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Heizungen:Abschied vom Öl

Knackiger Winter - Schornsteine

Hauptsache warm. Viele Häuser wie hier in Leipzig sind noch mit alten Heizungen ausgestattet. Die Bundesregierung will die Eigentümer zum Umstieg auf umweltfreundlichere Energien bewegen.

(Foto: Jan Woitas/picture-alliance/ dpa)

Die meisten Heizkessel hierzulande sind mehr als zwanzig Jahre alt. Wer sie austauscht, bleibt oft beim gewohnten Brennstoff. Das soll sich jetzt ändern.

Von Ralph Diermann

Wo steht der älteste Heizkessel der Region Neckar-Odenwald? Das wollte die lokale Energieagentur vor zwei Jahren mit einem Wettbewerb herausfinden. Gewonnen hat eine Familie aus einem Dorf bei Heilbronn - ihr Ölkessel versorgte sie bereits seit 1966 mit Wärme. Solche Anlagen sind sehr robust, mit sorgfältiger Wartung halten sie jahrzehntelang. Für den Dinosaurier im Heizungskeller war die Zeit dann aber trotzdem abgelaufen: Als Preis spendierte ein Heiztechnik-Hersteller der Familie einen neuen Ölkessel.

Fast 21 Jahre haben die Öl-Zentralheizungen hierzulande im Durchschnitt laut dem Energieversorger-Verband BDEW auf dem Buckel, deutlich mehr als die Gasbrenner. Muss der Kessel schließlich doch einmal raus, bleiben viele Hausbesitzer beim gewohnten Brennstoff: Nach Angaben des Heiztechnik-Verbandes BDH wurden 2019 rund 52 000 neue Ölkessel installiert, so gut wie alle in Bestandsgebäuden. Zwar sind moderne Anlagen effizienter als die alten Brenner. Als Beitrag zum Klimaschutz sollte dieser Kesseltausch aber trotzdem nicht verstanden werden. Denn schließlich werden viele der neuen Öl-Heizungen jahrzehntelang in Betrieb sein. Sie emittieren über diesen Zeitraum große Mengen Kohlendioxid.

Seit Jahresbeginn ist für Heizöl wie auch für Erdgas eine CO2-Abgabe fällig

Die Bundesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Hausbesitzer zum Umstieg auf klimafreundliche Alternativen zu bewegen. Dafür drückt sie zum einen den Preishebel: Seit Jahresbeginn ist für Heizöl wie auch für Erdgas eine CO2-Abgabe fällig. "In 2021 verteuert die CO2-Abgabe Heizöl um sieben bis acht Cent pro Liter und Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde", sagt Corinna Kodim, Geschäftsführerin Energie, Umwelt, Technik beim Eigentümerverband Haus & Grund. Beim Heizöl werde der Aufschlag bis 2025 auf etwa 18 Cent pro Liter steigen. In einem Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern Fläche und einem durchschnittlichen Jahresverbrauch belaufen sich die Mehrkosten in dem Jahr dann auf insgesamt knapp 500 Euro. Angesichts der Entscheidung der EU-Kommission, das Ziel beim Klimaschutz zu erhöhen, wird die CO2-Abgabe nach 2025 wohl noch größer ausfallen. Ebenfalls dürfte sich Kodim zufolge mittelfristig auf den Preis auswirken, dass die Brennstoffhändler die Logistikkosten bei sinkendem Absatz auf weniger Kunden umlegen müssen. Die Energieexpertin rät deshalb: "Wer heute seine Heizung erneuert, sollte wenn irgend möglich auf einen anderen Brennstoff oder eine andere Technologie wechseln. Denn auf lange Sicht dürfte das Heizen mit Öl unwirtschaftlich werden."

Brandbrief für Öko-Heizungsprogramm

Heizen mit Pellets: Ein Teil des Wärmebedarfs soll künftig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.

(Foto: Bernd Weissbrod/dpa)

Darüber hinaus will die Bundesregierung Hausbesitzer auch per Ordnungsrecht davon abhalten, bei einer Heizungs-Modernisierung wieder auf Öl zu setzen. So dürfen ab dem 1. Januar 2026 in bestehenden Gebäuden nur noch dann neue Ölheizungen installiert werden, wenn ein Teil des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird - Eigentümer müssen also zusätzlich einen Pelletkessel, eine Wärmepumpe oder eine Solarthermie-Anlage einbauen. Der Gedanke dahinter: Schafft ein Hausbesitzer ohnehin eine Wärmepumpe oder einen Holzkessel an, könnte er die Öko-Technik auch gleich so groß dimensionieren, dass der Ölkessel überflüssig wird. Ohne Auflagen dürfen nur diejenigen Eigentümer eine neue Ölheizung installieren, die ihre Häuser nicht an ein Gas- oder Fernwärmenetz anschließen können und bei denen es technisch nicht möglich ist oder unwirtschaftlich wäre, erneuerbare Energien einzubinden. Die Details dazu legen die Bundesländer individuell fest. Im Neubau sind Ölbrenner künftig ganz verboten. Allerdings spielen sie hier schon heute praktisch keine Rolle mehr. Vor 2026 installierte Ölheizungen dürfen weiter betrieben werden, bis sie ein Alter von 30 Jahren erreicht haben. Allerdings gibt es auch hier eine Reihe von Ausnahmen, die es vielen Eigentümern erlauben, selbst noch ältere Ölkessel weiter laufen zu lassen.

Um den Hausbesitzern den Abschied vom Öl zu versüßen, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr ein üppiges Förderprogramm aufgelegt: Der Staat übernimmt 45 Prozent aller Kosten, wenn ein Eigentümer seinen Ölbrenner durch eine Heizung ersetzt, die ausschließlich erneuerbare Energien nutzt. Beim Umstieg auf einen Gaskessel mit ergänzender Solarthermie-Anlage, Holzheizung oder Wärmepumpe sind es immerhin noch 40 Prozent. Bei dieser Förderung werden die Gesamtkosten zugrunde gelegt - auch Leistungen wie eine Beratung oder die Demontage und Entsorgung des Ölkessels werden berücksichtigt. Die zuvor gewährte Prämie für den Tausch eines alten gegen einen neuen, effizienteren Ölbrenner oder auch gegen einen Gaskessel ohne Einbindung von erneuerbaren Energien wurde dagegen gestrichen.

"Erdgas schneidet nur unwesentlich besser ab als Heizöl, was Kosten und Klimaschutz betrifft."

"Mit der neuen Förderung wird das Heizen mit erneuerbaren Energien wirtschaftlich sehr interessant", meint Tina Götsch, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zwar seien die Anlagen auch mit dem staatlichen Zuschuss in der Regel noch etwas teurer als Gas- und Ölkessel. "Dafür können sie aber mit geringen Verbrauchskosten punkten. Und wegen der steigenden CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wird dieser Vorteil immer größer." Für welche Technologie sich ein Hausbesitzer entscheiden sollte, hängt vor allem vom energetischen Zustand der Immobilie ab, sagt Götsch. Bei sanierten Häusern seien oft Wärmepumpen die beste Wahl, gerade wenn dort Flächenheizungen installiert sind. Dann können die Heizungen nämlich mit niedrigen Temperaturen arbeiten, so dass die Wärmepumpen nur wenig Strom benötigen. Pelletheizungen eignen sich Götsch zufolge grundsätzlich für alle Gebäude, brauchen aber einen Lagerplatz für den Brennstoff. Dafür könne meist der Raum genutzt werden, in dem zuvor der Öltank stand. Den Wechsel zu einer Gasheizung sieht sie dagegen kritisch. "Erdgas schneidet nur unwesentlich besser ab als Heizöl, was Kosten und Klimaschutz betrifft", sagt die Energieberaterin.

Unabhängig von der gewählten Technologie sollten Eigentümer aber auf jeden Fall vorab eine Heizlastberechnung erstellen lassen, rät Götsch. "Denn um die neue Anlage richtig auszulegen, muss bekannt sein, welche Temperaturen in welchen Räumen benötigt werden." Sich dabei an der Leistung des alten Ölkessels zu orientieren, ist keine gute Idee, meint die Expertin - "die meisten alten Kessel sind nämlich überdimensioniert". Sie empfiehlt zudem, im Zuge der Heizungs-Modernisierung auch einen hydraulischen Abgleich vornehmen zu lassen. Der sorgt dafür, dass das warme Wasser in den Rohren optimal im Gebäude verteilt wird.

Es gibt zu wenige Handwerker, die sich mit regenerativen Technologien auskennen

Die Energiewende in den Heizungskellern könnte allerdings von einem Umstand ausgebremst werden, auf den der Bund keinen direkten Einfluss hat: "Es gibt derzeit nicht genug Handwerker, die in der Lage sind, die regenerativen Heizungstechnologien zu installieren", erklärt Haus & Grund-Expertin Corinna Kodim. Schon heute sind die Auftragsbücher vieler Handwerksbetriebe voll. Und längst nicht jeder Mitarbeiter ist in der Lage, eine Solarthermie-Anlage oder eine Wärmepumpe zu installieren, da dies andere Kompetenzen erfordert als der Einbau einer Öl- oder Gasheizung. Vorerst werde sich dieser Engpass auch nicht auflösen, da in den Ausbildungs- und Schulungszentren immer noch vor allem Gas- und Ölkessel stünden, sagt Kodim. Sie kritisiert: "Die Politik verlangt von den Hausbesitzern, ihre Ölheizungen durch klimafreundliche Technologien zu ersetzen. Aber die können das kaum erfüllen, weil es an den nötigen Handwerkern fehlt."

Wer seinen Ölkessel nicht aufgeben kann oder will, soll trotzdem heizen können, ohne das Klima zu belasten, meinen einige Brennstoff-Händler - sie bieten an, gegen einen geringen Aufschlag Klimaschutz-Projekte im Ausland zu finanzieren, die die CO2-Emissionen des Heizöls ausgleichen sollen. Bei der Baywa zum Beispiel kostet dies pro 1000 Liter derzeit 11,19 Euro. Das Geld fließt unter anderem in eine große Solaranlage in Indien.

"Die von manchen Händlern angebotenen Kompensationsmaßnahmen für den Kauf von Heizöl leisten bestenfalls einen indirekten Beitrag zum Klimaschutz, da die CO2-Emissionen beim Verbrennen des Heizöls weiterhin die Atmosphäre belasten", urteilt Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Er sieht aber dennoch eine Berechtigung für dieses Modell: "Solche CO2-Kompensationszahlungen sind ein Kompromiss für die Übergangszeit - also bis die klimaschädliche Ölheizung durch ein klimafreundliches System wie eine Wärmepumpe ersetzt werden kann."

© SZ/koe
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