Humboldt-Forum Frankreich macht es doch genauso

Die kritischen Äußerungen der Kunsthistorikerin Benedicte Savoy zur künftigen Ausstellung im Humboldt-Forum haben unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

"Ein unlösbarer Widerspruch", 21. Juli:

Bénédicte Savoy beschränkt ihre Kritik eher auf die schlichte Wiederholung der Wiederholung einer längst bekannten Polemik gegen das Bauprojekt Humboldt-Forum im Berliner Stadtschloss. Absurd ist der Vergleich mit Frankreich. Dort wird von einer Mehrheit der Menschen weit mehr Geld für Kultur ausgegeben. Auch sozialistische Präsidenten pflegen den royalen Glanz der bürgerlichen Häuser und Paläste des 19. Jahrhunderts. Der 14. Juli wird mit Militärparaden gefeiert. Kriegszerstörte Städte wurden ganz selbstverständlich auf altem Stadtgrundriss und traditionell rekonstruiert. Widersprüchlich ist in Frankreich bis heute der Umgang mit der eigenen Kolonialgeschichte.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

Savoys mutiger Schritt

Wir begrüßen sehr, dass die Süddeutsche Zeitung sich dieser Thematik rund um das Humboldt-Forum angenommen hat und bedanken uns als afrikanische Menschen in Deutschland ausdrücklich dafür.

Bénédicte Savoy ist nicht nur eine weltweit anerkannte Kunsthistorikerin. Sie zeigt als Wissenschaftlerin Zivilcourage und den humanen Ansatz in der Forschung, der benötigt wird, um die Basis für eine Völkerverständigung zwischen ehemals kolonialisierten Völkern in Afrika und Deutschland zu schaffen. In Zeiten von "Compact with Africa" und "Marshall-Plan für Afrika" ist es unverständlich, dass eine Stiftung sich nahezu jeglicher Provenienzforschung afrikanischer Objekte verweigert. Diese Objekte, die für die Identitätsfindung junger afrikanischer Menschen so wichtig sind, können nicht weiter unter dem Label "Preußischer Kulturbesitz" laufen. Eine deutsche Ausstellung afrikanischer Objekte, die ohne sachgerechte Kontextualisierung der Kolonialgeschichte realisiert wird, vergibt die Chance der Annäherung der Völker und verhindert die gemeinsame Überwindung der Kolonialgeschichte. Das Schloss wird nach der gewaltsamen NS-Zeit aufgebaut und sollte ein Ort der humanistischen und lebendigen Auseinandersetzung sein. Afrikanische Originale aus der deutschen Kolonialzeit werden dieser Zielrichtung entgegenstehen. Savoy hat den ersten mutigen Schritt gemacht. Weitere sollten folgen.

Dr. Beatrice Moreno TechEnergy for Africa, Berlin