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Israel und Palästina:Frieden durch Gleichbehandlung

Reaktionen auf das Interview mit Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland - vor allem mit Blick auf die Frage, wann Israel-Kritik antisemitisch ist.

Zu "Israel ist unsere Lebensversicherung" vom 10. Februar:

Die SZ-Autoren stellen Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, die richtigen Fragen. Ob es bereits "antisemitisch" sei, gleiche Bürgerrechte für Juden und Araber in Israel zu fordern, und damit eine jüdische Mehrheit infrage zu stellen. Josef Schuster antwortet, wenn die "Intention" hinter der Forderung nach dem Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge sei, "Israels Existenz als jüdischen Staat zu zerstören: Ja." UN-Resolution 194 (III) und Artikel 13 (2) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fordern dieses Rückkehrrecht. Unterstellt Herr Schuster also den UN und Menschenrechten, sie wären "antisemitisch"? Warum fragt die SZ nicht präzise nach, was genau "jüdischer Staat" meint? Die UN hatten 1947 mit ihrer Teilungsresolution den "jüdischen Staat" selbstverständlich inklusive der dort bereits ansässigen Araber definiert, die damals die Mehrheit ausmachten. Wären sie 1948 nicht vertrieben, enteignet und ausgebürgert worden, würden sie heute noch in Israel leben und etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge würde Israels Existenz als "jüdischer Staat" also nicht zerstören, sondern nur demokratischer machen. Weg von einer Ethnokratie mit "jüdischer Mehrheit" - hin zu einer echten Demokratie in Übereinstimmung mit Völker- und Menschenrechten und "jüdischen Werten". Diese Widersprüche wurden und werden im vielstimmigen Chor innerhalb des Judentums viel diskutiert - von Martin Buber, strenggläubigen Juden wie der Neturei Karta, bis zur israelischen Gruppe Zochrot. In Josef Schusters Augen alle "antisemitisch"? Wenn Herr Schuster, völlig zu Recht, "jüdische Traditionen und Werte" in Deutschland sichtbarer haben möchte, müsste auch er sie in ihrer ganzen Vielfalt vertreten.

Sabine Matthes, München

Im sehr lesenswerten Interview mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wird eine wichtige Frage leider nicht gestellt. Herr Schuster nennt die Möglichkeit aller Juden in aller Welt, in einen mehrheitlich jüdischen Staat Israel fliehen zu können, "unsere Lebensversicherung". Er kritisiert Forderungen nach einem Rückkehrrecht für aus Israel vertriebene palästinensische Flüchtlinge nach Israel, da sie die Existenz Israels als jüdischer Staat gefährdeten. Aus jüdischer und israelischer Sicht eine berechtigte Sorge. Die Frage, die nicht gestellt wurde: Wohin sollen denn die palästinensischen Vertriebenen flüchten dürfen? Will man ihnen eine "Lebensversicherung" nach israelischem Vorbild verwehren?

Joachim Henkel, Dachau

© SZ vom 20.02.2021
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