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Katholiken:Die Männerkirche verweigert sich

Mann und Frau sind theoretisch gleich. Dennoch werden Frauen diskriminiert.

Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Männerlastig: In der katholischen Kirche fordern Frauen mehr Rechte ein. Das Bild zeigt Teilnehmer der Deutschen Bischofskonferenz bei einem Gottesdienst im Fuldaer Dom.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Zu "Rassismus-Debatte in der katholischen Kirche" vom 24./25. April:

Überspitzt? Weil verkürzt! Laut Deutschlandfunk hat die Theologin Johanna Rahner Menschen, die nichts an der Diskriminierung von Frauen ändern wollen, als "Rassisten" bezeichnet. Im weiteren Text heißt es deutlicher: Wer an der Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche nichts ändern wolle, sei nichts anderes als ein Rassist. Nichts anderes als ein Rassist, also ein Vergleich. Die SZ präzisiert, mit wem Rahner vergleicht, nämlich mit Weißen, welche die Auseinandersetzung mit Rassenfragen den People of Color überließen und damit die Verantwortung bei den Diskriminierten ablüden. Diesem Vergleich kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Überzogen sind die Reaktionen. Ist die Zensur der Lehre, die Bischof Stefan Oster anstrebt, ein weiterer Versuch, die Macht zu retten, notfalls mit dem Entzug von Kirchensteuermitteln - statt sich ernst zu nehmenden theologischen Anliegen zu stellen?

Burkhard Braach, Reutlingen

Frau Rahner hat meinem Unmut und dem vieler Frauen in der katholischen Kirche eine treffende und prägnante Sprache gegeben. Ich kann Bischof Osters Zensurwünschen, "wenn jemand offensiv Lehren verbreitet, die dem überlieferten Glauben in seinen Fundamenten diametral widersprechen...", nicht folgen und halte sie für eine weitere Autoritäts- und Machtdemonstration, die vom eigentlichen Inhalt ablenkt.

Nicht nur Frauenorganisationen bemühen sich, die diskriminierenden Strukturen aufzubrechen. Mit viel theologischem Sachverstand und religiösem Ernst wurden Resolutionen und Thesen verfasst, die auf taube Ohren stoßen. Ich fürchte, dass der synodale Weg scheitert, wenn nicht endlich das Verhältnis zwischen Autorität und Macht und der Situation der Frauen und Laien in dieser Kirche aufgedeckt und reformiert wird. Sollte es zu dem "Fall Küng" jetzt einen "Fall Rahner" geben, wäre die Spaltung komplett.

Elisabeth Brandt, Eningen unter Achalm

Zu Recht bezeichnet Rahner die Reaktion der Amtskirche bezüglich der Ausgrenzung der Frauen von allen Weiheämtern als "Rassismus". Immer wieder erstickt die katholische Amtskirche an ihren inneren Widersprüchen. Auf der einen Seite betont die Amtskirche immer wieder die gleiche Würde von Frauen und Männern, andererseits verweigert sie ihnen aber die gleichen Rechte. Diese fehlende Logik lässt sich nur erklären mit der androzentrischen Struktur der Amtskirche und der betonkopfartigen Verweigerung dieser Männerkirche, ihre Macht zu teilen, das heißt, den Frauen dieselben Rechte in allen Bereichen - auch in der Weihefrage - zuzugestehen.

Die Frauen müssen nun diesen Kampf einheitlich und solidarisch ausfechten - bis zum bitteren Ende; das heißt, auch bei den Frauen mit der Konsequenz, sich von "ihrer" Kirche loszusagen. Viele Frauen halten an dieser ihrer Kirche noch fest, weil sie noch immer glauben, dass ohne diesen Glauben ihr Seelenheil gefährdet sei. Frauen dürfen sich nicht weiter zu Sklaven einer Männerkirche degradieren lassen. Sie müssen sich endlich offensiv und kompromisslos diesem innerkirchlichen Rassismus entgegenstellen. Sie müssen handeln nach der Devise des Kirchenliedes, das als Refrain lautet: "Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt."

Paul Haverkamp, Lingen

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© SZ vom 19.05.2021
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