Süddeutsche Zeitung

Immer größere Autos:Einfach nicht kaufen

Lesezeit: 3 min

Ein Artikel über die zu kleinen Stellplätze für die immer größeren Autos in Deutschland hat Leserinnen und Leser aufgebracht. Sie halten es keinesfalls für nötig, es den Besitzern dieser Riesenwägen bequemer zu machen, sondern fordern ein Gegensteuern.

"Platzangst im Parkhaus" vom 13./14. Mai:

Vorschlag zur Entspannung

Der Artikel über die Probleme von überdimensionierten Autos in Parkhäusern ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie es bei uns funktioniert. Die Autoindustrie produziert, was sie für richtig hält, und formuliert hierfür der Politik die entsprechenden Gesetzespassagen vor. Und wir, wir kaufen alles bis hin zum "Familien-Panzer". Dabei hätte der Gesetzgeber einiges in der Hand: So könnte er die Vorgabe für die entsprechenden Einstellmaße von Abstellplätzen ändern (siehe insbes. § 4 GaStellV), um wenigstens bei Neubauten realistischere Zielvorgaben festzusetzen. Den Eigentümern bestehender Garagenanlagen stünde es aber auch offen, darüber nachzudenken, wie zumindest eine Anzahl von Stellplätzen befahr- und nutzbarer gemacht werden könnte. (Den eventuellen Einnahmeverlust mit höheren Preisen zu kompensieren ist doch ein branchenüblicher Vorgang) Schwieriger würde es, wenn eine in der Baugenehmigung fixierte Anzahl von Stellplätzen als funktionaler Zusammenhang zur Hauptnutzung etwa vorzuhalten wäre. Aber auch hier gäbe es Lösungsansätze. Fairerweise muss zugunsten des Gesetzgebers betont werden, dass ja nur Einstell-Mindestmaße vorgeschrieben sind bzw. waren. Der Bauherr hätte und hat es somit grundsätzlich in der Hand, "entspanntes" Parken zu schaffen. Rolf Pühlhofer, Nürnberg

Klimaziele? Perdu

Dass Autos immer länger und breiter werden, führt nicht nur zu Problemen im Parkhaus. Die Fahrzeuge werden dadurch auch schwerer und haben einen größeren Luftwiderstand. Dies führt zu einem höheren Spritverbrauch; selbst mit sparsameren Motoren kann unter dem Strich damit keine Einsparung erzielt werden. Unsere Klimaziele werden durch diese Entwicklung immer schwerer zu erreichen sein, auch die Bekämpfung der Luftverschmutzung wird durch immer verbrauchsintensivere Wagen nicht gerade erleichtert

Breitere Autos brauchen nicht nur im Parkhaus mehr Platz. Viele Supermärkte haben ihre markierten Parkbuchen bereits verbreitert, und mittelfristig ist zu befürchten, dass auch die Vorschriften für den Straßenbau sich den neuen Gegebenheiten anpassen werden. Dabei sei daran erinnert, dass bereits jetzt allein in Bayern täglich 18 Hektar Fläche zubetoniert werden, ein nicht unerheblicher Teil davon für den Straßenbau.

Die Entwicklung hin zu immer größeren (und PS-stärkeren) Autos ist auch deshalb mehr als problematisch. Wir sollten uns darauf besinnen, das Auto schlicht als Fortbewegungsmittel zu betrachten und der Autoindustrie solche Vorgaben zu machen, die dieser Fehlentwicklung Einhalt gebieten. Erich Lerch, Augsburg

Die Dummheit ist zu groß

Wer sich mit 100 Kilo eine Jeans in Größe 36 bestellt, oder sich für sein vier Meter langes Wohnzimmer eine fünf Meter lange Schrankwand anschafft, ist selbst schuld. Er hätte eben vorher denken sollen. Und wer sich ein Auto in der Größe eines Armeepanzers anschafft, das zu groß ist für Parkbuchten und oft auch für kleine Straßen, hat sich ebenfalls die Folgen selbst zuzuschreiben. Aber ach, die SZ klagt, dass die Menschen ja gar keine Wahl hätten - die meisten Autos seien inzwischen so groß geraten. Habe ich etwas verpasst? Selbst wenn die Hersteller, die natürlich keinerlei ökologisches Gewissen haben und aus Gewinnstreben skrupellos die Zerstörung des Planeten in Kauf nehmen, überdimensionierte Trümmer auf den Markt bringen, gibt es doch wohl nach wie vor kleine Wagen zu kaufen? Man muss sie sich nur aussuchen.

Autos sind schuld am Klimawandel, und alle Menschen, leider auch die, die keines haben, müssen durch den infernalischen Krach leiden und den Feinstaub einatmen. Da habe ich doch, mit Verlaub, eher wenig Verständnis für die Problemchen der Autobesitzer. Nicht die Parkbuchten sind zu klein, sondern die Dummheit der Menschen ist zu groß. Susanne Tillich, München

Gefahr für Fußgänger und Radler

Platzangst herrscht nicht nur im Parkhaus, sondern vor allem auch auf den Straßen. Es ist doch auch eine Frage dessen, welchen Anteil am öffentlichen Raum ich für mich und meine Gerätschaften glaube beanspruchen zu können - öffentlichen Raum, auf dem sie fahren und stehen und auf denen sie Platz für ihre Parkhäuser brauchen, und der in den meisten Fällen von Steuergeldern finanziert wird.

Große Autos sind leider nicht nur ein Platzproblem beim Parken in öffentlichen und privaten Parkhäusern. Das wäre ja noch harmlos und eher amüsant. Aber das eigentliche Problem geht weit über das in dem Artikel geschilderte Problemchen hinaus: Sie gefährden auch zunehmend die Sicherheit von anderen Verkehrsteilnehmern. Der Platz auf den Straßen und leider auch Gehwegen wird inzwischen deutlich kleiner für Fahrradfahrer und Fußgänger. Wo früher noch rechts und links zwei Autos parken konnten, dazwischen zwei Autos durchpassten und auch der eine oder andere Radler noch Platz fand, werden Radler wirklich krass zur Seite gedrängt oder, wenn sie in der Mitte fahren, aggressiv angehupt. Und Fußgänger, nicht mehr nur kleine Kinder, werden hinter diesen Familienpanzern nicht mehr gesehen und sehen auch den Verkehr viel schlechter.

Das alles wäre für mich Grund genug, die Kfz-Steuer auch an die Breite und Höhe zu binden. Aber bei der bundesdeutschen Verkehrspolitik, die nurmehr dazu da zu sein scheint, immer noch mehr Autofahrern mit immer anmaßenderen Panzern den Weg freizuräumen, wird das wohl erst einmal nicht passieren. Ute Walther-Maas, München

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3512949
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 22.05.2017
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.