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Katholische Kirche I:Nun wollen Frauen Reformen in der Kirche bewirken

Trotz aller Vorwürfe bewegt sich die katholische Kirche bislang kaum. Die Hoffnung einiger SZ-Leser ruht nun auf den Frauen, die mit der Aktion "Maria 2.0" gegen sexuellen Missbrauch demonstrieren.

Zu " Aufstand der Frauen", " Notwendige Irritation" vom 13. Mai und " Widerstand in Weiß" vom 11./12. Mai:

Argumente fürs Austreten

Warum eigentlich katholisch sein? Ich bin verheiratet, arbeite irgendwo, bin (zufällig) evangelisch und in etlichen Institutionen Mitglied, und das - grundsätzlich - freiwillig! Daher kann ich auch von allem - grundsätzlich - zurücktreten. Und so ist es auch mit den Katholiken (die es ja auch meistens von Elternhand automatisch geworden sind): Sobald man einen gewissen Bildungsstand erreicht hat und den Absurdismus dieser "Sekte" erkannt hat, kann man doch einfach austreten!

Nachfolgend nur vier wichtige Fakten zu dieser Entscheidungsfindung. Erstens: Die Behandlung der Frauen (Missbrauch und Bekämpfung der Gleichberechtigung) ist ein Verbrechen! Zweitens: Die Gräuel und Verbrechen an Abertausenden Menschen seit Beginn des Christentums sind weitgehend ungesühnt! Drittens: Der Grundsatz Staatsrecht geht vor Kirchenrecht wird seit jeher missachtet! Und viertens: Es ist unfassbar, dass diese Organisation durch Einzug von Steuern durch den Staat am Leben erhalten wird!

Roland Biehl, Schwollen

Macht der Kirche aufbrechen

Endlich! Noch ist diese Frauenbewegung ein kleines Pflänzchen, aber der katholische Klerus ist bestimmt schon jetzt in heller Aufregung und rennt aufgeregt und ziellos durch seine Paläste! Auch wenn der päpstliche Pressesprecher zur Langsamkeit mahnt! Endlich entsteht eine Kraft, die die Macht der Kirche und ihr Verhalten aufbricht und in vielen Bestimmungen die Kirche infrage stellt. Dank an die mutigen Frauen! Es wurde und wird Zeit!

Hans Eckhard Lentz, Erftstadt

Das Priesterinnenamt erstreiten

Es ist schon wieder seltsam still geworden nach dem Protest, und ich fürchte, dass auch "Maria 2.0" nach den paar üblichen Stellungnahmen von geistlichen Würdenträgern in der Versenkung verschwinden wird. Ich bin eine Frau von 71 Jahren, römisch-katholisch und juristischer Laie. Wenn ich allerdings jung wäre und ein finanzielles Polster hätte, würde ich mit allen Mitteln versuchen, zum Priesterberuf zugelassen zu werden. Ich würde mich um die Aufnahme in einem Priesterseminar bemühen mit dem Ziel, den Priesterberuf zu

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ergreifen. Das Priesterseminar München spricht übrigens explizit vom Priesterberuf, nicht nur vom Weiheamt (wobei die Frage erlaubt sein darf, weshalb eine Frau nicht geweiht werden kann). Natürlich würde ich abgelehnt werden, denn beim Erzbistum Köln heißt es zum Beispiel: "Grundsätzlich kann jeder zum Priester geweiht werden, der männlich, katholisch und unverheiratet ist." Da frage ich mich nun, wie dieser Sachverhalt mit Artikel 3 unseres Grundgesetzes vereinbar ist: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes ... benachteiligt ... werden". Es steht auch nichts darin (soweit ich es weiß), dass man für manche Berufe unverheiratet sein müsse.

Steht die katholische Kirche etwa außerhalb unserer Gesetzesordnung? Ist sie nicht eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und sollte daher grundgesetzloyal sein? Wenn es zum Beispiel um den Islam geht, hat der Staat darauf zu achten, dass es neben unseren Gesetzen keine weitere juristische Ordnung (Scharia) geben darf. Das Ganze ist umso verwunderlicher, als wir in Deutschland enge Beziehungen zwischen Staat und Kirche(n) haben, wie man etwa am Einzug der Kirchensteuer oder der Bezahlung der Bischöfe durch die Länder sieht. Es ist mir durchaus bewusst, dass es gerade zu diesem Thema historisch begründete Verträge gibt - aber sollte der Staat dann nicht zumindest auf dem Gleichheitsgebot des Grundgesetzes bestehen können?

Wenn ich also jünger wäre, würde ich den Klageweg beschreiten, denn das Recht ist eine wirksameres Mittel als die weißen Tücher vor den Kirchen oder die Streiks der Frauen, die sicher nur ein müdes Lächeln bei so manchem Kirchenoberen hervorgerufen haben. Wohlgemerkt, ich habe gar nichts gegen die Herren Priester - wir haben hier am Ort den besten Herrn Pfarrer, den man sich vorstellen kann. Aber es ist meines Erachtens ein Unding, dass man unser Grundgesetz in den Punkten Frauenordination und Zwangszölibat umgeht.

Renate von Törne, Waldsassen

Es gibt viele gute Prediger

Bitte erlauben Sie mir die Bemerkung, dass diese angeblich "katholischen" Damen der Initiative Maria 2.0 keinesfalls die Mehrheit gläubiger katholischer Frauen vertreten, sondern nicht nur auf mich, sondern auf viele andere Katholikinnen abschreckend, machtgierig und sensationsheischend wirken. Gott bewahre uns bitte vor solchen Frauen mit ihrem egozentrierten Reformanspruch in der Kirche!

Kirchenstreik ´Maria 2.0"

Mund zugeklebt: Symbol des Frauenprotests in der katholischen Kirche.

(Foto: dpa)

Ich bin, als Österreicherin, nach dem Krieg katholisch getauft worden, und hatte nach Abitur und Studium beruflich das Glück, die ganze Welt bereisen und kennenlernen zu dürfen. Wo immer in der Welt ich war, auch bei Recherchen als Journalistin und Autorin, unter anderem auch für Bücher zum Thema Christliche Mystik, habe ich nur bewundernswerte, charakterlich integre Priester und Ordensleute kennenlernen dürfen, hilfreich, gebildet, bescheiden, oft auch in leitenden Positionen, die so gar nicht dem "Grauen" und "Machtanspruch" entsprachen, die Lisa Kötter in ihrem Priesterbild pauschal anprangert.

Macht, Missbrauch und Gewalt gibt es zwar überall in der Welt und in allen Berufen, und dies ist keineswegs zu entschuldigen. Aber gerade in der katholischen Kirche gibt es viel, viel mehr Priester, die das Gegenteil sind: nämlich Heilige und Märtyrer, ein Licht in der Welt und das Salz der Erde, gerade auch in Ländern, in denen die Christen heute wegen ihres Glaubens massenhaft verfolgt und ermordet werden. Dafür sollten diese Münsteraner Frauengruppen auf die Straße gehen! In ihrer Hybris unter dem Namen Maria 2.0 zum Kirchenstreik aufzurufen schadet nicht nur den Frauen selbst, sondern der ganzen Kirche und verletzt die Menschen, welche - trotz aller Sünder - die Frohe Botschaft von Herzen lieben und leben, und nicht so verunglimpft dargestellt sehen wollen.

Ingrid Malzahn, Königstein/Taunus