US-WahlAmerikas K-Frage

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Der erste gemeinsame Wahlkampfauftritt am 6. August in Philadelphia: Kamala Harris und Tim Walz werden von Anhängern bejubelt.
Der erste gemeinsame Wahlkampfauftritt am 6. August in Philadelphia: Kamala Harris und Tim Walz werden von Anhängern bejubelt. Joe Lamberti/AP

Auch viele SZ-Leser sind angetan von der neuen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten in den Vereinigten Staaten. Aber kann sie gewinnen? Die Einschätzungen gehen auseinander.

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Essay „Fröhlich aus Prinzip“ vom 27. Juli, „‚Ist sie indisch oder schwarz?‘“ vom 2. August, Kommentar „Prinzip Aufbruch“ vom 8. August:

Entsetzt, wie Sie über Harris schreiben

Ich war entsetzt darüber, wie Sie über Kamala Harris schreiben! Vor allem die Frage „Wie viel Laune verträgt die Politik?“ war gegenüber Frauen in der Politik sehr beleidigend und entwürdigend. Früher wurde fleißig über „Muttis Frisur“ berichtet statt über ihre Politik von gestern.

Sie haben wohl keine Ahnung von der Politikerin Kamala Harris, vor allen Dingen davon, wie stark sie daran beteiligt war, die Zustände an der mexikanischen Grenze durch Maßnahmen zu verbessern. Trumps Lüge, dass sie und Biden für die schlechten Zustände an der Grenze zuständig sind, scheint auch in der Süddeutschen angekommen zu sein. Tatsache ist, dass die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind unter Biden. Einfach diffamierend ist, ich zitiere: „Kamala Harris lacht bei all ihren Auftritten, und wenn sie lacht, reißt sie den Mund so weit auf, wie ein Mensch unmöglich den ganzen Tag sein kann und wie es Malu Dreyer nie passieren würde. Leuchtet da jemand von innen, oder bekommt man eine Maske präsentiert, hinter der jemand Unsicherheit verbirgt?“ Ganz unerträglich, wie Sie einen Artikel aus dem Atlantic zitieren: Gesprächspartner sollen Vizepräsidentin Harris angeblich als zutiefst unsichere Person beschrieben habe. Ich bin entsetzt über diesen diffamierenden Artikel im Stil von Donald Trump.

Monika Utermann, Weimar

Würden Sie so über einen Mann schreiben?

Leider hat Ihr Artikel einigen Unmut bei mir erzeugt. Wer legt fest, wie und wie sehr eine Frau lachen darf? Sie „reißt den Mund so weit auf, wie ein Mensch unmöglich den ganzen Tag sein kann“. Was bitte wollen Sie damit sagen? Wie viel Machismo verbirgt sich denn in dieser Aussage? Sie erwähnen Malu Dreyer, die mit „Herzensbildung“ lacht. Aber was bitte macht denn nun Malu Dreyer zur Referenzlacherin vom Dienst?

Machen wir ein Experiment. Nehmen wir einige Sätze, die die Schwächen von Kamala Harris beschreiben, und setzen sie in die maskuline Form. Dann lesen wir Folgendes: Harris wisse im Weißen Haus gar nicht, wohin er seinen Fuß setzen solle, und das falle auf. Und einen desaströsen Fernsehauftritt hat er sich bereits auch geleistet, seine Antwort war wirr, ein Gestammel. Es hat Gründe, warum seine Umfragewerte nie gut waren ... Sehen Sie, was passiert? Die erste Aussage (wohin den Fuß setzen) würde man niemals einem Mann anlasten, sie ist explizit frauenfeindlich, die weiteren Aussagen treffen so gut wie auf jeden Politiker zu – das wirre Gestammel besonders auf Herrn Trump.

Zum Vorwurf Unsicherheit: Was ist denn bitte Herr Trump anderes als ein im Innersten zutiefst unsicherer Junge, der von einem lieblosen, vermutlich sadistisch veranlagten Vater erzogen wurde, um sich zu jenem Scheusal zu entwickeln, mit dem sich die Weltpolitik herumzuschlagen gezwungen sieht?

Angelika Gradl, Krailling

Nicht zu früh freuen

Es ist noch bei Weitem zu früh, um – wie von einigen meiner Freunde und meiner US-Verwandten erhofft — davon auszugehen, dass das von Harris/Walz ausgehende Aufbruchs-Momentum sie erfolgreich über die Wahlkampfhürde am 5. November tragen wird.

Der Kampf um Stimmen in den battleground states wird dann und nur dann erfolgreich für sie verlaufen, wenn es ihr und Walz gelingen wird, mit einigen klaren und den Wahlkampf entscheidenden Botschaften rüberzukommen. Und mitentscheidend dürfte sein, wie sich die US-Wirtschaft entwickelt. Der Walz’ sche Küchentisch-Speak: schon volksnah und vielversprechend. Das zeigt, dass das Wahlkampfteam auf die Probleme eines großen Teils der US-Wählerschaft eingeht. 

Hans-Jochen Schmidt, Berlin

Glückwunsch, Frau Harris!

Man muss Kamala Harris mit ihrer Entscheidung für Tim Walz zu ihrem Vize ein glückliches Händchen bescheinigen. Frauen haben möglicherweise ein besseres Gespür für das, was in einer bestimmten Situation gerade fehlt. In der amerikanischen Politik: ein Normalamerikaner, einer, der die Wahrheit sagt, nicht einer, der mit Lügen seine Landsleute gegeneinander aufhetzt. Mit dem Wort „weird“ (seltsam, verrückt, durchgeknallt) hat Tim Walz die Augen der Amerikaner für Trump und seine Getreuen geöffnet. Für die multiethnische studierte ehemalige Staatsanwältin und Justizministerin in Kalifornien ist Walz, der „Normalo“ aus dem Mittleren Westen, eine ideale Ergänzung.

Walz und Trump könnten nicht unterschiedlicher sein. Ein Blick auf ihre Vorfahren, die beide aus Deutschland kommen, verdeutlicht das. Walz’ Ururgroßvater wanderte 1867 in die USA ein und erwarb eine „Heimstätte“ im Präriestaat Nebraska, wo sich viele Deutsche niederließen. Die Einwanderer lebten dort ein karges Dasein. Walz wurde in Nebraska geboren und hat in seiner Jugend diese Armut noch miterlebt. Sie hat ihn geprägt und auch seine soziale Politik als Gouverneur von Minnesota beeinflusst. Sein Leben ist das eines bodenständigen Normalbürgers im Mittleren Westen, mit dem sich Arbeiter und Farmer identifizieren können. Trumps Großvater wanderte 1885 in Amerika ein und versuchte sein Glück im „Business“. Während er im Hotelgewerbe reich wurde, gründete sein Sohn in Queens, New York, ein Immobilienimperium, das Donald Trump geerbt hat. Die Trump-Familie steht in der Tradition der „Robber Barons“ (Räuberbarone), die am Anfang des letzten Jahrhunderts zu zum Teil fragwürdigem Reichtum gekommen waren. Es ist nicht auszuschließen, dass der jeweilige familiäre und berufliche Hintergrund von Walz und Trump bei der Präsidentschaftswahl im November eine entscheidende Rolle spielt.

Jürgen Einhoff, Hildesheim

Trumps Spiel mitgespielt

Boris Herrmann äußert in seinem Artikel die Frage, ob die Äußerung über Kamala Harris („Ist sie indisch oder schwarz?“) ein Fehler oder doch Kalkül bei Donald Trumps Auftritt vor der National Association of Black Journalists (NABJ) war. Meiner Ansicht nach wird auf jeden Fall das Verhalten aller Beteiligten im Zusammenhang mit diesem Auftritt die hämischen Erwartungen von Trumps Wahlkampfteam mehr als erfüllen. Denn alle – die Teilnehmenden bei der Veranstaltung der NABJ mit ihren Äußerungen, Trump selber und die Medien, auch in Deutschland – dienten durch ihre im Übrigen absolut erwartbaren Verhaltensweisen als Instrumente, um Trumps reaktionäre Weltsicht medienwirksam zu verbreiten: Er ist der wahre starke Mann, der die Bürger schützen kann vor aggressiven „Fremden“ und deren subtilen Machenschaften zusammen mit dem Weißen Haus in Washington. Denn Trump hat aus seiner Sicht deren Aggressivität erfolgreich Paroli geboten und die für ihn dahinterliegenden Motive, den Machthunger der People of Colour, durch in seinen Augen mutiges Aussprechen ungeschminkter Wahrheit entlarvt. Nicht nur Trumps militante Anhänger in den USA werden ihn dafür bewundern und ihn bei der Durchsetzung seiner Interessen unterstützen.

Wann hören wir auf, dieser Art von reaktionärer Medienwirksamkeit eine Bühne zu bieten? Ist es nötig, weiter beschönigend so zu tun, als sei die Person Donald Trump irgendwie doch nicht so gefährlich als Präsidentschaftskandidat in den USA?

Christiane Lautenschlager, Freudenstadt

Breite Bewegung des Aufbruchs

So, wie Marine Le Pen geschlagen wurde, wird auch Donald Trump verlieren, wenn alle progressiven Kräfte sich einen Ruck geben und am selben Strang ziehen. Kamala Harris wird schon jetzt von Joe Biden und den Clintons, Gavin Newsom und Gretchen Whitmer unterstützt. Wenn es gelingt, so wie 2024 in Frankreich und 2008 bei der Obama-Wahl in den USA eine breite Bewegung des Widerstands beziehungsweise Aufbruchs zu erzeugen, müssen die Demokraten sich nicht vor Trump, dem alten Sprücheklopfer, fürchten. Hätten die Republikaner sich ihm nicht bedingungslos unterworfen, könnte man klar erkennen, dass der Kaiser nackt ist. Außer seiner pathologischen Persönlichkeit ist an ihm nichts bemerkenswert. Ein unvoreingenommener Vergleich seiner charakterlichen und intellektuellen Qualitäten mit denen von Kamala Harris fällt eindeutig aus. Die Demokraten brauchen keine bessere Kandidatin. Sie müssen nur die, die sie haben, uneingeschränkt unterstützen.

Axel Lehmann, München

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