Antisemitismus-DebatteMehr Mut zur Meinungsfreiheit

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Ärger hat sie wegen eines Auftritts einer propalästinensischen Filmemacherin: die Kunstakademie Düsseldorf.
Ärger hat sie wegen eines Auftritts einer propalästinensischen Filmemacherin: die Kunstakademie Düsseldorf. Oliver Berg/dpa

Nach einem Eklat an der Kunstakademie Düsseldorf fordern Leser mehr Meinungstoleranz und mehr Gehör für propalästinensische Stimmen.

„Na dann, gute Nacht“ vom 30. Januar:

Illiberal und undemokratisch

Die Unruhe rund um das von Studierenden der Kunstakademie Düsseldorf organisierte Event mit der Künstlerin Basma al-Sharif muss im Kontext der systematischen Unterdrückung palästinensischer Stimmen gesehen werden, die seit nun mehreren Jahren, insbesondere jedoch seit Oktober 2023, zu beobachten ist. Basma al-Sharif reiht sich damit in eine lange Liste palästinensischer Künstler:innen und Akademiker:innen ein, denen die „Erlaubnis zur Darstellung“ („Permission to Narrate“, Edward Said) verwehrt wird oder nur unter ganz bestimmten Vorgaben gestattet ist – Vorgaben, die diese Darstellung bis zur Unkenntlichkeit verändern.

Der massive politische Druck, der vor und nach dem Event auf Rektorin Donatella Fioretti ausgeübt wurde und wird, ist mit der Wissenschafts- und Kunstfreiheit, wie sie ansonsten gerne zelebriert wird, vollkommen unvereinbar und stellt ein weiteres Merkmal eines illiberalen Staatsverständnisses dar, das Israels Völkermord an den Palästinenser:innen in Gaza, sowie die deutsche Rolle darin, sichtbar gemacht haben. Es ist nicht zu viel verlangt, dass auch Politiker:innen sich an rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien halten.

Michael Barenboim, Berlin

Guten Morgen, Demokratie!

Es ist human und verständlich, für Palästina einzutreten, sich für gute Lebensbedingungen dort zu engagieren. Aber es darf nicht in Hysterie und Hass gegen Israel ausarten. Die von Basma al-Sharif in Abrede gestellte Existenzberechtigung Israels ist eine Existenzbedrohung, die man als Morddrohung lesen kann, als altbiblische Rache an dem irrig behaupteten „Genozid“. Das wäre blöder, oberflächlicher Rassismus, dem Oled Horowitz (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf; Anm. d. Red.) mit Recht entgegentritt nach dem bewährten Jesuiten-Rezept principiis obsta, wehre den Anfängen. Allerdings ist es zum „Kofferpacken“ in einer der am besten funktionierenden Demokratien der Welt zu früh. Zumal die kritisierte al-Sharif selbst ihre „Teenager-artige Wut“ bedenken will.

Die Suppe wird heißer gekocht, als sie gegessen wird. Ergo sind die weinerlichen Übertreibungen kein Grund zum Rücktritt der Rektorin; sie hat klug und Demokratie-konform auf Voltaire verwiesen: „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.“ Dafür hat Donatella Fioretti Respekt verdient. Das Ganze ist ein Demokratie-würdiger Streit, denn man darf nicht vergessen: audiatur et altera pars, auch die Gegenseite möge gehört werden.

Dr. Dietrich W. Schmidt, Stuttgart

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