"In Krementschuk haben wir im Luftschutzbunker gesessen und die Sirenen und Bomben gehört. Alles war stressig, wir hatten Angst. Am 4. März konnten wir nicht mehr: Meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester und ich wollten weg. Nur mein Vater, er ist Manager bei einer Firma, musste bleiben. Gott sei Dank nicht beim Militär, er muss nicht mit Waffen kämpfen. Ich habe meinen Laptop mitgenommen, Kleidung, etwas zu essen und den Geldbeutel, den mir mein Vater geschenkt hat. Alles musste sehr schnell gehen. Ich hatte keine Ahnung, was passieren würde. Wir sind zwei Tage lang gefahren, viele Stunden, insgesamt 2250 Kilometer. Stundenlang standen wir im Stau, alle wollten weg. Dann hatte unser Auto in Rumänien auch noch eine Panne, aber ein nettes rumänisches Paar hat uns geholfen. Jetzt bin ich seit anderthalb Jahren in Deutschland. Es geht mir gut, aber ich vermisse meinen Vater. Ich habe ihn so lange nicht gesehen. Seinen Geldbeutel habe ich jeden Tag bei mir, mit und ohne Geld - das tröstet mich. Ich wünschte, ich hätte auch den Ring von meiner Freundin bei mir. Den habe ich leider nicht mitgenommen. Vielleicht vergessen, es ging alles zu schnell."
KriegMitgenommen

Wer flieht, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie retten konnten. Diesmal: Maksym, 17, aus Krementschuk in der Ukraine, seit eineinhalb Jahren in Tübingen.
Protokoll von Marianne Mösle