"Diesen Ring hat mir meine Lieblingstante geschenkt. Zwei Wochen, bevor ich meine Heimat Israel verlassen musste. Ich habe ihn an meinen linken Ringfinger gesteckt und seitdem nie wieder abgenommen. Wenn ich mich beruhigen muss, schaue ich ihn an, drehe daran herum und erinnere mich an unbeschwerte Tage mit meiner Tante. Meine Familie und ich kommen aus Israel, gehören dort aber der arabischen Minderheit an. Letztes Jahr mussten wir das Land so schnell wie möglich verlassen, weil wir in großer Gefahr waren. Den Grund kann ich leider nicht sagen, aus Sicherheitsgründen. Ich hätte zu viel Angst, dass dann etwas Schlimmes passiert. Aus Israel wegzugehen war gleichzeitig schlimm und erleichternd. Einerseits waren wir froh, der Gefahr entkommen zu sein. Andererseits mussten wir viele Freunde und Verwandte zurücklassen. Meine jüngeren Geschwister hat das fertig gemacht, sie haben ständig nach ihrer Großmutter gefragt. Ich habe versucht, sie so gut es geht zu trösten. Zuerst sind wir in die Türkei geflohen. Es war eine schwierige Reise dorthin, vor allem wegen des psychischen Drucks, ob alles klappen wird. Von dort sind wir weiter nach Deutschland. Hier fühle ich mich wieder sicher. Das ist ein schönes Gefühl, aber das Ankommen ist schwierig. Ich kann noch kein Deutsch und darf noch nicht in die Schule gehen. Die haben gerade alle keinen Platz für mich. Aber das wird schon. Irgendwie bin ich durch die Flucht erwachsener geworden. Ich habe gelernt, dass ich mich auf mich selbst verlassen und Probleme allein lösen kann. Ich bin ein Mädchen, das nie aufgibt."
KriegMitgenommen
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Wer flüchtet, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie retten konnten. Diesmal: Ayal, 16, aus Naharija in Israel. Sie lebt seit acht Monaten in Deutschland.
Protokoll von Leonie Georg