt. Hilfe sucht man bei Mitreisenden und aus Mangel an Personal vergebens.
Vielleicht sollte endlich ein Prämissenwechsel in diesem Land vollzogen werden. Die durch die Absicherung von Fußballspielen gebundenen und dafür von unseren Steuergeldern bezahlten Polizisten sollten endlich sinnvoll eingesetzt werden, nämlich beispielsweise in Zügen und Bahnhöfen. Während die Fußballvereine sich auf Kosten der Allgemeinheit absichern lassen und Millionen an ihrem Spektakel verdienen, fehlt an anderen Stellen das lebenswichtige Sicherheitspersonal. Das passt aber zum Auftreten unserer Politiker, allen voran von Friedrich Merz, der auch lieber auf die Allgemeinheit eindrischt und sich selbst als Leistungsträger mit Plattitüden glanzvoll ins Rampenlicht stellt, statt in die „Abgründe der ungelösten Probleme“ hinabzusteigen und einfach mal seine überfälligen Arbeiten zu erledigen. Aber dafür hat er ja seine Leute – und vor allem zu wenig Bezug zur Realität.
Oliver Schulze, Detmold
Schwarzfahren
Angesichts der schrecklichen Vorfälle von Gewaltanwendung ist es nachvollziehbar, dass nur die Perspektive der Fahrgastbegleitenden zur Sprache kommt und diese nicht die Situation in den Blick nehmen, in der sich die Fahrgäste befinden.
Die Leistungen sind schlechter geworden in den letzten Jahren und die Maßstäbe strenger. Dabei musste ich in 50 Jahren Bahnfahren schon früher immer wieder erleben, dass Schwarzfahrern Absicht unterstellt wurde, wenn etwa schlicht Unaufmerksamkeit im Tarifdschungel der Grund gewesen war. Mein Eindruck ist, dass Menschen selbstherrliche Haltungen von Uniformtragenden früher eher bereit waren hinzunehmen. Zur aggressiven Stimmung in Zügen trägt auch der Ärger über die Unzuverlässigkeit bei – im Wissen, dass die Anwesenden nicht verantwortlich sind – und die Frustration, dass auf Jahre keine Besserung in Sicht ist.
Vor allem sind mir soziale Aspekte ein Anliegen: Viele der Schilderungen lesen sich so, als hätten die „Überführten“ schlicht aus Verzweiflung angesichts möglicher Folgen überreagiert. Wie schnell kann man wegen Fahrens ohne gültigen Ausweis vor Gericht landen! Wäre jetzt nicht der Anlass, Schwarzfahren endlich als Ordnungswidrigkeit einzustufen? Und weniger in Überwachung zu investieren als in preiswerteren Zugang zum Nahverkehr für wirtschaftlich schlechter Gestellte? Was ist uns die Atmosphäre im öffentlichen Raum wert? Und nicht zuletzt: was die Verkehrswende?
Bärbel Görcke, Neustadt am Rübenberge
Deeskalierend ans Ziel
Es gibt keine Rechtfertigung für eine solch abscheuliche Tat, und dieser niederträchtige Täter sollte mit der ganzen Macht des Rechtsstaates verurteilt werden. Dennoch könnte die Deutsche Bahn zur Entschärfung und Deeskalierung solcher Kontrollsituationen ihre Geschäftsordnung ändern, indem sie Schwarzfahrer nach Aufnahme der Personalien die Fahrt an das gewünschte Ziel beenden lässt und erst im Nachgang die Zugfahrt plus einer zusätzlichen Geldbuße in Rechnung stellt. Diese könnte, wenn möglich, sofort mit der EC-Karte oder später mit Überweisung beglichen werden.
Dr. Charles Woyth, Berlin
Kontrolle vor dem Einstieg
Aus meiner Sicht wären folgende Sofortmaßnahmen zu treffen, damit die zunehmenden Übergriffe nicht zur ungelösten Normalität werden: Zugbegleiter sollten stets zu zweit kontrollieren. Jeden Zugbegleiter mit Bodycam ausstatten. Alle Züge sollten – wie jeder Bahnsteig auch – mit Kameras ausgestattet sein. Durch eine größere Werbekampagne sollte auf diese Problematik aufmerksam gemacht werden.
Aber das Allerwichtigste wären bauliche Veränderungen der Zutrittsberechtigungen auf Bahnsteigen: Wenn jeder Fahrgast sein Ticket (digital oder analog) an einem Scanner legitimieren müsste, und sich erst dann die Schranken zu den Bahnsteigen öffnen, würden weniger Personen ohne Ticket in die Züge gelangen.
Für Personen, die nicht mit dem Zug reisen und nur Ankommende abholen, gab es früher für kleines Geld eine Bahnsteigkarte. Auch dies wäre eventuell eine Möglichkeit, Schwarzfahrer vom Betreten der Bahnsteige beziehungsweise Besteigen der Züge fernzuhalten. Auf jeden Fall herrscht akuter Handlungsbedarf, um das Bahnpersonal, aber auch Reisende vor aggressiven Personen zu schützen.
David Hülsmeier, Bremen
Hilfe leisten!
Hallo, neben dem Entsetzen über eine solche Tat und bei all der Trauer und dem tiefen Wunsch, es gäbe solche kaputten Männer endlich nicht mehr, frage ich mich: Ist dieses Verbrechen im luftleeren Raum geschehen? War der Zug so gut wie leer? Oder haben andere Fahrgäste einfach zugesehen? Hätten sich nicht ein paar Personen zusammentun können, um den Totschlag zu verhindern?
Edith Kramer, Köln
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