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Katholische Kirche:Frauen und Änderungen unerwünscht

Nachdem Papst Franziskus erklärte, der Zölibat werde nicht gelockert und der Kölner Erzbischof Woelki verteidigte, warum Frauen nicht zu Priestern geweiht werden, ist für viele SZ-Leser das Maß voll. Ein Schreiber ruft zum Boykott der Vorgaben aus Rom auf. Ein Paar wünscht sich einen zweiten Luther für Reformen.

Zu "Wir sollen keine Moralagentur sein", Interview mit Kardinal Woelki vom 17. Februar sowie zu "Dokument der Angst" vom 13. Februar und zur politischen Wochenschau "Katholische Kirche? Es reicht!", ab 16. Februar auf SZ.de.

Trügerische Hoffnung

Kurz hatte ich die leise Hoffnung, es werde sich doch noch etwas bewegen. Sie trog. So wird die katholische Titanic sinken. Zölibatär und unter männlicher Dominanz. Trostlos.

Susanne Nakajima, Rosenberg

Große Botschaft wird überlagert

Das nachsynodale Schreiben des Papstes ist jetzt sehr in der Kritik, weil der Papst darin nicht vom Zölibat abrückt. Diese berechtigte Kritik steht aber in keinem Verhältnis zu der ansonsten großartigen politischen Botschaft des Schreibens. Der Papst analysiert die Situation in der Amazonas-Region sehr treffend und verbindet dies mit seiner generell antikapitalistischen Haltung ("Wirtschaftsbeziehungen, die töten"). Es enthält aber auch ein klares Plädoyer gegen die kulturelle Unterdrückung der Indios und eine Würdigung ihrer Kultur. Dazu kommen wunderbare poetische Stellen, die im Original wahrscheinlich noch schöner klingen als in der deutschen Übersetzung. Wenn man diesen Text in seiner Gesamtheit liest, wird einem klar, wie klein und eigentlich langweilig das Problem des Zölibats im Vergleich zu den wirklichen Problemen dieses Planeten ist. Gleichwohl ist es bedauerlich, dass durch die Unbeweglichkeit in dieser Frage die eigentliche Botschaft in der Berichterstattung überlagert wurde. Aber wenn der Papst in dem Schreiben das Zölibat freigegeben hätte, wäre dies erst recht so; die Sensation dieses Schrittes hätte die unbequeme politische Botschaft erst recht überlagert.

Jonas Christopher Höpken, Oldenburg

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Konsequenzen ziehen

Es ist zu hoffen, dass alle Frauen, die noch Mitglied in der katholischen Kirche sind, die genannten Artikel zur Kenntnis nehmen, sich Gedanken machen und Konsequenzen ziehen! Laut Kardinal Woelki ist die Kirche "nicht frei", den "Zugang für Frauen zu Weiheämtern" zuzulassen, aufgrund entsprechender Aussagen zweier Päpste. Großartig! Frauen dürfen zwar etliche Dienste in der Kirche leisten, "aber der eigentliche Hirtendienst ist den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Papst übertragen". Meine Suche in der Bibel ergab: Sämtliche Jünger Jesu waren zwar Männer, aber man bedenke hier die Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Dass Frauen von den genannten Ämtern prinzipiell ausgeschlossen sein sollen, darüber konnte ich nichts finden. Ganz zu Unrecht habe man ihm, Woelki, den Ausschluss von Frauen von leitenden Kirchenämtern als "Abwertung oder gar Beschimpfung ausgelegt". Aber was ist der Grund? Sucht man den Ursprung der immer noch obwaltenden Frauenfeindlichkeit der katholischen Kirche, so wird man in "Hexenhammer" von 1487 mehr als fündig: "Gering ist alle Bosheit gegen die Bosheit des Weibes" und: "Alles geschieht (bei den Frauen) aus fleischlicher Begierde, die bei ihnen unersättlich ist" etc. Eine Institution, die immer noch in einer vergleichbaren Haltung verharrt, verdient es, dass man ihr - als Frau - den Rücken kehrt.

Gisela Plath, Kutzenhausen

Mann muss nur wollen

Ist eigentlich nicht bekannt, dass es in der katholischen Kirche seit langer Zeit die Äbtissinnenweihe gibt, bei der eine Äbtissin, also Klostervorsteherin, mit geistlicher Kompetenz und oft auch zu territorialer Herrschaft bestimmt wurde? Bei der Weihe wurden der Äbtissin Bischofsstab und Bischofskreuz übergeben. (Nein, keine Mitra!) Die Ähnlichkeit zu einer Bischofsweihe ist nicht zu übersehen. Offenbar wurde diese Weihe im Sinn des Evangeliums und der langen kirchlichen Tradition erteilt. Warum kann man denn heute nicht auch anderen Frauen, die Verantwortung in der Kirche haben, eine ähnliche Weihe spenden? Und dann gab es lange Zeit die vier "Niederen Weihen", die leider vor einigen Jahren abgeschafft wurden; schön, wenn man sie wieder einführen würde. Unter anderem wurden Jungen und Männer zu Ministranten, Lektoren etc. geweiht, und weil seit dem Konzil auch Frauen und Mädchen diese Dienste übernehmen können, wären auch die niederen Weihen für Ministrantinnen und Lektorinnen ein gutes Zeichen der Anerkennung ihrer kirchlichen Dienste, auch in der Liturgie. Mein Fazit: Die Weihe von Frauen gibt es schon lange, man muss sie allerdings wollen. Die Weihe von Frauen wäre eine Bereicherung der Kirche von heute und erst recht von morgen und übermorgen.

Ulrich Zurkuhlen, Münster

SZ-Zeichnung: Denis Metz

Habt Mut, Rom zu ignorieren

Das Interview mit Kardinal Rainer Woelki verdeutlicht wieder, mit welch verbohrter Hybris Würdenträger der katholischen Kirche theologisch, moralisch und menschlich unhaltbare Regelungen bis zur letzten und untauglichsten argumentativen Patrone verteidigen wollen. In der von Protestanten ebenfalls benutzten, gleichen Bibel finden sich doch offenbar weder Zölibat noch Priesteramtsverbote für Frauen - und zwar zu Recht: Sollte die Bibel solches verlangen, dann ist sie keine Botschaft der Liebe. Ist sie eine Botschaft der Liebe, dann ordnet sie so etwas nicht an. Die verblüffende Arroganz, mit der Woelki sich unmittelbar im Auftrag Christi urteilen und handeln sieht, dokumentiert statt Glauben und Bibeltreue nur einen erstaunlichen Mangel an Mitmenschlichkeit, Selbstreflexion und Analysefähigkeit. Kann die katholische Kirche nicht mit unsinnigen, unseligen, unmenschlichen Regeln aus ihrer Vergangenheit brechen, hat sie keine Zukunft.

Sollten die deutschen Bischöfe den Mut aufbringen, Rom ganz einfach zu ignorieren und auf eigene Faust den Zölibat in Deutschland abzuschaffen, dann würden sie Unbezahlbares gewinnen (Respekt und Glaubwürdigkeit) und eine unaufhaltsame weltweite Entwicklung auslösen. Ich freue mich auf die erste Erzbischöfin von Köln. Es wird sie geben - falls die katholische Kirche überlebt.

Michael Lohr, Ettringen

Sonderzone ohne Grundrechte

Die katholische Kirche ist meines Erachtens eine grundrechtsfeindliche Sonderzone in unserer Gesellschaft, sie bietet nicht immer Gewähr dafür, für die freiheitliche Grundordnung einzutreten. Dennoch werden die höheren Glaubensfürsten vom Staat stattlich alimentiert, auch von den Steuern der Gottlosen. Es reicht wirklich!

Ralf Feldmann, Bochum

Woelki vertritt eine Minderheit

Kardinal Woelki gehört zur Minderheit der Deutschen Bischofskonferenz, die große Mehrheit der Bischöfe folgt ihm nicht. Wenn er sich jetzt zur Wahl um den Vorsitz als Nachfolger von Kardinal Marx stellen würde, was er wohlweislich vermeidet, würde er scheitern. Aber er meint genau zu wissen, was die katholische Wahrheit, Tradition und Lehre ist. Darum ist er gegen die Weihe von Frauen, gegen Viri probati, gegen Subsidiarität und Synodalität in der Kirche, gegen den Abbau kirchlicher Strukturen und Traditionen, die vom Klerikalismus vergiftet sind etc. Er spielt die Weltkirche gegen die Ortskirchen aus. Damit vertritt er einen "Kamikaze-Kurs", der die katholische Kirche in Deutschland noch mehr schwächen wird.

Ich wünsche mir, dass die Bischöfe einen besseren "moralischen Kompass" im Umgang mit den spirituellen und sexuellen Verbrechen in der Kirche gehabt hätten und den Opfern mit Empathie, Achtung und Solidarität begegnet wären. Viele in der Kirche haben die Maßstäbe einer modernen Gesellschaft schon akzeptiert, leider aber nicht eine reaktionäre Minderheit in der Kirchenleitung. Diese faktische Kirchenspaltung wird von Woelki leider vertieft.

Diplomtheologe Axel Stark, Passau

Ein zweiter Martin Luther nötig

Der Wochenbrief von Herrn Prantl sollte an alle Bischöfe und den Vatikan verschickt werden. Wo ist ein zweiter Martin Luther? In zehn Jahren gibt es keine Priester mehr, oder solche, welche die Gläubigen nicht mögen. Wo ist der Heilige Geist in der Kirche und besonders im Vatikan?

Helga und Horst Droste, Simmerath

© SZ vom 26.02.2020
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