Kommentar „Die Kopflosigkeit der ARD“ vom 19. September:
Schreckensbild USA
Meinungsvielfalt muss möglich sein, ohne sanktioniert zu werden. Außer bei Verstößen gegen juristische Grundsätze. Öffentlich geäußerte Meinung muss ebenso öffentlichen Widerspruch aushalten. Nun kann man nicht erwarten, dass diese Meinungen regelmäßig sprachlichen, inhaltlichen oder journalistischen Qualitätsstandards immer entsprechen. Meinung ist eben Meinung und nicht immer faktenbasiert erworben. Subjektiv natürlich von Interessen geleitet.
Wenn man unter diesem Licht den Hype um die ARD-„Affäre“ Ruhs betrachtet, kommt man zu der Frage: Haben wir keine anderen Probleme? Unser Blick in die Trump-USA reicht in die Abgründe von Medien, Journalismus und Meinungsfreiheit, geknebelt und geknechtet vom Regime. Sich vorzustellen, hierzulande würden TV-Sendungen wie „Heute-Show“, „Die Anstalt“, „Nuhr im Ersten“, „Im Schlachthof“, die Verleihung von diversen Kabarett- und Kleinkunstpreisen von Herrn Merz persönlich und seiner Entourage verboten, die Sender boykottiert oder finanziell ruiniert, da käme einen das Gruseln.
Die Moderationen von Frau Ruhs waren nicht das journalistische Highlight, müssen sie auch nicht sein, gemessen an der Erwartungshaltung des durchschnittlichen TV-Zuschauer-Niveaus als Beitragszahler. Sie wurden kritisiert, weil sie inhaltlich und journalistisch in einem gewissen Grad fragwürdig waren. Wenn der NDR daraus Konsequenzen zieht, ist das seine Sache, Frau Ruhs war im Sender nicht angestellt. Dass von interessierter Seite dazu viel Schaum geschlagen wird, konnte erwartet werden. Nun hat sie im BR ja noch ihr zweites Standbein, Söder sei Dank. Lobenswerterweise gibt es im BR noch einige Formate jenseits von Amtsfunk.
Reinhold Rubner, Nürnberg
Nicht rechts, sondern schlecht
Ob Journalismus links, rechts oder mittig ist, sollte kein Kriterium sein; wohl aber, ob er gut oder schlecht ist, und schlecht verhohlener Rassismus ist eben Letzteres: Weder öffentlich-rechtliche noch überhaupt Sender oder andere Medien sollten sich an derlei (Pardon!) Bauernfängereien beteiligen, ganz egal, was AfD-Wähler oder die Herren Weimer und Linnemann davon halten. Aber wenn der BR meint, das passe zu seinem „Niveau“: Bitteschön! Wir sind, als Land, als Bürger und als Sender jedenfalls, frei! Und ob „Kopflosigkeit“ nun etwas Gutes oder Schlechtes ist – wer weiß?
Dr. Nils Heineking, Mering
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