bedeckt München 21°

Home-Office:Wer profitiert vom Heimbüro?

Abschied von der Präsenzkultur bringt nicht nur Vorteile, meint eine Leserin. Arbeitgeber sollten Büroflächen besser nutzen als bisher, findet ein anderer.

Zu "Vereinbarkeit für alle" vom 18./19. Juli und "Bleibt doch zu Hause" vom 17. Juli:

Die undifferenzierten "Hurra-Rufe" bezüglich des Arbeitens im Home-Office kann ich nicht nachvollziehen. Und nein, "dieser Abschied von der Präsenzkultur bringt nicht nur Vorteile": In keiner Weise wird bei der Berichterstattung berücksichtigt, welche Kosten auf die Arbeitnehmer zukommen. Wohnraum in München ist teuer: Kann und möchte ein Angestellter seinem Arbeitgeber Wohnraum zur Verfügung stellen? Wem diese Möglichkeit verwehrt ist, sitzt in seiner Nische im Gang oder am Küchentisch - Partner und Kinder im Hintergrund. Ungleichheit wird so zementiert. Der Arbeitskosmos stellt auch soziale Kontakte her und garantiert soziale Kontrolle. Wie garantieren Arbeitgeber die Loyalität ihrer Mitarbeiter, wenn diese nur unregelmäßig ins Büro kommen? Wie werden die Arbeitsschutzgesetze eingehalten, wie die ergonomischen Vorgaben?

Solange diese Fragen nicht geklärt sind, ist Home-Office kein Modell, das Arbeitnehmer befürworten sollten. Dass die SZ meines Erachtens bisher keine wirklich differenzierte Berichterstattung zum Thema erarbeitet hat, sondern das Home-Office favorisiert, etwa weil Züge und Autobahnen dann leerer sind, erschüttert mich.

Gisela Kranz , Oberschleißheim

Es ist de facto so, dass Unternehmen Mietausgaben drücken, wenn sie auf Home-Office umsteigen, auch wenn sie beteuern, dass es nur um das Wohl der Beschäftigten gehe. Hier hätte ich mir eine kritischere Auseinandersetzung gewünscht. Beispielsweise wie Unternehmen aktiv das Home-Office der Mitarbeiter unterstützen können, auch finanziell. Schließlich ist nicht gesagt, dass der neue Wind durch das plötzliche Home-Office, kombiniert mit der Ausnahmesituation durch Covid-19 und der Angst, den Job zu verlieren, anhält und das spontane Office in der Küche so produktiv bleibt, wie es in den ersten Monaten war.

Eine alternative Folgerung hätte sein können, dass Großraumbüros nicht die Lösung sind und man bei weniger Menschen im Büro die Flächen anders nutzen könnte: durch mehr Einzelbüros oder die Möglichkeit, in kleinen Gruppen zusammenzukommen, in Meetingräumen mit Wohlfühlatmosphäre.

Valentin Lindlacher, München

© SZ vom 06.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite