KlimaschutzWachsender Protest

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(Foto: Mattia Massa/trattieritratti - stock.adobe.com)

Globaler Klimastreik hier, blockierte Straßen dort. Doch zwischen "Fridays for Future" und "Letzter Generation" gibt es viel kreativen Protest: Neun Beispiele.

Von Nina Himmer

Gemüsebeet im Golfplatz

Golfplätze sind für viele ein Sinnbild der Verschwendung. In Berlin zum Beispiel schlucken die drei größten Golfplätze pro Jahr rund 270000 Kubikmeter Wasser - so viel verbrauchen 6500 Berliner pro Jahr zusammen. Bei großer Hitze und in südlicheren Ländern ist das Problem noch größer. Im französischen Toulouse haben Aktivistinnen und Aktivisten während einer Dürre aus Protest Zement in die Löcher von zwei Golfplätzen gefüllt. In Spanien pflanzten sie Gemüse. Dort werden 437 Golfplätze täglich bewässert. Das verbraucht mehr Wasser als die Bewohner von Madrid und Barcelona zusammen.

Schilder für den Minister

Seit Jahren sträuben sich deutsche Regierungen gegen ein Tempolimit auf der Autobahn. Ein besonders bizarres Argument dafür ist Verkehrsminister Volker Wissing von der FDP eingefallen: Es gäbe ja gar nicht genug Schilder dafür! Der Deutsche Naturschutzbund rief daraufhin im Internet dazu auf, Verkehrsschilder mit Tempo 100 zu malen, in den sozialen Medien zu posten und den Account des Ministers darauf zu verlinken. Die "Letzte Generation" bastelte mit Pappe und Farbe - und lud 500 Schilder als Spende vor dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr ab: bitte schön!

Sound of change

Als Antonio Vivaldi 1725 "Die vier Jahreszeiten" komponierte, ahnte er noch nichts vom Klimawandel. Fast 300 Jahre später ist alles komplizierter: Manche Frühlingstage fühlen sich nach Hochsommer an, von Schnee kann man im Winter vielerorts nur noch träumen und im Sommer wechseln sich Fluten und Dürren ab. Ein Musikprojekt aus Sydney hat das berühmte Stück deshalb umgeschrieben und mit aktuellen Wetterdaten verknüpft. Wie klingt das Wetter 2050? Die Vögel in Vivaldis Frühlingsstück sind verstummt, die Stürme im Winter donnern auf die Ohren. Alles klingt weniger harmonisch, düsterer, wie wütendes Wetter eben. So wird der Klimawandel hör- und spürbar - auch für Menschen, die lieber in Konzertsäle statt auf Demos gehen.

Namen sagen mehr als Worte

Der Schauspieler Rainn Wilson änderte seinen Namen in Rainnfall Heat Wave Extreme Winter Wilson. Puh! Übersetzt heißt das so viel wie Regenfall Hitzewelle Extrem Winter Wilson. Komischer Name? Stimmt. Das Augenstolpern ist Absicht. Dahinter steckt die Idee, dass möglichst viele Menschen in den sozialen Medien ihre Namen ändern, um Aufmerksamkeit für den Klimawandel zu schaffen. Mit dem Namensgenerator der Umweltorganisation Arctic Basecamp kann sich jeder einen Klimawandel-Namen besorgen: arcticrisk.org/name-generator Noch besser: selbst was überlegen. Polkappenschmelz-Lisa, Flutkatastrophen-Finn oder Ernteausfall-Leander vielleicht? Passtauglich sind solche Namen natürlich nicht...

Protest mit Salto

Parkour ist für spektakuläre Stunts in der Stadt bekannt: Die Sportler springen über Hausdächer, Treppen und Mauern, als ob es keine Schwerkraft gäbe. In Paris haben sie ihre Akrobatik mit dem Kampf gegen Lichtverschmutzung und Energieverschwendung verknüpft. Eigentlich müssen Läden dort zwischen ein und sechs Uhr nachts Lichtreklame ausschalten - aber viele halten sich nicht daran. Deshalb ziehen die Klimasportler nachts los, klettern und hüpfen Fassaden hoch und knipsen die Beleuchtung von Schildern und Schaufenstern aus. Dafür gibt es Kästchen mit Notschaltern, an die man aber erst mal rankommen muss. So wollen die Jugendlichen Energie sparen - und die Schwerkraft austricksen natürlich.

Buchstabenklau

Auf einmal fehlte das "C" im Schriftzug der Parteizentrale der CDU in Berlin. Und unter dem verbliebenen DU prangte die Aufforderung:...sollst das Klima schützen! Wie ein elftes Gebot. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte das C geklaut. Das stehe schließlich für "Christlich" - aber wie wichtig ist es dieser Partei wirklich, Gottes Schöpfung zu schützen?

Tanzen für mehr Licht

Die britische Band Coldplay ist für ihre vielen Hits bekannt - und für ihre nachhaltigen Tourneen. Pro verkauftem Ticket pflanzen sie einen Baum und die Besucher tanzen auf ihren Konzerten auf kinetischen Böden und erzeugen durch Hüpfen Ökostrom fürs Konzert. Auf dem Boden werden dafür sensible Platten verlegt. Sobald sie etwa fünf Millimeter tief eingedrückt werden, entsteht Energie. Das Coole: Dieses Konzept wäre auch für andere Bereiche interessant - etwas für Fitnessstudios oder Kinderspielplätze.

Radeln auf der Rollbahn

Etwa 500 Umweltaktivisten haben auf dem Schiphol-Flughafen in Amsterdam verhindert, dass Privatjets starten konnten - indem sie im Kreis um die Flieger herumrannten oder radelten. Warum? Ein Flug mit einem Jumbojet von London nach New York pustet etwa 200 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Verteilt auf 349 Passagiere ergibt das 572 Kilogramm CO2 pro Person. Fliegt jemand dieselbe Strecke mit dem Privatjet, verursacht man satte 25056 Kilogramm alleine.

Earth Hour

Manchmal ist Dunkelheit ein leuchtendes Zeichen: Am 25. März 2023 um 20.30 Uhr schalteten Menschen auf der ganzen Welt für eine Stunde das Licht aus. Auch viele Städte machten mit, 575 allein in Deutschland. Sie knipsten die Beleuchtung ihrer Sehenswürdigkeiten aus, vom Kolosseum in Rom bis zur Story Bridge in Brisbane. Die Naturschutzorganisation WWF steckt hinter dieser als Earth Hour bekannten Aktion. Sie soll zeigen, dass viele Menschen sich mehr Klimaschutz wünschen, etwa durch den Ausbau von erneuerbaren Energien.

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