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Homöopathie:Bei uns wird streng geprüft

In den USA wurden Todesfälle mit einem homöopathischen Medikament in Zusammenhang gebracht. Leser sehen diese Gefahr in Deutschland nicht gegeben, da die Zulassung von Homöopathika strengen Regeln unterliege.

Zu "Die Kügelchen brachten den Tod" vom 23. Februar:

Zusammenhang nicht bewiesen

Mit einer Überschrift aus dem Boulevard- Journalismus weist Werner Bartens auf mögliche schwere Nebenwirkungen eines homöopathischen Medikaments aus den USA hin. Ein ursächlicher Zusammenhang der Zwischenfälle mit Belladonna, einem Inhaltsstoff des Komplexmittels, wird vermutet, ist aber nicht bewiesen. Die FDA, die Kontroll- und Zulassungsbehörde der USA, warnt vor dem Arzneimittel, es wird trotzdem noch verkauft. Das amerikanische Kontrollsystem scheint hier nicht zu funktionieren, in Deutschland wäre das anders: Das BfARM ( Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) prüft alle homöopathischen Arzneimittel sehr streng, bevor sie angewendet werden. Das führt dazu, dass bestimmte homöopathische Substanzen nicht mehr verwendet werden dürfen, wenn nur der geringste Verdacht auf Gefahr für die Patienten besteht. Das Paradoxon, dass in den Homöopathika von einer bestimmten Potenz an keine physikalisch nachweisbare Substanz mehr vorhanden ist, was Skeptiker immer als Beweis für ihre Wirkungslosigkeit benutzen, wird dadurch nicht aufgelöst. Die amerikanischen Verhältnisse sind also nicht auf Deutschland zu übertragen, diese Information unterschlägt der Autor. Stattdessen wird assoziiert, dass homöopathische Kügelchen prinzipiell gefährlich seien und auch in Deutschland Kinder nach deren Einnahme sterben könnten.

Dr. med. Ingrid Pfanzelt, München

Das war Etikettenschwindel

Da schafft es eine nicht vorhandene Substanz, in den USA Kinder umzubringen. Mit welcher Hexerei ging es denn dabei zu? Ach so, es war gar kein homöopathisches Mittel? Egal, es stand schließlich drauf! Also hat wer Schuld? Ganz klar, "die" Homöopathie. Dabei hätte ein wenig Recherche ausgereicht, um herauszufinden: Wenn nicht so stark verdünnt wurde, wie es das Homöopathische Arzneimittelbuch (HAB) nach strengen Regeln vorsieht, ist es gar keine Homöopathie. Es ist so ähnlich wie beim Bierbrauen: Das Reinheitsgebot garantiert noch lange nicht, dass sich alle daran halten. Man würde deshalb nicht das Biertrinken infrage stellen, sondern sich über Etikettenschwindel und Missbrauch aufregen.

Therese Wanninger, Oberaudorf

© SZ vom 09.03.2017

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