Homöopathie:Großangriff gegen Globuli

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Dass sich die Ärztekammer von der Kügelchen-Medizin abgewandt hat, stößt sowohl auf Beifall wie auch auf Ablehnung. Eine recht persönliche Glaubensfrage.

"Ärztekammer bricht mit Homöopathie" vom 18./19. Oktober:

Wie im Mittelalter

Die Homöopathie-Anhänger sollten es mit Fassung tragen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten werden heute die Ansichten, "die nicht mit etablierten wissenschaftlichen Konzepten übereinstimmen" nicht mehr mit Folter, Scheiterhaufen oder ähnlichem geahndet. Mir kommen da in den Sinn: Die Erde ist eine Scheibe, die Sonne dreht sich um die Erde, Hexen reiten auf Besen durch die Nacht, das weibliche Gehirn nimmt Schaden durch Bildung...

Um die 55 Prozent der Menschen zu schützen, die im Krankheitsfall auf Globuli setzen, ist es am einfachsten, homöopathische Therapien gar nicht anzubieten. Konkurrenz totgeschwiegen, Problem gelöst! Und dadurch wird die Schulmedizin zwangsläufig besser, erfolgreicher, akzeptierter. Viel Glück.

Edeltraud Gebert, Gröbenzell

Endlich eine Distanzierung

Die Nachricht, dass die Ärztekammer mit der Homöopathie (endlich) gebrochen hat, zähle ich zu den besonders guten Nachrichten. Leider ist ja auch vielen intelligenten Menschen nicht bekannt, dass die Homöopathie nach dem heutigen Stand der Wissenschaft völlig unwirksam ist. So schrieb die sicher seriöse Zeit vor einiger Zeit einen Artikel über die Homöopathie mit dem Satz "Ein Angriff auf die Intelligenz des Menschen", in der sicher ebenso seriösen SZ las ich kürzlich von Dr. Werner Bartens, "für vernunftbegabte Menschen ist die Homöopathie eine intellektuelle Beleidigung (...) Nach diesem magischen Muster der Verdünnung wird das Volk seit mehr als 200 Jahren zum Narren gehalten." Erfreulich also, dass eine Gruppe renommierter Ärzte endlich ihre Stimme erhebt - es war Zeit!

Und die Gegenargumente? "Glaube versetzt Berge", Stichwort "Placebo". Fürs "Glauben" ist aber die Kirche zuständig, nicht die Medizin. Nur weil eine Krankheit verschwindet, nachdem wir uns ein paar Kügelchen einverleibt haben, heißt das nicht, dass diese Intervention auch die tatsächliche Ursache für die anschließende Veränderung war. Jahrzehnte psychologischer Forschung belegen immer wieder: Kaum etwas ist so fehlbar wie die menschliche Wahrnehmung. Es gibt sogar Fachbegriffe für die dabei auftretenden Phänomene. Wenn Herr Dr. Riker zur Homöopathie eine andere Meinung vertritt, wie in dem Artikel ja auch erwähnt, gehört das meines Erachtens in die Reihe "die Ausnahme bestätigt die Regel". Es gibt bekanntlich auch sehr starke Raucher, die sehr alt werden. Das wäre dann auch ein Argument gegen die Gesundheitsschädigung durch das Rauchen. Sicher sagen jetzt viele: so ein Unsinn - bitte gleich argumentieren bei der Homöopathie.

Herbert Goigner, Gauting

Jeden wählen lassen

"Patientensicherheit" nennt der HNO-Arzt Christian Lübbers die übergriffige Bevormundung Erwachsener. Was uns betrifft, wir möchten selbst entscheiden, was gut und passend für uns ist. Wir haben seit mehr als vierzig Jahren sehr gute Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht, und wir kennen auch ihre Grenzen. Auch in der klassischen Medizin gibt es Fälle, bei denen die "Patientensicherheit" durchaus nicht immer gewährleistet ist. Warum können Vertreter der klassischen Medizin die Homöopathie nicht als Ergänzung dazu gelten lassen? Sie kämpfen mit absolut unpassend rigorosen und unverschämten Worten dagegen. Was befürchten sie? Was steckt dahinter?

Brigitte und Reinhard Hilz, Dachau

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