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Impeachment:Weisheit oder Torheit?

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Donald Trump ist nicht mehr im Weißen Haus, dennoch läuft das Amtsenthebungsverfahren noch. Formal kann er enthoben werden. Muss das sein? Leser sind sich uneins.

Zu "Nicht klug, aber genau richtig" vom 14. Januar: Vize Mike Pence wird in die Geschichte eingehen, weil er eine historische Chance nicht nur - passiv - versäumt hat, sondern weil er - aktiv - die Dienstentpflichtung von Trump unterlassen hat. Es sind schon mehrere Minister von ihren Ämtern zurückgetreten, haben wahrhaftige, ernst zu nehmende, demokratische Republikaner wie Arnold Schwarzenegger oder George Bush jun. den Präsidenten hart kritisiert und verurteilt, sind zudem andere, ehemalige Minister wie Colin Powell sogar aus "ihrer" Partei ausgetreten: aus Gründen der Verantwortung, des Entsetzens und auch des Ekels.

Die Partei der Republikaner wird nie wieder dieselbe sein oder sein können, selbst wenn sie es wollte. Sogar Präsident Nixon war seinerzeit noch rechtzeitig zurückgetreten, um der Schmach des abzusehenden Ausgangs des eröffneten Amtsenthebungsverfahrens zu entgehen und damit auch der Partei keinen weiteren Schaden zuzufügen.

Es ist schon lange an der Zeit und Platz genug für weitere Parteien in diesem wunderbaren großen Land: zum Beispiel für liberale und grüne, vor allem echte sozialistische, zumindest sozialdemokratische, die auch die wahren Interessen und teilweise existenziellen Nöte großer Bevölkerungsteile vertreten und für sie eintreten und ändern/abschaffen helfen.

Dr. Bernhard F. Reiter, Berlin

Es gibt Dinge im Leben, die einen zweiten Versuch wert sind. Ein Impeachment gegen den 45. US-Präsidenten, Donald J. Trump, gehört nicht dazu. Der erste Amtsenthebungsversuch stärkte die falsche Seite, und der zweite Versuch würde nur noch mehr Peinlichkeiten auf der anderen Seite zu Tage fördern. Ob es am Kapitol ein Putschversuch, Staatsstreich, Hochverrat oder Aufstand war, ist eigentlich unwichtig. Die Folgen des Trump-Aufrufs ans Wahlvolk waren einschätzbar, auch wenn sie erneut ignoriert worden sind. Seine Anhänger sollten zur Wahl des neuen Präsidenten vor dem Kapitol erscheinen, die Wahl stören und Abgeordnete einschüchtern, das heißt Sabotage statt Ansturm.

Im Nachhinein einzig seine Rhetorik für den Aufruf, die Grenzüberschreitung, Zerstörung, Unruhe, Angsterzeugung, Lügen, Korruption etc. verantwortlich zu machen, ist nicht ganz zutreffend, wenn auch richtig. Trump ist weder verrückt noch unzurechnungsfähig, er ist weder Politiker noch Diplomat, nicht mal ein guter Geschäftsmann, lediglich Betrüger, Lügner, Anstifter, Ego-Mensch und sollte vor Gericht gebracht werden. Als i-Tüpfelchen sollte ihm die Rechnung für die Verwüstung im Kapitol geschickt werden.

María del Carmen González Gamarra, Simmertal

© SZ vom 23.01.2021
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