SZ: Haben Sie etwa Angst vor Nadeln?
Angst nicht unbedingt, aber ganz ehrlich: Blutabnehmen ist für die meisten Menschen eine sehr unangenehme Situation. Sie lässt sich allerdings kaum vermeiden: Für viele medizinische Entscheidungen sind Blutproben unverzichtbar. Aber wer lässt sich schon gerne eine Nadel in den Arm piksen?
Blutegel sind jetzt aber auch nicht jedermanns Sache ...
Stimmt, aber mit denen kommt man ja auch nicht in Kontakt. Sie dienten nur als Vorbild für das Gerät, das wir entwickelt haben. Dafür haben wir genau angeschaut, wie sie mit ihren winzigen Zähnchen die Haut durchdringen und durch Schlucken einen Unterdruck erzeugen, mit dem sie Blut saugen. Wir sind auf die Blutegel gestoßen, als wir für ein anderes Projekt nach Möglichkeiten suchten, um Medikamente durch die Mundschleimhaut in den Körper zu schleusen. Als wir uns den Mechanismus des Blutegels genauer angeschaut haben, kamen wir auf die Idee, dass man dasselbe Prinzip auch sehr gut nutzen könnte, um Blutproben zu nehmen.
Und wie klappt das?
Sehr gut. Wir haben einen Saugnapf aus blauem Silikon entwickelt, der ein bisschen nach einem Deckel aussieht und etwa den Durchmesser einer Euromünze hat. Darin befindet sich ein Dutzend hauchfeiner Mikronadeln. Die bohren sich kaum spürbar durch die Haut, wenn man den Saugnapf auf den Oberarm oder Rücken presst. Durch den Unterdruck sammelt sich etwas Blut in dem Saugnapf. Das Ganze funktioniert so schnell und einfach, dass man dafür nicht mal einen Arzt braucht. Das macht die Methode auch für Länder mit schlechter medizinischer Versorgung interessant – zum Beispiel, um auf die Tropenkrankheit Malaria zu testen. Das Gerät ist ein Prototyp, es braucht weitere Tests und Studien. Aber wir haben unsere Forschungsergebnisse für alle zugänglich gemacht – und hoffen, dass die Methode bald Menschen auf der ganzen Welt helfen kann.