bedeckt München 18°

Hunde:Gassi-Pflicht als Ablenkung?

Es verwundert Leser, dass sich Landwirtschaftsministerin Klöckner gerade so stark für Hunde einsetzt, wo es doch drängendere Probleme gäbe.

Zu "Ach, Du dicker Hund" vom 19. August:

Wenn das alle Sorgen von unserer Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sind dann scheint die (Tier-)Welt wirklich in Ordnung. Zum Glück haben Hundebesitzer keine große Lobby. Warum kümmert sie sich nicht mehr um die Massentierhaltung, wo Tausende Rinder, Schweine und andere Nutztiere oft sinnlos gequält werden. Ist ihr da die Lobby zu stark? Ich glaube, die meisten Hundehalter und -innen lieben ihre Tiere und sind sehr um deren Wohl besorgt, dass es kaum nötig ist, bei diesem Thema neue Gesetze zu erlassen. Als Ministerin sollte sie sich um die wirklichen Probleme der Tierhaltung kümmern.

Volker Hoffmann, Eching

Angesichts der zahlreichen drückenden Probleme, denen sich die Landwirtschaft gegenüber sieht, speziell der kontrovers diskutierten Thematik "Tierwohl" (Massentierhaltung, industrielle Großschlachtereien ) überrascht es doch sehr, dass sich Ministerin Klöckner dem Randthema artgerechte Hundehaltung und dem Fehlverhalten ihrer Besitzer so engagiert widmet. Freilich wird schon lange auf die gravierenden Probleme von Züchtung (Qualzüchtungen), Überproduktion von Welpen ( zu ökonomischen Zwecken), illegalen Hundetransporten aus (meist östlichen) Nachbarländern aus purer Gewinnsucht hingewiesen. Wie ich aus Erfahrung weiß, regelt sich so manches Problem durch Hundeschulen und Kontakte.

Trotzdem wäre diese Initiative zur idealen Hundehaltung zu begrüßen, käme da nicht auch der Verdacht auf, dass zum derzeitigen Zeitpunkt ein gewisser Populismus von brennenderen Problemen ablenken soll. Im Zusammenhang auch mit der Vermarktung von Hunden tauchte der Begriff "Tiertransporte" auf und wies assoziativ auf ein Phänomen hin, das einen viel dringenderen Aktionismus erfordert - Europa weit.

Aus aktuellen Anlässen dokumentieren diverse Medien diese grausamsten Zustände von unsachgemäß verladenen, qualvoll zusammengepferchten Schlachttieren, die weit über EU-Grenzen hinweg, unkontrolliert von tierrechtlichen Bestimmungen, die zu Viehmärkten, etwa in Asien, in die Türkei, in den Maghreb führen. In den dortigen Schlachthöfen muss das fixierte Tier durch grausame Schächtung ohne Betäubung einen schmerzhaften, langsamen Tod erleiden, wie er in dem Herkunftsland Deutschland nicht praktiziert werden darf.

Ingrid Seiler, München

Ich bin entsetzt, dass in dem Artikel der sogenannte Hundeflüsterer eine positive Erwähnung erhält. Die "Methode" von C. Millan ist mindestens überholt und war wohl nie wirksam. Er propagiert auch Gewaltanwendung bei Hunden und verharmlost dies als Erziehung. Ergänzt wird die "Methode" durch drohendes Verhalten des "Trainers" dem Hund gegenüber. Das ist ziemlich genau das Gegenteil einer kynologisch und lerntheoretisch fundierten Hunde-Ausbildung, die auf Bindungsaufbau und Förderung erwünschten Verhaltens beruht.

Michael Aschendorf, Hamburg

© SZ vom 08.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite