Heizen:Pumpe plus Kessel

In Mehrparteienhäusern ist die Nachrüstung einer Wärmepumpe kompliziert - aber nicht unmöglich. Das zeigen Pilotprojekte.

Von Ralph Diermann

Während 2020 immerhin rund 30 000 Einfamilienhäuser mit einer Wärmepumpe nachgerüstet wurden, kann man die Anlagen in bestehenden Mehrparteienhäusern an wenigen Händen abzählen. In diesen Immobilien ist die Installation einer Wärmepumpe oft komplizierter, sagt Rainer Tepe von der Initiative Proklima. "Flächenheizungen gibt es dort in der Regel nicht, und der Einbau wärmepumpengerechter Heizkörper ist längst nicht überall möglich", erklärt der Experte.

Meist handelt es sich bei den nachträglich installierten Wärmepumpen um Pilotprojekte, mit denen Wohnungsunternehmen Erfahrungen sammeln wollen. So auch die landeseigene Berliner Degewo, die in einem achtstöckigen, 1954 erbauten Wohnhaus mit 64 Einheiten in Steglitz-Zehlendorf zwei Wärmepumpen eingebaut hat. Im gleichen Zuge hat das Unternehmen unter anderem eine umfassende Sanierung der Gebäudehülle vorgenommen, die Heizkörper durch Deckenheizungen ersetzt und kombinierte Photovoltaik-Solarthermie-Kollektoren sowie einen Strom- und einen Wärmespeicher installiert. "Uns ging es darum zu erproben, wie sich Häuser so sanieren lassen, dass sie den langfristigen Klimazielen gerecht werden", erklärt Degewo-Energiemanager Volker Ries.

Das Unternehmen will mittel- bis langfristig bei seinen Bestandsgebäuden ohne fossile Brennstoffe auskommen. "Wärmepumpen sind da durchaus eine Option", sagt Ries. Wobei es aber gar nicht immer die große Lösung sein muss. "Bei manchen Gebäuden sind auch hybride Systeme eine Option", erklärt er. Dabei bleibt der bestehende Gaskessel in Betrieb. Er übernimmt an besonders kalten Tagen, wenn die Wärmepumpe nicht mehr effizient arbeitet. Wird der Kessel mit Biogas oder synthetischem Erdgas betrieben, ist er CO2-neutral. Ries weist allerdings darauf hin, dass der klimagerechte Umbau der Wärmeversorgung so oder so viel Geld kosten wird. "Warmmietenneutral wird man das in der Regel wohl nicht hinbekommen", meint der Experte. Auch in Steglitz-Zehlendorf stiegen die Mieten beträchtlich - im Durchschnitt von etwa fünf auf gut acht Euro. Die Begrenzung der Modernisierungsumlage griff hier nicht, da nach der einjährigen Sanierung fast durchweg neue Mieter eingezogen sind. Den alten Mietern hatte die Degewo andere Wohnungen verschafft. Die Nebenkosten sanken durch die Sanierung um gut 60 Cent.

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