Homöopathie Medizin oder Mumpitz?

Gastautor Edzard Ernst hat eine deutliche Meinung zu diesem Thema. Viele der Leser können sich seinen Äußerungen nicht anschließen und verteidigen die Homöopathie - auch wegen persönlicher Erfahrungen.

SZ-Zeichnung: Denis Metz

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"Homöopathie raus aus Apotheken" vom 10. August:

Noch viel schlimmer

Endlich mal ein Artikel zu diesem Thema, der, so wahr er ist, es in Deutschland leider auch nicht fertigbringen wird, die Menschen von der Homöopathie abzubringen. In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer. In der Politik hat zum Beispiel die damalige Gesundheitsministerin in Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Grüne), sich als besonders wertvolle Verbündete der Homöopathen erwiesen. Sie setzt sich, weil sie "persönlich davon überzeugt sei", für die Pseudowissenschaft Homöopathie ein und strebt ausdrücklich auch die Einführung an Hochschulen an. Armes Deutschland, wohin gehst du? Die Homöopathie muss, wie Astrologie und Alchemie bereits vor ihr, ausdrücklich aus der wissenschaftlichen Welt verbannt werden. Mit der Homöopathie ist es wie mit der Religion: Wer nichts weiß, muss glauben! Homöopathie ist Glaube, Geisterglaube, Esoterik.

Siegfried Engelke, Korbach

Unredliche Aussagen

So sehr man sich als jemand, der seine Gesundheit der Homöopathie verdankt, über die Thesen von Edzard Ernst empören kann, so dankbar kann man sein, dass sie Gelegenheit geben, ihnen entgegenzutreten. Edzard Ernst wird als ehemaliger homöopathischer Therapeut wissen, dass Homöopathie heilt. Warum er sie heute angreift, erfährt man nicht. Jedenfalls bedient er sich jetzt - wie viele andere Kritiker der Homöopathie - des Arguments, ihre Heilwirkung sei wissenschaftlich nicht bewiesen. Man kann nicht oft genug betonen, dass diese Aussage allein auf dem materialistischen Weltbild der konventionellen Medizin beruht.

Aber ist es eines Wissenschaftlers würdig, nach dem Motto "Was nicht sein kann, was nicht sein darf" zu argumentieren? Mag Edzard Ernst - unter Berufung auf wissenschaftliche Gesellschaften - der Homöopathie die Wissenschaftlichkeit absprechen und Apotheker, die Homöopathika verkaufen, als unethisch verdächtigen, dieser Heilmethode schenken Zigtausende wegen ihrer Wirksamkeit das Vertrauen. Ärgerlich, wenn nicht sogar unredlich, sind die Aussagen zum Wesen der homöopathischen Therapie. Sich homöopathisch behandeln zu lassen bedeutet eben nicht, in einer Apotheke nach einem Mittel gegen eine Krankheit zu fragen, sondern ein Arzneimittel verordnet zu bekommen, das die individuellen körperlich-geistig-seelischen Symptome des Patienten ganzheitlich berücksichtigt.

Dr. Reinhard Tutschek, Bayreuth

Bedenklich

Professor Ernst erläutert in überzeugender Weise, warum Homöopathie in Apotheken eigentlich nichts verloren hat. Der Apotheker sei in erster Linie studierter Heilberufler, der schon aus ethischen Gründen seine Kunden vor Placebo-Medizin oft ohne Wirkstoff, gelegentlich aber auch vor gefährlichen Präparaten warnen müsse, wenn es doch auch anerkannte, wirksame Medizin gebe.

Das Problem betrifft aber nicht nur die Ärzte und Apotheken, sondern auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das homöopathische Medikamente ohne Indikationsangabe normalerweise nicht zulässt. Für eine Zulassung bedarf es weit höherer Anforderungen (wie Professor Ernst ausführt), zum Beispiel der nachweislichen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Nur wenige homöopathische Medikamente haben das geschafft; darunter unbegreiflicherweise "Barium comp. (Weleda)". Dieses Präparat enthält unter anderen Giften in bedenklich hoher D3-Konzentration (D3 = 1:1000) ein lösliches Bariumsalz. Lösliche Bariumsalze sind alle hochgiftig und werden als Ratten- und Mäuse-Vernichtungsmittel eingesetzt. Einzig Bariumsulfat findet als Kontrastmittel medizinisch Verwendung, da es unlöslich ist.

Prof. Dr. Bernd Kramer, Regensburg

Missionarischer Eifer

Folgende Fragen kommen mir bei dem Artikel: Wieso kann sich die Homöopathie über 250 Jahre halten, wenn sie angeblich unwirksam ist? Wenn nach Umfragen ein Drittel der Bevölkerung der Homöopathie positiv gegenübersteht, haben wir es da mit einem kollektiven Wahn zu tun, oder gibt es da nicht doch viele individuelle positive Erfahrungen, egal was da wirkt? Mit welchem Recht wollen die Kritiker anderen Menschen vorschreiben, wie sie sich behandeln lassen wollen? Warum dieser missionarische Eifer, andere Menschen zu bevormunden? Welche Ängste stecken da dahinter? Wer das für Humbug hält, kann doch für sich eine andere Therapie wählen. Ich kann nur berichten, dass ich aus meiner Praxis viele Menschen kenne, denen die Homöopathie nachhaltig geholfen hat - auf eine sanfte, absolut nebenwirkungsfreie Art. Und selbst wenn es nur der Glaube oder Placeboeffekte wären, wie Kritiker behaupten: Was wäre daran so schlimm, dass man Menschen davor "schützen" müsste?

Christopher Bodirsky, Hannover

Zum Wohl der Patienten

Als langjähriger Direktor einer großen Uniklinik-Apotheke habe ich weniger mit Homöopathie zu tun gehabt als meine Kollegen und Kolleginnen im öffentlichen Bereich. Nichtsdestoweniger sind einige Ergänzungen zu dem Kommentar von Professor Ernst meines Erachtens wichtig. Ich teile auch hundertprozentig die Meinung, dass Homöopathie keine wissenschaftlich belegte Wirkung hat.

Was aber sehr oft unterschätzt wird, ist deren Placebo-Wirkung. Wir dürfen nicht übersehen, dass ein Placebo nur wirkt, wenn die Patienten und Patientinnen auch daran glauben. Ihnen mitzuteilen, dass die verabreichte Medizin ein Placebo ist, verfehlt den Zweck. Die Mystik um homöopathische Mittel ist gerade das, was ein gutes Placebo ausmacht. Allerdings teile ich auch die Meinung, dass nach dem Prinzip "Primum non nocere" Homoöpathika aus den Regalen und auch aus den Beratungen der Apothekerinnen und Apotheker verschwinden sollten, die eher schaden, wie die Nosoden oder leider sehr verbreitete Mittel, die Quecksilber enthalten. Wenn ich aber einen chronischen Schmerz mit einem nichts enthaltenden homöopathischen C30-Mittel lindern kann, dann ist es ethisch und auch medizinisch sinnvoller, dieses anzuwenden anstatt zum Beispiel Ibuprofen, das durchaus bei längerer Anwendung die Niere ruinieren kann. Das zu dogmatische Glauben an die wissenschaftlich belegte Wirkung eines Arzneimittels ist nicht immer das Beste für die Patientinnen und Patienten. Das Wohl der Letzteren sollte aber immer im Zentrum der Bemühungen von Medizinern und Pharmazeuten stehen.

Dr. Roberto Frontini, Leipzig

Positive Wirkung

Ich bin überhaupt keine militante Gegnerin der Schulmedizin oder militante Verfechterin der Homöopathie. Ich möchte Ihnen aber dennoch meine Erfahrungen mit Homöopathie schildern. Als meine heute siebenjährige Tochter ein knappes Jahr alt war, hatte sie immer wieder so schlimm Husten, dass wir zwei- oder dreimal nachts in die Kinderklinik gefahren sind, aus Angst, sie könnte ersticken.

Unsere Kinderärztin hat uns verschrieben, was man in so einem Fall bekommt: Säfte, Tropfen, dann Antibiotika, Cortison zum Inhalieren. Später ein auf Bronchialleiden spezialisierter Kinderarzt andere Antibiotika und anderes Cortison. In der Kinderklinik wurde meine Tochter dann stationär aufgenommen und bekam als knapp Einjährige tagelang intravenös Antibiotika. Es hat nichts geholfen, jedenfalls nicht länger als ein paar Tage. Schließlich sind wir zu einem anthroposophischen homöopathischen Kinderarzt gegangen. Meine Gedanken dabei waren: Ob er sie überhaupt behandelt, wenn er erfährt, dass sie geimpft ist? Ob das auch helfen kann, wenn man nicht daran glaubt? Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch hat er ihr ein Kügelchen verabreicht, und ein paar Tage später war der Husten weg! Sie hat ab und zu wieder Husten bekommen, dann sind wir zu dem homöopathischen Arzt oder haben ihn angerufen, er hat ein homöopathisches Mittel verordnet, manchmal, wenn es nicht gleich geholfen hat, ein zweites, und der Husten ging wieder weg. Heute hat sie keine Probleme mit Husten mehr.

Ute Bechberger, Heidelberg

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