AtomkraftKeine strahlende Zukunft

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Auch Minireaktoren machen atomaren Restmüll, für den es in Deutschland noch keine Endlagerstätte gibt.
Auch Minireaktoren machen atomaren Restmüll, für den es in Deutschland noch keine Endlagerstätte gibt. Guido Kirchner/dpa

Markus Söder bringt Minireaktoren ins Gespräch, Ursula von der Leyen sieht das Atomenergie-Aus als strategischen Fehler. Was SZ-Leser von der Abkehr von der Atomkraft halten.

„Die Rechnung geht nicht auf“ vom 8. April, „Söder bringt Bayern für Mini-AKW ins Spiel“ vom 15. März, „Auf zum Atom“ vom 14. März, „Warum von der Leyen falsch liegt“ vom 11. März, „Von der Leyen sieht Abkehr von Atomkraft als strategischen Fehler“ vom 10. März:

Viel zu teuer

Wie viele Windgeneratoren, vor allem aber Speicher gegen die Angst vor Dunkelflaute, ließen sich mit 100 Milliarden Euro verwirklichen? In Großbritannien garantiert der Staat die hohen Preise für Atomstrom. Alte Reaktoren sind anfälliger, daher wären höhere Sicherheitsstandards erforderlich. In Deutschland wird es wohl erst in 50 Jahren ein Endlager geben, sodass die 16 Zwischenlager fortbestehen und in der jetzigen Weltlage besonders gesichert werden müssen. Der Entsorgungsfonds in Höhe von 24 Milliarden Euro dürfte nicht ausreichen, und neuartige Minireaktoren (SMR) sind im Entsorgungskonzept nicht eingeplant.

Rolf Sintram, Lübeck

Zielscheibe: Atomkraftwerk

Derzeit erleben wir immer wieder das Aufflammen einer Diskussion zur Förderung der Atomenergie. Jüngst etwa die beschönigende Debatte um die Minireaktoren (SMR). Diese unterscheiden sich von den heutigen Atomkraftwerken außer ihrer Größe kaum. Sie sind auf russisches Uran angewiesen und produzieren radioaktive Abfälle. Von den Kosten ganz zu schweigen. Außerdem sind sie Zukunftsmusik, da sie auf dem Markt noch gar nicht angeboten werden. Diese Diskussion wird in regelmäßigen Abständen von den C-Parteien entfacht, welche auf Großtechnologien wie Gas und Atomstrom setzen, um die Konzerne zu bedienen. Diese Parteien sind auch dafür verantwortlich, dass es kein Programm zur Endlagerung von Atommüll gibt, beziehungsweise haben sie ein solches verzögert.

Nun haben wir gehört, dass die Kriegsparteien USA und Israel das iranische Atomkraftwerk Buschehr angegriffen haben. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat sich besorgt darüber geäußert und spricht von einer „sehr realen Bedrohung“. Auch die Atomanlagen in Natans, Fordo (nahe Ghom) und Isfahan haben die Aggressoren bombardiert.

Auch aus dem Ukrainekrieg kennen wir Einsätze mit dem Ziel, Atomanlagen zu zerstören oder stillzulegen. So besetzten russische Truppen das Kraftwerksgelände in Tschernobyl oder beschossen das größte Atomkraftwerk Europas: Saporischschja. Seit 2022 halten es die Russen besetzt. Wie wir sehen, sind Atomreaktoren und andere nukleare Einrichtungen bevorzugte Ziele der Militärs in Kriegen. Das ist aber unserer Regierung Wurst. Gewinn geht vor Zivilschutz.

Die Energiewende und die Nutzung von Solarenergie macht uns von Energieimporten unabhängig und sichert die Versorgung der Bevölkerung auch im Krisenfall. Unverständlich, dass die Bundesregierung die Energiewende gestoppt hat beziehungsweise zurückfährt. Das Thema hat wirklich auch eine große soziale Komponente. Ein Wunder, dass dies die SPD noch nicht begriffen hat.

Conrad Fink, Freiberg am Neckar

Atomkraft? Nein danke!

Atomenergie ist keine Lösung – sie ist das Problem: Eine Sackgassentechnologie wie Öl, Gas und Kohle, verpackt in nostalgischer Technikromantik. Wer heute Atomkraft fordert, will nichts anderes als höhere Strompreise, mehr Risiken, knebelnde Abhängigkeiten und wachsende Steuerschulden. Das ist keine Energiepolitik, das ist Realitätsverweigerung mit Ansage.

Der Rückbau eines Reaktors? Milliardenfressend. Die Endlagerung? Ein ungelöster Jahrtausend-Albtraum, den wir unseren Enkeln aufbürden. Und die Haftung bei einem Unfall? Kein Versicherer weit und breit – also zahlt der Staat, also wir! Und der lebensentscheidende Unterschied zwischen der Wirkung einer Bombe auf ein Kernkraftwerk oder auf ein Windrad? Klarer geht’s nicht!

Die Kosten sprechen Bände: Solar- und Windstrom kosten 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh), Atomstrom 15 bis 20 Cent – und das nur, weil wir die wahren Kosten sozialisieren: Die große Rechnung kommt später.

Während Wind- und Solaranlagen in Monaten starten, braucht ein Atomkraftwerk (AKW) Jahrzehnte. Bis der erste Reaktor läuft, hat sich die Energiewelt längst weitergedreht. Die Kosten für den Ausbau der Kernenergie explodieren, die für regenerative Energiegewinnung sinken weiter!

Die Zukunft heißt: dezentral, erneuerbar, bezahlbar, sicher. Atomkraft? Ein teures, riskantes Versprechen aus der Vergangenheit. Nein danke!

Horst Crome, Bremen

Abhängig von Russland

Vielleicht bringt ja einmal jemand Licht ins Dunkle über ein strahlendes Thema. In der Süddeutschen Zeitung vom Samstag steht, dass laut Greenpeace Frankreich bei angereichertem Uran „zu 100 Prozent von Russland abhängig“ sei. Heute liest man in der Celleschen Zeitung, einem Produkt des Redaktions-Netzwerks Deutschland, dass Frankreich rund ein Viertel seines Urans aus Russland beziehe. Unabhängig von der Frage, was denn nun stimmt, ist die Abhängigkeit von Russland beim Betrieb von Kernkraftwerken ein Thema, dem wenig Beachtung geschenkt wird.

Karin Dröse, Celle

Die Atom-Aussteiger

Die Autorin schreibt in „Kleine Meiler? Wie reaktionär!“ (12. März), den Atomausstieg habe die Merkel-Regierung nach Fukushima beschlossen. Das ist richtig und falsch zugleich. Den Atomausstieg hat Rot-Grün unter Schröder und Fischer schon Jahre vorher beschlossen. Die Regierung Merkel hat diesen Beschluss dann kassiert und ist erst mit dem Unglück von Fukushima eines Besseren belehrt worden. Angela Merkel als Mutter des Atomausstiegs zu heroisieren, ist also nicht ganz richtig. Der hat auch Väter mit älteren Rechten: Rot-Grüne.

Adolf Claussen, Bremen

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