„Man braucht eine Generation für die Sanierung“ vom 5./6. Januar, Essay „Ist die Bahn denn noch zu retten?“ vom 27.28. Dezember:
Der Prozess startet jetzt erst
Mal ehrlich, wer hat denn wirklich allen Ernstes geglaubt, mit dem Austausch des Bahnvorstandes würde ab morgen alles besser werden – Träumerei. Der Staatskonzern DB mit über 200 000 Mitarbeitern, der jahrzehntelang von Stümpern dorthin geleitet wurde, wo er sich heute befindet, braucht vielleicht ebenso viel Zeit, um aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen.
Das muss uns klar sein, und es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Evelyn Palla, der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken. Tut sie das nicht, gerät sie wie ihre Vorgänger ganz schnell in das bekannte Fahrwasser aus Beschwichtigungen und Märchenerzählung.
Hoch bezahlte, wirkungslose Manager rauszuwerfen, das klingt gut. Sie tut damit genau das, was der ahnungslose Fahrgast für das vermeintlich Richtige hält, und verbreitet damit eben den Glauben: Ab morgen wird alles gut. Leider ist der Glaube nur die Hoffnung auf etwas, was wir nicht erkennen können. Also sollten wir uns damit anfreunden, dass auch Frau Palla kein Hexenwerk vollbringen kann.
Veränderung, wie wir es bei der DB unbedingt brauchen, braucht Zeit, sehr viel Zeit und Durchhaltevermögen. Nachhaltige Veränderung funktioniert nur Schritt für Schritt, somit zeigt sich auch die Wirkung nur sehr langsam.
Der Schlendrian der vergangenen Jahre ist wie eine schwere Last, die wie eine verdeckte Unternehmensstrategie ihre Wirkung entfaltet hat. Diese muss erkannt, beseitigt und durch eine wertschätzende, nachhaltige Fehlerkultur ersetzt werden. Das müssen alle Beteiligten – vom Verkehrsminister über das gesamte Management bis zum Anlageverantwortlichen wollen und sich auf einen langen Prozess einstellen.
Matthias Hoerburger, Maisach
Streckensperrungen
Wie Sie zutreffend schreiben, steigen die Fahrgastzahlen der Bahn im Fern- und Nahverkehr trotz der derzeitig massiven Pünktlichkeitsprobleme. Sehr erfreulich ist, dass Sie diesen Themen immer wieder breiten Raum einräumen. In letzter Zeit zitieren Sie dabei mehrfach Experten und auch Politiker, die zur Verringerung der Probleme weniger Züge fordern, insbesondere die Aussage von Jürgen Baumgärtner, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Landtag, der eine Reduzierung „um mindestens ein Viertel“ fordert.
Ein Argument ist dabei die derzeit starke Bautätigkeit. Hier sei darauf hingewiesen, dass bei Baumaßnahmen in der Regel ohnehin Züge gestrichen werden, häufig in kaum akzeptablem Umfang. Zum Beispiel werden aus Anlass der diesjährigen Generalsanierung und Vollsperrung der Strecke Nürnberg – Regensburg – Passau sogar viele Züge in Südbayern gestrichen, um großräumige Umleitungen zu ermöglichen. Weiter hat der Freistaat zum letzten Fahrplanwechsel bereits mehrere Hunderttausend Zugkilometer im Regionalverkehr gestrichen, primär um Geld zu sparen, um damit mehr Kapazitäten in stark genutzten Zügen finanzieren zu können. Die Pünktlichkeit hat sich dadurch nicht spürbar verbessert. Das war auf den von den Streichungen überwiegend betroffenen, schwächer ausgelasteten Strecken auch nicht zu erwarten.
Damit bleiben als einzige Möglichkeit, durch weniger Züge mehr Pünktlichkeit zu erreichen, die stark ausgelasteten Strecken und insbesondere die überlasteten Knoten. Zum Beispiel könnte die Streichung von Zügen auf den stark ausgelasteten Strecken nach München die Pünktlichkeit vermutlich tatsächlich verbessern. Aber will man wirklich stark besetzte Pendlerzüge mit häufig mehr als 1000 Fahrgästen streichen?
Andreas Schulz, München
Konkurrent: Auto
Die Bahn gehört der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesregierung. Sie ist folglich so gut oder schlecht, wie die jeweilige Regierung/der Verkehrsminister das will – und der wird sich hüten, den Wählerwillen zu ignorieren. Ein attraktiver öffentlicher Verkehr, wie wir ihn in der Schweiz oder in Österreich finden, war und ist in Deutschland nicht wahlentscheidend – und deshalb haben wir ihn nicht. Vergleichen Sie nur die Mitgliederzahl des ADAC mit der vom alternativen „Verkehrsclub Deutschland“ und vom Fahrgastverband „Pro Bahn“.
Die Frage muss lauten: Hat die DB überhaupt eine Chance, attraktiv – und damit ein Konkurrent zum Auto – zu werden, wenn Wählerinnen und Wähler es nicht wollen?
Klaus Werner, Erlangen
SZ-Erleben-Veranstaltung: Abenteuer Deutsche Bahn

Was läuft schief? Und was kann Deutschland von anderen
Ländern lernen? Darüber sprechen wir am 11.02.2026 von 19 bis 21 Uhr in München. Diskutieren Sie im „Werk7Theater“ im Münchner Werksviertel am Ostbahnhof mit hochkarätigen Experten über den Ist-Zustand und die Zukunft der Bahn. Kabarettpreisträgerin Lara Ermer liest zudem die besten Bahn-Geschichten von SZ-Leserinnen und -Lesern.
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