"Den Rochen und das Einhorn habe ich vor vier Jahren in unserem Familienurlaub in der Türkei geschenkt bekommen. Seitdem schlafen sie jede Nacht neben mir. Als wir aus der Ukraine geflohen sind, war klar, dass sie mitmüssen. Leider konnte ich nicht alles mitnehmen. Meinen Kater Maffin zum Beispiel musste ich dalassen. Er ist kein Kuscheltier, sondern echt. Ich vermisse ihn sehr. Wir mussten fliehen, weil russische Soldaten unserer Stadt Saporischschja sehr nahe gekommen sind. Sie haben ein Atomkraftwerk bei uns in der Nähe besetzt. Wir hatten Angst, dass sie eine Explosion auslösen könnten und eine Katastrophe passiert. Deshalb sind wir drei Tage nach Kriegsbeginn mit dem Zug nach Polen gefahren. An der polnischen Grenze mussten wir sehr lange stehen und warten. Rundherum waren nur Felder und der Wind war eisig, es war sehr kalt. Meine Mutter hatte Angst, dass ich krank werde. Aber ich habe die ganze Zeit mit meinen Kuscheltieren gespielt und so die Kälte vergessen. Als wir von Polen nach Deutschland gegangen sind, hat mir eine deutsche Frau am Münchner Hauptbahnhof den Hasen geschenkt. Er schläft nun auch immer bei mir im Bett. Deutschland mag ich sehr. Wir wurden von unserer deutschen Gastfamilie super aufgenommen, dafür bin ich dankbar."
KriegMitgenommen

Wer flüchtet, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie retten konnten. Diesmal: Mark, 10, aus Saporischschja in der Ukraine. Er lebt seit zwölf Monaten in Landshut.
Protokoll von Leonie Georg