Koran Der friedliche Islam

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

forum@sueddeutsche.de

Was spricht gegen den Vorschlag von Nicolas Sarkozy, den Koran durch einige Streichungen zu reformieren, fragt sich ein Leser.

"Es begann in Damaskus" vom 12./13. Mai:

Die Aussage des Historikers Peter Wien, die Lebenswirklichkeit Mohammeds habe Einfluss auf den Inhalt des Korans gehabt, ist zutreffend, aber nicht neu. Islamwissenschaftler wie Abdel-Hakim Ourghi (SZ vom 19. Januar 2015) oder Hamed Abdel-Samad (Mohammed) zeigen jedoch auch, dass die historischen Wurzeln islamistischer Gewalt bereits in der Entstehungsgeschichte des Islam zu lokalisieren sind.

Abgesehen von ihrer Entstehung: Entscheidend ist, dass die problematischen Suren aus der Medina-Zeit die Beziehungen vieler Muslime zum Dschihad, zu den Juden, den Frauen, Homosexuellen, Kritikern und Andersgläubigen bis heute bestimmen. Da der Koran nach muslimischem Verständnis Gottes letztes direktes Wort ist, werden Suren allzu häufig nicht im historischen Kontext, sondern als Blaupause für das Leben verstanden. Der islamistische Terror zeigt das. Darf daran erinnert werden, dass es nicht religiösverwirrte IS-Prediger waren, sondern die Islamische Republik Iran, die gegen Salman Rushdie eine mit Kopfgeld verbundene Fatwa ausgesprochen und mehrfach erneuert hat?

Wenn Grundschüler in Berlin jüdische Mitschüler als "Nichts" beschimpfen - das soll einen politischen Grund haben? Sure 8 des Korans bezeichnet Juden "schlimmer als die Tiere". Mit Politik hat das nichts zu tun. Mit dem religiös gefärbten Weltbild der Eltern schon.

Neben der angeführten könnten andere Textstellen angeführt werden, um Teile des Korans für den heutigen Antisemitismus mitverantwortlich zu machen. Was spricht also gegen den Vorschlag Sarkozys, den Koran durch Streichungen zu reformieren? Ein friedlicher Islam ist möglich, wie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin zeigt.

Der Hinweis Wiens, der Korantext müsse durch Gelehrte interpretiert werden, nicht der Text zähle, ist doch etwas aus der Zeit gefallen. Lesen können heute fast alle selbst. Und wenn drei Gelehrte vier Meinungen haben, gilt das erst recht für den Islam. Den Kolonialismus der Europäer für den Antisemitismus islamischer Länder verantwortlich zu machen entspricht zwar modernem hypertrophem Moralismus. Warum gibt es aber dann in Vietnam trotz Kolonialismus weder Antisemitismus noch Glaubenskriege? Nein, für eigenes Handeln ist jeder selbst verantwortlich.

Dr. Hans-Joachim Meissner, Hamburg