Lehrermangel in Bayern:Mit mehr Teilzeit nicht zu beheben

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Lehrermangel in Bayern: Hat Probleme mit fehlenden Lehrerinnen und Lehrern: Bayerns Kultusminister Professor Michael Piazolo (Freie Wähler).

Hat Probleme mit fehlenden Lehrerinnen und Lehrern: Bayerns Kultusminister Professor Michael Piazolo (Freie Wähler).

(Foto: Matthias Balk/dpa)

SZ-Leserinnen halten Vorschläge des Kultusministers für verharmlosend und sehen wachsende Unterrichtsprobleme.

"Piazolo, der Zahlen-Jongleur" vom 3. November:

Aufstocken? - Ausgereizt!

In Bayern fehlen Lehrkräfte, viele Lehrkräfte, darin sind sich anscheinend alle einig. Immer wieder lese ich, dass ein Ausweg aus dieser Misere das Aufstocken der Teilzeitkräfte wäre. Ärgerlich an dieser Forderung ist: Es gibt zumindest für Grund-, Mittel- und Förderschulen nur noch eine familienpolitische Teilzeit, alle anderen Lehrkräfte müssen sowieso annähernd Vollzeit arbeiten. Vollzeit heißt mit allen Aufgaben neben der reinen Unterrichtsverpflichtung: 40 Stunden plus wöchentlich.

Um es noch einmal zu betonen: Es dürfen nur Lehrkräfte aus familienpolitischen Gründen Teilzeit arbeiten, das heißt, sie haben entweder noch kleine Kinder zu Hause - übrigens arbeiten in der Schule hauptsächlich Frauen, die immer noch den Großteil zur Erziehung auch zu Hause beitragen - oder zu pflegende Angehörige. Wie Sie also so lapidar in ihrem Artikel schreiben: "Sie werden wohl Gründe haben für den Teilzeitwunsch" Es wird nie darüber berichtet, dass viele neu ausgebildete Lehrkräfte gar nicht in Bayern bleiben wollen, weil sie immer noch willkürlich versetzt werden, ohne dass dabei auf ihre persönlichen Lebensumstände Rücksicht genommen wird. Auch dass immer noch ein hoher Numerus Clausus auf die Studienfächer Grund- und Förderschullehramt liegt, findet selten Erwähnung. Wenn Bayerns Bildungspolitik weiter so läuft, wird sich der Mangel an den Schulen noch über viele Jahre fortsetzen und ausweiten.

Elke Sigmund, Nürnberg

Jammern aus gutem Grund

Nur weil Lehrer und Lehrerverbände jammern, heißt das nicht, dass sie nicht manchmal auch einen Grund dafür haben. Vielleicht sollte Minister Michael Piazolo, statt mit Zahlen zu jonglieren, hin und wieder Unterrichtsalltag erleben: Kombiklasse mit über 20 Kindern, Kollegin krank, daher ihre halbe Klasse mitführen, Mobile Reserve Fehlanzeige. In der Klasse mindestens zwei Kinder lernzieldifferent unterrichten, das heißt individuell, nach Wissensstand. Mindestens zwei weitere Kinder sprechen kaum deutsch - auch sie sollen sinnvoll beschäftigt werden. Die andere Kollegin hustet seit zwei Wochen - zum Glück kein Corona - sie ist trotzdem da. Die 28 kleinen Individuen vor mir bleiben 28 - da hilft alles Jonglieren nicht.

Evi Kern, Mitterteich

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