„Pro und Contra: Sollte das Tempelhofer Feld doch bebaut werden?“ vom 28. Februar/1. März:
Wertvoller Freiraum
Geht oder fährt man durch Berlin, sieht man so viele freie, ungenutzte Flächen, dass es einem kaum einleuchtet, dass das Tempelhofer Feld unbedingt bebaut werden muss. Dieses Feld ist ein großer Luxus für das ansonsten nicht überall mit Reichtum gesegnete Berlin – zum einen klimatisch und ökologisch, aber auch als Freiraum für unzählige Besucher, die sich dort aufhalten und diversen Freizeitbeschäftigungen nachgehen können, welche sonst in einer Stadt, vor allem einer Metropole wie Berlin, unmöglich sind.
Es ist ein Zeichen von Unwissenheit oder Missgunst, aber auch ein Zeichen der Anmaßung gegenüber diesen zahlreichen Nutzern, das Tempelhofer Feld als „zugige Brache“ zu diffamieren. Und: Diese riesige Fläche ist erstaunlich sauber, erstaunlich sicher, absolut ruhig und friedlich und daher auch besonders kinderfreundlich. Sie ist im Zentrum der Stadt eine wunderbare Alternative zu den lärmenden Freizeitparks, die es andernorts gibt.
Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin
Hebt andere Potenziale
Der Berliner Senat lässt nicht locker und greift erneut nach dem Tempelhofer Feld, das Votum von 2014 gefällt ihm nicht (ein Volksentscheid sprach sich gegen Bebauung dort aus; Anm. d. Red.). So strebt er also einen erneuten Volksentscheid an, nach dem Motto: „Berliner, habt ihr das wirklich so gemeint?“
Die Historie hat der Stadt ein ganz besonderes Geschenk gemacht, ein Naherholungsgebiet mit einzigartigem Charakter. Die wenigsten Bürger und Bürgerinnen haben kurze Wege in den Grunewald, an den Schlachtensee, sie leben inmitten eng bebauter Bezirke, in Nachbarschaft zum Tempelhofer Feld.
Berlin benötigt Wohnraum, sozialverträglich vor allem, unbedingt, aber wo? Jede Wette, die Berliner Verwaltung hat nicht einmal Basisinformationen über Brachflächen, Missbrauch von Wohnraumnutzung, spekulativen bis kriminellen Leerstand, Airbnb statt Wohnraum, jahrelangen Leerstand, Verfall von kostbarem Baubestand, überflüssige Bürogebäude.
Ihr Berliner Regierenden, schaut auf diese Stadt und erkennt, a) dass ihr solche Reserven nicht ungenutzt lassen dürft, und b) dass niemand die Absicht hat, einer Randbebauung zuzustimmen.
Olaf Birkner, Berlin
Kein Präzedenzfall, bitte
Wer den Rand bebaut, öffnet die Tür für weitere Eingriffe. Einmal aufgeweicht, wird das Gesetz zum Freifahrtschein, bis irgendwann das gesamte Feld zur Disposition steht. Das wäre ein unumkehrbarer Verlust für Berlin. Schauen Sie sich das Feld an, eine klimatisch und demokratisch wertvolle Fläche, und sprechen Sie mit den bis zu 90 000 Besucherinnen und Besuchern am Tag, genießen Sie Trubel oder Stille. Erfreuen Sie sich, dass für diesen Ort so hart gekämpft wird, damit Sie in einer Stadt wie Berlin atmen können.
Anita Möller, Berlin
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