INF-VertragDie atomare Gefahr ist wieder da

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Europa unternehme zu wenig, um die USA und Russland zu neuen Nuklear-Verhandlungen zu bringen, schreibt ein Leser. Ein anderer spricht die Chancenlosigkeit Einzelner im internationalen Machtpoker an.

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Zu "Zwei vor zwölf" vom 3./4. August:

Es ist nicht anzunehmen, dass die Menschen nicht realisiert hätten, wie groß die atomare Gefahr tatsächlich ist, wie der ehemalige US-Verteidigungsminister Perry behauptet hat. Die Menschen haben nur erfahren müssen, dass sie chancenlos sind, beim großen Machtpoker mitzuspielen. Die Uhr, die inzwischen zwei vor zwölf zeigt, wie der Autor Georg Mascolo schreibt, ist "die Erinnerung daran, dass der größte Feind der Menschheit immer noch der Mensch selbst sein kann". Die Formulierung in der Möglichkeitsform macht sprachlos. Wer, wenn nicht der Mensch selbst, ist denn als Feind auszumachen? Schließlich erscheint es wenig überzeugend, die Klimaaktivisten aufzufordern, ihr Protestspektrum zu erweitern. Ein Vorschlag, der nur wohlfeil zu nennen und gleichzeitig eine Bankrotterklärung derer ist, die nicht mehr der jungen Generation angehören und sich als wohlwollende Zuschauer gerieren.

Robert Tomaske, Bochum

Erneut stellte nun Europa seine desolate Orientierungslosigkeit unter Beweis. Denn während es sich gerade in Panik versetzen lässt, und die ganze Welt aus hypermoralischem Eifer von der Utopie einer möglichen Klimarettung überzeugen will, rutscht diese Erde klammheimlich in eine weitaus realere, menschengemachte Gefahr hinein. Die Aufhebung des INF-Vertrages lässt einen globalen Worst Case wahrscheinlicher werden als alle Klimamodelle zusammengenommen.

Sicher, die bloße Existenz eines solchen Abkommens zur Verringerung der atomaren Waffen ist ebenso wenig eine Garantie für den Weltfrieden, wie es Windkraftanlagen, Dieselverbote und Solarpanels für das Weltklima sind. Dennoch: Im Gegensatz zum Klimawandel hat der Mensch in der Tat einen direkten und konkreten Einfluss auf den berüchtigten roten Knopf. Doch anstatt konsequent die Gemeinsamkeiten von Russen, Europäern und Amerikanern öffentlich zu machen, gerierte sich die EU wieder als williger Vasall zwielichtiger Interessensmächte und ließ sich durch den Ukrainekonflikt von einer Chance epochalen Ausmaßes ablenken.

Jetzt steht Europa ratloser da als vor dem INF-Vertrag und fragt sich, was nun noch geschehen muss, um die Chance auf ein Friedensbündnis zwischen Russland und den USA im Geiste Europas zu erlangen.

Martin Hartmann, Babenhausen

© SZ vom 04.09.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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