"Plötzlich war Krieg, ich wusste nicht, was das bedeutet. Meine Heimatstadt am Dnjepr wurde gleich am Anfang russisch besetzt. Dann musste alles sehr schnell gehen. Schnell packen, schnell weg. Ich überlegte, wie lange wir wegbleiben würden. Ich konnte mir das nicht vorstellen: Was sollte ich einpacken? Kleidung für Winter und Sommer? Dann habe ich überlegt, dass Handys und Ladegeräte superwichtig sind. Damit ich den Kontakt halten kann. Heute sind meine Erinnerungen und die Fotos, die ich auf meinem Handy habe, am allerwichtigsten für mich. Die brauchen nicht viel Platz. Aber weil ich meine Fotos habe, werde ich mich immer an meine Heimat erinnern. Am 6. Juni 2023 wurde der Staudamm des Kachowkaer Dnjeprstausees gesprengt und die Stadt überflutet. Vieles ist zerstört. Unser Haus nicht. Trotzdem kann keiner rein. Die russischen Soldaten haben es vermint. Jetzt sehe ich jeden Tag meine Fotos und Videos von Nowa Kachowka an - und erinnere mich an die Zeit, als es keinen Krieg gab und alles noch schön war."
KriegMitgenommen

Wer flieht, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie retten konnten. Diesmal: Andrii, 17, aus Nowa Kachowka in der Urkaine, seit anderthalb Jahren in Tübingen.
Protokoll von Marianne Mösle